Chicago, Illinois
Chicago-Wolkenkratzer

The Windy City

Two Prudential Plaza
Chicago

Klar, der Besucher aus dem engen Europa findet alles größer, weiter, höher und anders als zuhause. Das geht jedem so wenn er in die Staaten kommt, immer wieder. Genau das soll hier aber nicht beschrieben werden.

Was sind die Unterschiede zum Leben bei uns, was fällt sofort auf? Was stimmt bedenklich? Was ist besser und könnte bei uns genauso gemacht werden?

Was auffällt in Chicago? Die Stadt ist sauber. Es gibt, auch in nicht so guten Vierteln, keinerlei Graffiti. Hunde haben hier auch nichts zusuchen.

Manche Hochhäuser sind aber wirklich schön anzuschauen. Meist sind es die, die mit wertvollen Materialien gebaut sind. Das 303 m hohe Gebäude mit dem markanten Dach wurde 1990 fertig. Es ist das Two Prudential Plaza und hat 64 Stockwerke.

Das Kaugummihaus - Wrigley Building
Chicago
Chicago
Chicago
John Hancock Center
Chicago
Chicago
Chicago
Millenniumspark
Chicago
Chicago
Chicago
Chicago
Chicago

Das schnörkellose weiße Hochaus ist das Aon Center. Es wurde 1973 eröffnet, hat 83 Stockwerke und ist 346 m hoch. Standard Oil hat seinen schmucken Wolkenkratzer mit 43.000 Platten aus italienischem Marmor verblendet. Man gönnt sich ja sonst nichts...

Aber der Winter 1974 war kalt als der Marmor angebracht wurde. Eine Platte flog heraus und durchschlug das Dach des Prudential Centers. Schließlich nahm man 1990 - 1992 mehr als 80.000.000 US$ in die Hand und tauschte den Marmor gegen einen weißen Granit aus. Damit war die Renovierung teurer aus der Bau selber.

Wer war John Hancock? Die John-Hancock-Insurance hat die 100 Stockwerke 1970 hochgezogen, 343 Meter hoch. Mr. Hancock starb aber schon 1793. Er war der erste Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung und Präsident des Kongresses.

Im 95. und 96. Geschoss ist ein Restaurant mit schöner Aussicht. Ein Sandwich kostet nur 12 US$ ohne Tip.

Büros sind bis zum 43. vermietet, im 44. ist ein Schwimmbad und bis zum 93. Stockwerk wohnen gut abgeschirmt etwas reichere Privatleute.

Trump International Hotel and Tower
Chicago
Chicago

Chicago, Stadt des Jazz

Komisch, in den Zwanzigern spielten alle verrückt. In New Orleans schlossen sie das Vergnügungsviertel Storyville und der Jazz wanderte nach Chicago. Louis Armstrong, King Oliver und viele andere trafen hier auf die wilde Zeit.

Prohibition, Prostitution, Glücksspiel, alles beherrscht von dem mit den weißen Gamaschen und der Maschinenpistole (dont worry - he is not in my story!), die Golden Twenties eben, Charleston in der Friedrichstaße...

Später kam der schwermütige Delta-Blues mit Gitarre und Mundharmonika dazu. Musiker um Muddy Waters elektrifizierten die Gitarre, Chicago Blues eben.

In den 60ern dann der Chicago Soul, später entstand die House Music und daraus Hip-hop.

Hip-hop mag ja hören wer will, aber so ein trauriger Klammerblues um Mitternacht, Typ Zunge im Ohr, ist doch was schönes, gell?

Chicago

Das kleine Bild (aus Wikipedia) zeigt den Baufortschritt am 29.07.2007, die anderen Bilder sind vom 21.10.2007. Anfang 2008 soll der untere Teil bezogen werden, 2009 soll der Wolkenkratzer mit 96 Stockwerken und 415 Meter Höhe fertig sein. Trump wollte in der Planungsphase im Jahr 2000 hier das höchste Gebäude der Welt errichten aber dann kam nine eleven...

Das Haus wird noch einmal so hoch werden wie es derzeit schon ist. Der Baugrund alleine hat 70 Mio. gekostet. Der Bau ist mit 400 m Höhe bei Gesamtkosten von 750 Mio. US$ veranschlagt. Für rund eine Milliarde stelle die hier schnell was hin.

Das können wir in Berlin natürlich viel besser! Zwar dauert es 10 mal so lange und was richtig Großes ist auch noch nie rausgekommen, dafür verdoppeln sich aber die Kosten auf geheimnisvolle Weise immer zuverlässig und das Geld ist weg. Nach einhelliger Meinung von Experten liegt es einzig am Untergrund: märkischer Sandboden! Schon der Alte Fritz staunte über "Gottes Streusandbüchse" . Na, hin und wieder werden ehemals lokale, selbst ernannte Größen vorzugsweise einer schwarzen Partei von A wie An.. bis L wie Lan... (Was? Sie kennen die?) milde verknackt, aber gelöst wird das Problem so nie. Es liegt eben am Sandboden...

Offiziell heißt das glänzende Gebilde aus polierten Stahlplatten "Cloud Gate on the AT&T Park". In dem 110 Tonnen schweren Gebilde spiegeln sich die Wolken, die Stadt und die fotografierenden Besucher in spektakulärer Weise. Bekannt ist es unter dem Namen "Die Bohne". Der Brite Anish Kapoor hat es geschaffen, inspiriert von flüssigem Quecksilber, 22 Meter lang, 11 Meter hoch.

Bemerkeswert ist die nahtlose Aussenhaut in dieser ebenmäßigen Ausführung. Die Spiegelung unter der "Bohne" verblüfft ebenfalls. Ganz zufällig ist der Name des Sponsors im Namen enthalten. Das Ding muss ein Vermögen gekostet haben.

Wie kann man Metall in dieser Größe so glatt und fehlerfrei verarbeiten?

Pures Gold der Nebeneingang? Oder doch eher hochglanzpoliertes Messing? Was man mit so kleinen Streifen Kaugummi, die überall in der Welt die Bürgersteige verkleistern, doch alles erreichen kann.

Oliver Kahn in Großaufnahme, die Kiefer malmen unermüdlich, den Blick kühn in die Ferne gerichtet - cool eh? Eher zum Kotzen...

Das Wrigley-Unternehmen produzierte 1891 Seife. Sie legten der Seife Backpulver bei. Dann legte man dem Backpulver je 2 Streifen Kaugummi bei. 1915 standen 1,5 Mio. Amerikaner im Telefonbuch und jeder bekam per Post 4 Streifen Kaugummi.

4 Jahre später bekamen so 7 Mio. Telefonbesitzer in den USA das Produkt und 1920 konnte der Firmensitz gebaut werde.

So macht man das!

Chicago
Hochhäuser

Längst haben die USA den ewigen Kampf um das höchste Hochhaus verloren. Taiwan (Taipai 101: 508m) , Shanghai, Kuala Lumpur (Petronas Towers: 452 m), die Emirates bauen höher. Sie verraten bei Baubeginn nicht mal mehr die geplante endgültige Höhe. In Dubai soll ein Wolkenkratzer (Burj Dubai) 808 Meter hoch werden, munkelt man. Manche sagen auch 1000 m

Aon Center
Chicago
Sears Tower
Chicago

Der Wolkenkratzer wurde 1974 (nach Plänen von Bruce Graham, Bauzeit 4 Jahre) eröffnet und war mit den 2 Antennen bis 1998 das höchste Gebäude (443 m, 103 Stockwerke, mit Antenne 527 m) weltweit. Es steht etwas weiter weg vom Michigansee am Chicago River. Die Außenhaut aus schwarzem Aluminium gibt ihm ein düsteres aussehen. 16.100 Fenster müssen da geputzt werden. Der Einzelhandelskonzern Sears hatte hier einmal seine Zentrale.

Im Juli 2009 wurde er zum Unwillen der Amerikaner in Willis Tower umbenannt. Die Londoner Versicherung Willis Group Holdings hat 13.000quadratmeter Bürofläche gemietet und die Namensrechte gleich mit erworben.

Marina City
Chicago
Chicago

Das Wabenhaus in Form zweier Maiskolben wurde schon 1959 geplant und 1964 eröffnet - für lächerliche 36 Millionen US $. Jedes Zimmer der 450 Appartements pro Turm hat einen Balkon. Muss so richtig praktisch sein bei dem Wind da oben, spart man doch einen Fön nach dem Duschen. Die Energiebilanz des Hauses muss so der mittleren Steinzeit entsprechen.

179 m hoch ist jeder Turm und beim Parken wird einem schwindlig bis zur 19. Etage, vorbei an 896 Stellplätzen. Besser ist es, sein Boot unten reinzufahren. Man sollte allerdings genug Kleingeld dabei haben.

Die Türme kommen bekannt vor? Klar, Hollywood war hier. 1980 schon mit Steve McQueen in seinem letzten Film "The Hunter". Da fuhr das erste Auto aus dem 14. Stock in den Chicago River.

Dann kam 007. Der landete aber nicht im Fluss sondern aus Marketinggründen direkt in der Autovermietung um den BMW Roadster zurück zugeben (product placement). Scheiß Werbung überall. Der Film hieß "Der Morgen stirbt nie". James Bond leider auch nicht.

Chicago
Merchandise Mart
Chicago

Im Jahre 1930 erbaut gehörte das angeblich größte Handelsgebäude der Welt ca. 50 Jahre lang den Kennedys. (Das Größte? Kennen die denn den Flughafen Tempelhof in Berlin nicht? Wir wollen doch auch mal!)

http://de.wikipedia.org/wiki/Chicago#Die_h.C3.B6chsten_Geb.C3.A4ude

Chicago
Chicago

Das Wasserbecken im Millenniumspark wird von 2 Türmen aus Glasbausteinen an den Längsseiten begrenzt. Wasser rinnt herunter. Von hinten werden alle 10 Mintuten Gesichter Chicagoer Bürger per Video projiziert, die irgendwann Wasser speien, mit den Augen blinzeln und sich auch sonst gespenstig lebendig geben.

Im Park gibt es schön angelegte Blumenbeete, verschlungene Weg, mit t viel Tropenholz belegt.

Noch mehr aber gibt es Wächter in Uniformen und Polizei auf Skootern mit den zwei Rädern, die durch Gewichtsverlagerung gesteuert werden.

Folgedessen ist es im Park absolut sauber, nichts ist beschmiert, nichts beschädigt. Es lungern keine Penner rum.

Jede deutsche Kommune würde an den Personalkosten pleite gehen.

Alles in dem in den 70ger-Jahren aufgegebene Gelände des ehemaligen Hauptbahnhofs ist von den großen Firmen gespendet.

Bei der Skulptur über der Freilichtbühne muss es nicht einmal dranstehen, wer da der Geldgeber war.

Die Firma Boeing hat übrigens ihr Headquater vom fernen Seattle nach Chicago verlegt.

Spendenfreudig

Hey, lass uns noch ein paar Hundert Tonnen Nirostastahl reinhauen! Da fragt man sich doch, was macht die großen Firmen so spendenfreudig?

Ist es ein schlechtes Gewissen?

Die Frage ist schon blöd. Kapital hat kein Gewissen, erst recht kein schlechtes. Nur weil man im Quartal - das ist der lange Zeitraum von ganzen 3 Monaten! - mehrere Milliarden Gewinn macht?

Sind es steuerliche Gründe?

Kaum. Da hat man seine Anwälte und Inseln in der Karibik oder Niederlassungen in Sonstwo. Die machen schon ihre passenden Verluste.

Imageverbesserung?

Was anderes bleibt kaum übrig. Muss ja keiner wissen, dass die paar 100 Mio. aus der Portokasse kommen-bei den Gewinnen.

Wäre interessant zu wissen, ob die laufenden Bewachungs- und sonstige Kosten auf die Community abgewälzt werden.

Na ja, waren ja nur mal so'ne Überlegungen wenn mal so durch die heile Welt da marschiert und vorher die maroden Straßen und rostenden Brücken in der Stadt gesehen hat...

... oder einfach auf das Bild klicken...

...und sonst?
Chicago
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Na ja, zugegeben! Da gibt es schon einiges zu sehen, aber wenn wir die Klötzer in Berlin hätten, wären sie bestimmt noch viel höher!

Chicago
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Oben Spendenstahl, unten Brückenstahl

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Chicago River

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