Rund um die Glienicker Brücke

Seite 34:

Jagdschloss Glienicke, Traut-Erker, Seite 33

Brandenburger Kaleidoskop, Seite 35

Karin Berning, Berlin                                          29. 8. 2011

Email: Karin Berning@web.de

Frau Senatorin Junge-Reyer

Württembergische Str. 6

10707 Berlin

Offener Brief an die Stadtentwicklungssenatorin

Sehr geehrte Frau Senatorin Junge-Reyer,

da die Baugenehmigung des Taut-Erkers am Jagdschloss Glienicke zurückgenommen wurde, der Bildungssenator sich mit Hinweis auf den Denkmalschutz für nicht zuständig erklärt hat, wende ich mich an Sie.

Im Protokoll des Landesdenkmalrates vom 11. März 2011 wird in der Empfehlung des Landesdenkmalrates gesagt, dass "gerade für die Öffentlichkeit der Taut-Erker von unverzichtbarer Bedeutung ist".

Viele Bürger und Touristen sind da anderer Meinung. Deshalb haben wir eine Unterschriftensammlung gestartet.

Wir möchten wissen, wie viel Unterschriften Sie umstimmen werden, damit die Geyersche Fassade am Jagdschloss Glienicke anstatt des Max-Taut-Erkers wiederhergestellt wird.

Das Jagdschloss liegt in einem Weltkulturerbe, das geprägt ist durch den Wunsch das Ideal einer südlichen Landschaft in Glienicke und Potsdam zu schaffen. Zu Recht hat es den Weltkulturerbestatus bekommen.

Der Artikel 6 und 14 der Charta von Venedig besagt, dass die Denkmalgebiete Gegenstand besonderer Pflege sein müssen, damit ihre Integrität, ihre funktionelle Erneuerung, ihre Anpassung und Wiederbelebung gesichert werden können.

In den Diskussionen und Protokollen finden sich keine Hinweise auf die Verletzung der Integrität des Weltkulturerbes Schlösser und Parks Potsdam/Berlin durch den Taut-Erker, sondern nur Hinweise auf den Namen Max Taut. Der Architekt Max Taut wird höher bewertet als die Integrität einer Weltkulturerbestätte.

Daher wenden wir uns gegen den Taut-Erker zum Park am Jagdschloss Glienicke. Es ist auch auf die im Landesdenkmalrat diskutierte Einbindung der Öffentlichkeit bei den Entscheidungen zu verweisen. Dies ist bisher nicht geschehen.

Der Bildungssenator Zöllner hat in seinem Brief vom 18. 7. 2011 geschrieben, dass auf Grund des Weltkulturerbestatus

"die bauliche Gestaltung denkmalschutz-rechtlichen Bestimmungen und nicht der Entscheidungskompetenz einer Verwaltung"

unterliegt und meine Einwände an den Landeskonservator zur Beantwortung geschickt. Bisher habe ich keine Antwort von ihm bekommen. Und der Hinweis auf die Entscheidungskompetenz ist problematisch, sind doch die Denkmalschutzbehörden Verwaltungen.

In dem Artikel der Morgenpost vom 12. 8. 2011 und in dem bereits erwähnten Schreiben des Bildungssenators wurde auf das Treffen vom Ende März und die dort erzielte Einigung verwiesen. Der Baustadtrat Stäglin war bereits in das Treffen mit dem Votum des Bauausschusses von Steglitz-Zehlendorf vom 2. 2. 2011 gegen diesen Max-Taut-Erker in die Verhandlung gegangen. Dass er dem Max-Taut-Erker zugestimmt hat, entspricht nicht dem Votum und er sagt selber, dass er gegen diesen Erker ist.

Eine Woche vor dem Treffen hatten Sie im Abgeordnetenhaus gesagt, in ihrer Behörde seien unüberbrückbare Differenzen wegen der Fassade. Übrigens gibt es sie auch in der Behörde des Bildungssenators, so Christian Walther für den Bildungssenator bei Schupelius. Und im Mai hat sich die BVV Steglitz-Zehlendorf einstimmig gegen den Taut-Erker ausgesprochen.

Davon informierte Baustadtrat Stäglin Sie im Juni. Auf Nachfragen in der BVV und dem Stadtplanungsausschuss sagte Herr Stäglin immer wieder, dass er nichts tun könne, da der Bauherr der Bildungssenator sei. Der wiederum lehnt eine Verantwortung ab und verweist auf den Denkmalschutz als Verantwortlichen. Laut Oberster Denkmalschutzbehörde ist in den Entscheidungen zum Denkmalschutz der Wunsch der Bevölkerung einzubeziehen. Auch Politiker aller Parteien sind für den Rückbau zur Geyer-Fassade von 1890.

In verschiedenen Briefen wurden verschiedene Gründe gegen den Rückbau aufgeführt:

1.

Es wurde die Behauptung aufgestellt, dass der Umbau und der Erker auf Grund der Mauer vorgenommen wurde. 

In der Gesamtausgabe der Werke Max Tauts von A. Menting wird Taut zitiert, er habe diesen Umbau für die Jugendeinrichtung vorgenommen. Von der Mauer sagt er nichts. Und einen Zugang zum Jagdschloss von der Königstraße gab es bereits um 1860.

Kritik kam bereits von Tauts Zeitgenossen, die diesen Umbau als nicht so gelungene Arbeit "eines verehrungswürdigen Meisters" bezeichneten. Es macht keinen Sinn diese nicht so gelungene Arbeit zu erhalten. Die Zeitspuren, die der Landeskonservator wünscht, würden mit der Turnhalle neben dem Schloss und durch die Taut-Fassade zum Hof erhalten bleiben. Taut hat hier ganz bewusst den Treppenaufgang in den Hof, also Richtung Klein-Glienicke und somit zur Mauer verlegt, entgegen den Behauptungen der Erker wäre auf Grund der Mauer der Eingang.

Das Weltkulturerbe in Glienicke muss der Maßstab für die Veränderungen sein, nicht der Name oder Ruf eines Architekten.

2.

Die Stellungnahme von ICOMOS vom März 2011, die Senator Zöllner in seinem Brief vom 18.7. 2011 erwähnte, hört sich an wie eine Drohung. Diese immer wieder suggerierte Behauptung, dass das ICOMOS Berlin die Welterbestätten-Anerkennung wegen des Rückbaus des Taut-Erkers aberkennen würde, ist laut Herrn Petzet, Vorsitzender der deutschen ICOMOS, haltlos.

Allerdings, so wie Berlin mit dieser Weltkulturerbestätte umgeht, wäre es auch nicht überraschend. Die neuen Weltkulturerbestätten der Moderne haben aus dem Investitionsfond (BMVBS 2009) der Bundesregierung für die Welterbestätten viel Geld bekommen, welches eigentlich für den Erhalt von Gebäuden bestimmt war. So sollen die "Modernen" Gelder für die "Entwicklung eines Leitsystem für die touristische Erschließung der Welterbestätten, zunächst als Prototyp für die Siedlungen der Moderne" erhalten.

Und ich zitiere weiter aus dem Protokoll des LDR vom 19. März 2010:

Herr Prof. Haspel hebt hervor, dass vor allem der erste Gesamteindruck der Welterbestätte eine besondere Rolle spielt und dass man sich die Frage stellen sollte, wie wird der Zugang zu einer Welterbestätte gestaltet bzw. wie betritt der Besucher die Welterbestätte?

und weiter:

Die Bewahrung des baukulturellen Erbes der Stadt, der bedeutenden Berliner Kulturdenkmäler und Welterbestätten sichert einen gravierenden Standortfaktor, der nicht riskiert werden darf.

Offensichtlich gilt dies nicht für das Weltkulturerbe in Glienicke. Zu dem Taut-Erker am Jagdschloss kommt jetzt noch hinzu, dass die Zisterne für den Springbrunnen im denkmalgeschützten Park des Jagdschlosses mehrere Zentimeter über der Grasnarbe liegt. Wenn dies nicht behoben wird, ist der Eindruck ebenfalls erheblich gestört. Und das gegenüber dem Jagdschloss an der Königstraße gelegene Konditoreigebäude ist am Verfallen. Auch der "Volkspark" ist sanierungsbedürftig. Hier tut sich nichts. (§4 Charta von Venedig)

Ist es Ignoranz oder gar Hass auf das Weltkulturerbe in Glienicke? Beides ist schlecht vorstellbar von den zwei Denkmalbehörden unter Ihrer Verwaltung, aber als Bürger bekommt man schon diesen Eindruck.

Jetzt wo die Genehmigung widerrufen ist, sollten Sie die Einwände der Bürger ernst nehmen und die Fassade so wieder herstellen, wie sie auf dem Bauschild ausgewiesen ist, nämlich nach Geyer.

Und noch einmal die oben gestellte Frage, wieviel Unterschriften gegen den Taut-Erker brauchen Sie, um Ihre Meinung zu ändern und die Geyer-Fassade wieder aufzubauen?

Mit freundlichen Grüßen

Karin Berning

Jagdschloss Glienicke - Fortsetzung

Schriftwechsel und Anfragen
(Von Karin Berning zur Verfügung gestellt)

zur Verhinderung des Max-Taut-Erkers an der Fassade des Schlosses

Schriftwechsel und Anfragen

Auszüge aus einem Schreiben des Regierenden Bürgermeisters Wowereit vom 31. Mai 2011 an

Karin Berning

Jeder der das Schloss kennt, wird hierzu seine eigene, vom individuellen ästhetischen Empfinden geprägten Vorstellung haben, sollte aber auch anderen Auffassungen mit demselben Respekt begegnen, den man für die eignen erwartet. In der Sitzung des Ausschusses für Kulturelle Angelegenheiten am 4. April 2011 hab ich deutlich gemacht, dass ich in diesem Sinn zwar zu einer Wiederherstellung des älteren Erscheinungsbildes der Fassade neige, aber auch mit Respekt zur Kenntnis nehme, dass es neben der rein ästhetischen auch eine gewichtige fachliche Dimension des Umgangs mit dem Jagdschloss Glienicke gibt.

Nach anerkannten Denkmalpflegegrundsätzen sollen die Beiträge aller Epochen zu einem Baudenkmal respektiert werden und der historischen Zeugniswert eines Baudenkmals ist zu bewahren. Es ist für mich durchaus beeindruckend, in welch großer Übereinstimmung das deutsche ICOMOS-Nationalkomitee, der Berliner Landesdenkmalrat und die Berliner Akademie der Künste, die sich auf eine begutachtende Stellungnahme von Frau Prof. Menting stützt. die von Max Taut vorgenommenen Ergänzungen an dem Bauwerk als funktional gelungen und als Zeugnis der Zeitumstände, als der westliche Teil Berlins eingemauert war, würdigen.

Abgeordnetenhaus BERLIN

16. Wahlperiode


Drucksache 16 / 20 856 Nicht behandelte Mündliche Anfrage

Nicht behandelte Mündliche Anfrage Nr. 11


des Abgeordneten Dr. Uwe Lehmann-Brauns (CDU)

aus der 84. Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 09. Juni 2011 und

Antwort Fassadenwiederherstellung Jagdschloss Glienicke

Im Namen des Senats von Berlin beantworte ich Ihre nicht erledigte Mündliche Anfrage gemäß § 51 Abs. 5 der Geschäftsordnung des Abgeordnetenhauses wie folgt:

Frage 1: Wird der Senat als oberste Denkmalschutzbehörde zulassen, dass die Fassade des aus dem 17. Jahrhundert stammenden Jagdschlosses Glienicke erneut mit einem verunstaltendem Glaserker im Zuge der Fassaden-restauration versehen wird?

Frage 2: Wann ist mit welcher Entscheidung zu rechnen?

Antwort zu 1 und 2: Der Senat sieht keine Veranlassung, das Abstimmungs- und Genehmigungsverfahren zwischen den zuständigen Denkmalbehörden und dem Nutzer zu beanstanden.

Nach international anerkannten Denkmalpflegegrundsätzen sollen die Beiträge aller Epochen zu einem Baudenkmal respektiert werden und der historische Zeugniswert eines Baudenkmals ist zu bewahren. Es ist für den Senat durchaus beeindruckend, in welch großer Übereinstimmung das deutsche ICOMOS1-Nationalkomitee, der Berliner Landesdenkmalrat und die Berliner Akademie der Künste, die sich auf eine begutachtende Stellungnahme von Frau Prof. Menting stützt, die von Max Taut vorgenommenen Ergänzungen an dem Bauwerk als funktional gelungen und als Zeugnis der Zeitumstände, als der westliche Teil Berlins eingemauert war, würdigen.

Zu dieser Variante wurde Ende März 2011 zwischen den Beteiligten Einvernehmen erzielt.

Anlass für eine Dissensentscheidung gibt es nicht.

Berlin, den 29. Juni 2011

J u n g e - R e y e r

................................

Senatorin für Stadtentwicklung

(Eingang beim Abgeordnetenhaus am 11. Juli 2011)

_______________________________

1 Internationale Rat für Denkmalpflege

Anwortschreiben vom 18. 7. 2011 der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung an Karin Berning

1990 wurde das Jagdschloss Glienicke als Teil der Schlösser und Parks von Potsdam-Sanssouci und Berlin in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

Damit unterliegt die Entscheidung über bauliche Gestaltungen denkmalschutzrechtlichen Bestimmungen und nicht der Entscheidungskompetenz einer Verwaltung.

Zu Bedenken bei dieser Lösung ist, dass Denkmalschutz nicht immer nur eine Frage von Ästhetik, sondern auch von Zeitgeschichte und deren Dokumentation ist. Das sollte so nun auch akzeptiert werden.

Mir liegt übrigens eine Stellungnahme von ICOMOS aus dem März 2011 vor, in der unter Bezug auf maßgebliche Grundlagendokumente für die Bewertung von Welterbstätten, dringend von einem Rückbau abgeraten wird.

Abgeordnetenhaus BERLIN

16. Wahlperiode


Drucksache 16 / 15 058 Kleine Anfrage

Kleine Anfrage der Abgeordneten Alice Ströver (Bündnis 90/Die Grünen)
vom
03. Januar 2011
(Eingang beim Abgeordnetenhaus am 04. Januar 2011) und Antwort


Jagdschloss Glienicke: Von Taut verbaut oder was verstehen wir unter sinnvollem Denkmalschutz?

Im Namen des Senats von Berlin beantworte ich Ihre Kleine Anfrage wie folgt:

Frage 1: Welche Gründe für den Senat maßgeblich gewesen, die verbliebenen Bauelemente von Bruno Taut aus den 60er Jahren am Jagdschloss Glienicke zu sichern, obwohl die Erhaltungsfähigkeit selbst von der beteiligten Architektin grundsätzlich infrage gestellt wird?

Antwort zu 1: Am 13. August, vor 50 Jahren, wurde die Berliner Mauer gebaut, die Berlin und Deutschland viele Jahrzehnte definitiv spaltete und die heutige Welt-erbelandschaft der Schlösser und Gärten von Potsdam und Berlin durchschnitt.

Das Jagdschloss Glienicke in seiner überlieferten Nachkriegsgestaltung bezeugt nicht zuletzt im Welterbe-kontext Auswirkungen des Mauerbaus und des Kalten Krieges in Glienicke. Der Architekt Bruno Taut war an den Umbaumaßnahmen in den 60er Jahren zum Jagdschloss Glienicke nicht beteiligt, sondern sein Bruder, der Architekt Max Taut.

Das Sanierungs- und Denkmalpflegekonzept geht von der Erhaltung und Komplettierung des beschädigten Jagdschlosses aus, wobei - entsprechend den internationalen Denkmalpflegegrundsätzen der „Charta von Venedig“ - bedeutende und erhaltene Beiträge aller Epochen zu respektieren und die Erhaltung des Kunstwerks wie die Bewahrung des historischen Zeugniswerts zu gewährleisten sind. Dieser Auffassung war auch der Landesdenkmalrat Berlin im November 2005, der empfahl, „sowohl Innenräume als auch Gestaltungselemente, die der Innen- und Außenverknüpfung dienen, grundsätzlich zu erhalten oder wiederherzustellen.“

Die Erhaltungs- und Sanierungsfähigkeit des Taut'schen Eingangspavillions muss geprüft werden. Im Moment werden intensive baufachliche Abklärungen vorgenommen, die den Erhalt und die Ertüchtigung des Eingangsbereiches auf bauphysikalische Machbarkeit und deren betriebliche und unterhaltsmäßige Eignung prüfen. Erst nach intensiver Prüfung kann abschließend ein Entscheid über Teilertüchtigung des Bestandes, Neubau nach Vorbild des Bestandes (M. Taut 1964) oder Rückbau (A. Geyer 1889) gefällt werden - unter Berücksichtigung der Anliegen der Denkmalpflege sowie auch anderer öffentlicher Interessen.

Frage 2: Was hat den Senat veranlasst, vor einigen Jahren das Jagdschlosses Glienicke nach historischem Vorbild zu restaurieren und zu diesem Zweck den damaligen Zwischenbau abzureißen und durch einen aufwändigen Neubau nach historischem Vorbild zu ersetzen?

Antwort zu 2: Der von dem Brand von 2003 betroffene Südflügel und seine Fassaden wurden denkmalgerecht im Sinne der zu dem damaligen Zeitpunkt bestehenden Überlieferung (Bauphase 1889/90, Albert Geyer) wiederhergestellt. Die zerstörten Innenräume wurden nicht rekonstruiert. Dazu fehlte die dokumentarische Grundlage.

Wenn sich die weitere Frage nach dem Zwischenbau auf den eingeschossigen Verbinder auf der Wasserseite vom Südflügel zum Wirtschaftsgebäude bezieht, so wurde Folgendes Wiederherstellungskonzept verfolgt:

Der Verbinder war nach dem Brand als Anbaumaßnahme von 1889/90 in seiner äußeren Kubatur im westlichen Bereich erhalten, wurde aber durch eine massive Wand in der Achse der Ostfassade in zwei Bereiche unterteilt. An der Nordseite schloss sich 1963 in dem bis dato nicht verbauten Zwickel ein eingeschossiges Küchengebäude nach Plänen Max Tauts an.

Die Nordfassade des Verbinders war damals entfernt und der östliche Bereich überformt worden. Das Küchengebäude von 1963 wurde nach dem Brand beseitigt und der Verbindungsgang denkmalgerecht wiederhergestellt. Er dokumentiert die Bauphase von Albert Geyer für Prinz Friedrich Leopold und komplettiert nach dem Fall der Mauer die wieder offene Wasseransicht im Kontext des UNESCO Weltkulturerbes. Die verlorene Nordfassade konnte rekonstruiert werden, weil sie eine Spiegelung der Südfassade darstellt. Die Wiederherstellung des Verbindungsbauwerkes ermöglichte des Weiteren den landschaftsarchitektonisch wichtigen und seit 1961 verlorenen Blick vom Ehrenhof zur Glienicker Lanke.

Frage 3: Welcher Sinneswandel hat in der gleichen Senatsverwaltung dazu geführt, nunmehr den Rest des verbliebenen Eingangsbereich von Taut zu erhalten und zu restaurieren?

Antwort zu 3: Es liegt kein Sinneswandel vor, eine Entscheidung bezüglich des Eingangsbereiches ist noch ausstehend (siehe Antwort 1.).

Frage 4: Wie wird die Qualität der Taut’schen Baumaßnahmen aus den 60er Jahren beurteit?

Antwort zu 4: Aus der fachlichen Sicht der Baudenkmalpflege wird der Qualität der Taut`schen Baumaßnahmen aus den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts hohe Bedeutung beigemessen.

Frage 5: In welchem baulichen Zustand befindet sich der Bereich heute und wie hoch sind die dafür vorgesehenen Baukosten?

Antwort zu 5: Die Baumaßnahme wird durch das Hochbauamt des Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf durchgeführt. Der Bereich befindet sich in einem sanierungsbedürftigen Zustand. Zum genauen Umfang der notwendigen Sanierungsmaßnahmen liegen dem Senat keine aktuellen Infos vor.

Der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses hat 2010 für die Fertigstellung der gesamten Baumaßnahme ein Budget von 4,5 Millionen Euro gebilligt.

Frage 6: Wer hat das Gutachten erstellt, aus dem hervorgehen soll, dass die Fassade von Taut nachrüstbar und sanierungsfähig sei?

Antwort zu 6: Das Gutachten wurde von der Firma „Architektur, Technik, Fassade Petar Reich, Martina Walpi GBR“ aus Frankfurt erstellt, die einschlägige Erfahrungen mit der Bewertung und Instandsetzung historischer Stahlglasfassaden vorweisen kann.

Frage 7: Folgt der Senat der Auffassung, dass es sich bei den damaligen Anbauten für ein Schulungszentrum sogar um „Baupfusch“ gehandelt habe?

Antwort zu 7: Nein, der Senat geht nicht davon aus, dass die Verantwortlichen Baudienststellen des Landes Berlin „Baupfusch“ geplant, erstellt und abgenommen haben.

Treten Bauschäden auf, sind sie zu verorten, zu analysieren und in diesem Fall in Abstimmung mit der Denkmalpflege zu beheben. Nach einem halben Jahrhundert ist die Sanierung eines Bauwerks bzw. Gebäudeteils nicht ungewöhnlich.

Frage 8: Für wie haltbar wird die Sanierung nach Taut gehalten? Teilt der Senat die öffentlich geäußerte Auffassung, dass nach ca. fünf Jahren die gleichen Mängel zwangsläufig wieder auftreten werden?

Antwort zu 8: Diese Frage ist Gegenstand laufender Untersuchung.

Frage 9: Bestehen Änderungsmöglichkeiten für diesen Umbau oder wird an der Maßnahme des Erhaltes der Taut’schen Torsos festgehalten?

Antwort zu 9: Siehe Antwort 1. letzter Absatz.

Frage 10: Wäre es nicht sinnvoller die baulichen Änderungen aus den 60er Jahren, die wesentlich auf den damaligen Grenzverlauf zwischen Berlin und der DDR zurückgehen zu dokumentieren, zu erläutern und die Baumaßnahme so zu realisieren, dass ein nachhaltiger Sanierungserfolg zu verzeichnen ist?

Antwort zu 10: Im Hinblick auf die durchgeführte Umgestaltung aus den sechziger Jahren begrüßen die Denkmalbehörden eine historische Kommentierung vor Ort als Informationsangebot, etwa durch die Experten der „Stiftung Gedenkstätte Berliner Mauer“, um Besucher/-innen über den Verlauf und die Auswirkungen des Eisernen Vorhangs im heutigen Welterbe zu informieren.

Berlin, den 04. März 2011

In Vertretung

R. L ü s c h e r

................................

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

(Eingang beim Abgeordnetenhaus am 09. März 2011)

Schriftwechsel

Einige Bürger haben sich über ihre Organisationen oder als Einzelpersonen wegen des Jagdschlosses an die Verwaltungen gewandt.

Da alle Briefe und ihre Antworten diese Website sprengen würden, werden hier exemplarisch ein Offener Brief an die Senatorin Junge-Reyer, Auszüge aus der Antwort des Regierenden Bürgermeisters und Auszüge des Schriftverkehrs mit der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung ins Netz gestellt.

Aus der Antwort von Karin Berning auf das obrige Schreiben an die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung vom 28. 7. 2011

Sie schreiben, dass auf Grund des Weltkulturerbes das Jagdschloss Glienicke denkmalschutzrechtlichen Bestimmungen unterliegt und nicht in der Entscheidungskompetenz der Verwaltung ist. Auch der Landeskonservator und die Oberste, sowie die Unterste Denkmalschutzbehörde sind Teil der Verwaltung. Laut Baustadtrat Stäglin, im Stadtplanungsausschuss Juni 2011, hat der Senator für Bildung die Entscheidungskompetenz.

Die von Ihnen angesprochene Vereinbarung vom März 2011 scheint nur ein vorläufiges Ergebnis zu sein. Bereits im Februar 2011 hatte der Bauausschuss des Bezirks Steglitz-Zehlendorf sich gegen den Taut-Erker ausgesprochen. Mit diesem Votum ist der Baustadtrat, der sich selbst auch gegen den Taut-Erker ausgesprochen hat, in die von Ihnen angesprochene Verhandlung im März gegangen.

Bereits eine Woche vorher hatte die Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer im Abgeordnetenhaus gesagt, dass in Ihrer Behörde unüberbrückbare Differenzen wegen dieser Fassade, bzw. genauer gesagt wegen des Erkers, herrschen und im April zitiert der Tagesspiegel die Senatorin, dass es eine politische Entscheidung geben wird.  ....

Laut der Obersten Denkmalschutzbehörde gehen bei den Entscheidungen im Denkmalschutz nicht nur denkmalpflegerische Erwägungen ein, sondern es wird auch der Wunsch der Bevölkerung  berücksichtigt.

Daher die Frage, die weiterhin bestehen bleibt, wieviel Unterschriften braucht der Senator, um diesen Taut-Erker nicht zu bauen.Wie bereits erwähnt, geht es nur um diese Fassade, eigentlich ein Erker, zum Park, nicht um die Taut-Fassade zur Hofseite. Die vom Landeskonservator gewünschten Zeitspuren bleiben also erhalten.

Wem je es gelingt, im Dickicht der Berliner Verwaltungen, eine Lösung für das Jagdschloss Glienicke zu schaffen, der könnte ja für den höchsten preußischen Odren, den Hohen Orden vom Schwarzen Adler von 1701 vorgeschlagen werden.

Die daraufhin erfolgte Antwort der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung vom 2. 8. 2011

..., da Sie in Ihrer Anfrage doch hauptsächlich denkmalschutzrechtliche Fragen ansprechen, leite ich den Vorgang zur Beantwortung zuständigkeitshalber an das Landesdenkmalamt, Herrn Prof. Haspel weiter.

Wie ich Ihnen bereits schrieb, liegt die Entscheidungsbefugnis bei denkmalgeschutzrechtlichen Bauvorhaben nicht beim Bauherrn, sondern bei den zuständigen Denkmalbehörden.

Eigenartiger Weise zeigt das Baustellenschild am Parkeingang die Geyer-Fassade

Potsdam-Villa-Schoeningen

Abgeordnetenhaus BERLIN

16. Wahlperiode

Drucksache 16 / 15 379 Kleine Anfrage 16. Wahlperiode

Kleine Anfrage des Abgeordneten Torsten Hilse (SPD) vom 07. April 2011 (Eingang beim Abgeordnetenhaus am 19. April 2011) und Antwort Sanierung des Jagdschlosses Glienicke.

Im Namen des Senats von Berlin beantworte ich Ihre Kleine Anfrage wie folgt:

Frage 1: Wurde im Zuge der Sanierung des Jagdschlosses Glienicke ein Votum der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) eingeholt, wie diese das Vorhaben bewertet, die Taut’schen Glaseinbauten zu rekonstruieren, statt die historische Fassade wiederherzustellen? Sollte die Stiftung in diesem Zusammenhang nicht um ein Votum gebeten worden sein, bitte ich zu be-gründen, weshalb nicht?

Antwort zu 1.: Nach dem Brand 2003 hatten das Lan-desdenkmalamt und die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Kontakt aufgenommen, ebenso im Zuge des UNESCO Periodic Reporting 2005/06 und sich darauf verständigt, dass eine Zuständigkeit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten für das Jagdschloss Glienicke nicht gegeben und eine Mitwirkung weder erforderlich noch angesichts der Brandproblematik sinnvoll ist. Im Zuge der laufenden Sanierungsplanung bzw. Sanierung des Jagdschlosses Glienicke wurde ebenfalls kein Votum der Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten über die Restaurierungsabsichten der Taut´schen Glasfassade ein-geholt, weil die Stiftung weder Eigentümerin noch Bauherrin oder zuständige Denkmalbehörde für das Jagd-schloss Glienicke ist.

Auch handelt es sich beim Jagdschloss Glienicke nicht um ein öffentliches Museumsschloss, wie sie die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten in Berlin und Brandenburg betreibt, sondern um eine soziale Fortbildungseinrichtung. Bauherr/ Eigentümer: Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Nutzer: Sozialpädagogisches Fortbildungs-institut Berlin-Brandenburg, Denkmalbehörden und die Baudienststelle des Bezirksamts Steglitz-Zehlendorf bzw. Architekten haben sich am 25.03.2011 darauf verständigt, wie bereits 2008 genehmigt, die Sanierung an dem Zu-stand zu orientieren, der 1990 zur Eintragung in die Welt-erbeliste führte und die Nachkriegslösung infolge des Eisernen Vorhangs als Bedeutungsschicht zu respektieren. Diese Ansicht vertreten auch der Landesdenkmalrat Ber-lin, das deutsche ICOMOS Monitoring und die Berliner Akademie der Künste.

Frage 2: Wie sehen die Konzepte aus, die Rekonstruktion des Parks nach Lennés Plänen umzusetzen, und wie sollen in diesem Zusammenhang die Blickbeziehungen zwischen Parkbestandteilen und Schloss - und hier wiederum auf den Glaseinbau - gestaltet sein?

Antwort zu 2.: Die schon vor der Wende begonnenen umfangreichen gartendenkmalpflegerischen Aktivitäten zur Sanierung und Pflege der Parkanlagen von Klein Glienicke haben selbstverständlich den Jagdschlosspark mit eingeschlossen. Eine grundlegende Instandsetzung des von Peter Josef Lenné geschaffenen Parks konnte daher schon in den achtziger Jahren durchgeführt werden. Hierbei wurden nicht nur die Freilegung von Blickbeziehungen in die wasserreiche Kulturlandschaft von Potsdam bzw. nach Babelsberg berücksichtigt, sondern auch Blickfenster innerhalb des Schlossparks auf das Schinkelschloss wie auf das Jagdschloss selber.

Frage 3: Ist der Senat in Kenntnis der aktuellen Kostensituation, wonach ein Schließen der Fassade nach ba-rockem Vorbild erheblich billiger auszuführen wäre als eine Rekonstruktion des Glaseinbaus (vgl. Tagesspiegel vom 12.12.2010: „Von Taut versaut - Jagdschloss Glienicke wird saniert“)?

Antwort zu 3.: Der Senat ist in Kenntnis der aktuellen Kostensituation: Nach der Information des Bauantrags-tellers bzw. des beauftragten Architekturbüros belaufen sich die Schätzkosten für den Neubau der Fassade nach neobarockem Vorbild mit Freitreppe auf 184.314, 34 Euro, ohne Freitreppe auf 100.633,54 Euro. Die Schätz-kosten für den erforderlichen Nachbau der Glaserkers belaufen sich auf 105.926,66 Euro.

Frage 4: Teilt der Senat meine Position, dass eine verantwortliche Pflege dieses Teils des Weltkulturerbes es geradezu verlangt, die Chance zu nutzen, das Schloss von technisch unzulänglichen und ästhetisch provokanten Veränderungen zu befreien, die es in der Nachkriegszeit erfahren hat?

Antwort zu 4.: Der Senat respektiert die persönliche Auffassung des Abgeordneten Torsten Hilse. Der Senat teilt die Position, dass technisch unzulängliche Zustände an Baudenkmalen im Zuge von Sanierungen möglichst beseitigt oder verbessert werden sollten und begrüßt die einvernehmlich zwischen den Beteiligten getroffene Vereinbarung einer konstruktiv und energetisch optimierten Sanierungslösung.

Berlin, den 23. Mai 2011

In Vertretung

R. L ü s c h e r

................................

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

(Eingang beim Abgeordnetenhaus am 30. Mai 2011)

Eine abgekündigte Antwort des Landesdenkmalamtes auf den Brief vom 2. 8. 2011 ist bis heute nicht erfolgt.

In dem oben zitierten Brief wird noch auf ein Gespräch des Pressesprechers des Senators für Bildung, Wissenschaft und Forschung Herr Walther mit Herrn Dr. Lehmann-Brauns Vizepräsident des Abgeordnetenhauses auf tvb verwiesen, welches von Herrn Schupelius moderiert wurde. Darin gibt der Pressesprecher zu, dass auch in der Bildungsverwaltung unterschiedliche Meinungen zur Taut-Fassade existieren.

Anfragen

Die folgenden Anfragen der Abgeordneten Dr. Uwe Lehmann-Brauns, Torsten Hilse und Alice Ströver, sind im Internet unter www.abgeordnetenhaus-berlin.de herunterladbar. Protokolle aus dem Ausschüssen und Plenum des Abgeordnetenhauses ebenfalls unter dieser Adresse.

Auszüge aus dem Schriftverkehr zwischen Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung und Karin Berning

Antwortschreiben des Landesdenkmalamt

Das Folgende ist eine Inhaltsangabe der Antwort des Landesdenkmalamt vom 23. 9. 2011 auf den offenen Brief an Senatorin Junge-Reyer.

In dem Antwortschreiben wird wieder auf das Gespräch bei der Senatsbaudirektorin Frau Lüscher am 25. 3. 2011 verwiesen. Eine denkmal- und baurechtliche Genehmigung soll nach dem vom Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf eingereichten Antrag am 6. 6. 2011 genehmigt worden sein.

Die Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung und für Bildung gehen davon aus, dass die Baumaßnahme unverzüglich wieder aufgenommen wird. Weiter geht der Brief auf ein Leitsystem zur touristischen Entschließung ein. Es ist vorgesehen, den Vorzustand des Baudenkmals vor dem Mauerbau und seine Baugeschichte als Informationsangebot in Wort und Bild für Passanten und Besucher zu dokumentieren.

 

Kommentar zum Brief

Von diesem Gespräch am 25. 3. 2011 gibt es allerdings kein Protokoll, es kann also nicht nachvollzogen werden. Bei zumindest einem anderen wichtigen Gesprächen im Denkmalschutzbereich soll ebenfalls kein Protokoll angefertigt worden sein. Zufall?

Der Denkmalpflege war zum Zeitpunkt der Genehmigung am 6. 6. das Votum der Bezirksverordnetenversammlung Steglitz-Zehlendorfs für die Geyer-Fassade vom Mai 2011 bekannt, trotzdem wurde die Taut-Fassade genehmigt. Eine Informationstafel für die Passanten und Besucher zur Baugeschichte existiert bereits. Sie ist allerdings im schlechten Zustand.

Der Brief ist nichtssagend, daher bei Senatorin Junge-Reyer, als oberste Dienstherrin, einen Antrag auf Akteneinsicht beim Landeskonservator gestellt.

Wannsee auf der anderen Seite der Glienicker Brücke: Heckeshorn - ziemlich kalt