Rund um die Glienicker Brücke

Jagdschloss Glienicke, Seite 32

Schriftwechsel zum Taut-Erker, Seite 34

Seite 33: Jagdschloss Glienicke - Fortsetzung

Chronologie und Argumente

zur Verhinderung des Max-Taut-Erkers an der Fassade des Schlosses

Stand: 01.11.2011

12. August 2011 Unterschriftensammlung gegen den Taut-Erker gestartet. Sie geht auch nach dem jetzigen Baustop weiter.

09. August 2011 Baustopp der Taut-Fassade zum Park durch den Stadtrat Norbert Schmidt (CDU), Steglitz-Zehlendorf

28. Juni 2011 Bürgerfrage Ausschuss für Stadtplanung und Naturschutz, Steglitz-Zehlendorf, beantwortet BzStR Stäglin zum Baustopp und Schadstoffen wie folgt:

Ein Baustopp für die Wiederherstellung der Taut-Fassade am Jagdschloss Glienicke ist nicht angeordnet worden, zumal der entsprechende BVV-Beschluss einen solchen nicht fordert.

Auch habe der Bauherr, die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung, deutlich gemacht, dass ein Baustopp nicht akzeptiert würde. Da es keine fachlichen, sondern nur ästhetische Argumente für eine andere Fassade gibt, sei mit einer Änderung der Haltung des Landesdenkmalamtes nicht zu rechnen.

Diese könnte nur durch das Abgeordnetenhaus, nicht aber durch das Bezirksamt oder die BVV bewirkt werden.

Allerdings sei das Jagdschloss seinerzeit mit der Taut-Fassade in die Weltkulturerbeliste aufgenommen worden.

Des Weiteren nennt BzStR Stäglin eine Reihe von Schadstoffen, die bei den Bauarbeiten in den verschiedenen Gebäudeteilen des Schlosses gefunden und beseitigt wurden (u.a. KMF, PAK, Asbest sowie Schimmel). "Der Bezirk ist für die Frage, was gebaut wird, nicht zuständig, sondern der Senat. (Auszug aus Protokoll)

9. Juni 2011 Plenum Abgeordnetenhaus

Mündliche Anfrage des Abgeordneten Lehmann-Brauns wegen der Fassadenwiederherstellung (Antwort der Nicht behandelten Mündlichen Anfrage Jagdschloss n16-08411)

9. Juni 2011 Plenum Abgeordnetenhaus

Frage nach der Einschätzung nach dem Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Beschluss dem sich der Kulturausschuss des Senats angeschlossen hat.

Alice Ströver (Grüne): Wie beurteilen Sie die Aussage des Kultursenators in der letzten Sitzung des Kulturausschusses, wonach sich die Kulturverwaltung und die SPD-Fraktion nunmehr der einstimmigen Auffassung der Bezirksverordnetenversammlung von Steglitz-Zehlendorf angeschlossen haben, auf die kostenintensive Restaurierung des Anbaus von Max Taut aus den Sechzigerjahren am Jagdschloss Glienicke zu verzichten? ...

Junge-Reyer: "Ich bin ganz sicher, dass der Kultursenator wusste, was er sagt, und dass er zu dem steht. Das bewerte und beurteile ich nicht. Für den Fall, dass Sie zu dem Fortgang dieser Geschichte etwas wissen möchten, ...

Ströver: Ja, ich hatte zu der Haltung des Senats gefragt und würde Sie jetzt auch noch mal fragen, welche inhaltliche Haltung Sie einnehmen.

Der Senat verhält sich nicht zu Beschlüssen der BVV. Der Senat verhält sich zum Verhalten eines Bezirksamts (das Bezirksamt ist das Gremium aller Bezirksstadträte), wie Sie wissen. Das Bezirksamt (hier Baustadtrat Stäglin) hat sich einvernehmlich Ende des Monats März mit dem Landesdenkmalamt und der zuständigen Fachverwaltung auf eine Variante verständigt, die den Erhalt von Taut möglich machen soll. (Auszug aus Plenums Protokoll S. 8082)

30. Mai 2011 Ausschuss für Kulturelle Angelegenheiten, Abgeordnetenhaus

"Neue Entwicklungen bei der Restaurierung des Jagdschlosses Glienicke?

(auf Antrag der Fraktion der CDU)

Staatssekretär André Schmitz (Skzl-Kult) antwortet auf die Frage von Dr. Uwe Lehmann-Brauns (CDU), dass ihm nicht bekannt sei, dass der Landeskonservator seine Auffassung geändert habe. Sollte dies aber zutreffen, wäre das eine gute Nachricht. Er werde bei SenStadt nachfragen, um Näheres zu erfahren.

Dr. Uwe Lehmann-Brauns (CDU) merkt an, dass der Landeskonservator seine Meinung wohl nicht geändert habe. Entscheidend sei vielmehr, ob der Senat die Kraft finde, durch eine Anweisung an den Landeskonservator eine Entscheidung umzusetzen, die offenbar auch Staatssekretär Schmitz und der Regierende Bürgermeister für sinnvoll hielten.

Staatssekretär André Schmitz (Skzl-Kult) erklärt, die politischen Abläufe seien sicherlich nicht so einfach, dass der Regierende Bürgermeister nur eine Anweisung zu geben brauche. Seines Wissens habe der Regierende Bürgermeister aber mehrfach mit der Bausenatorin über diese Frage gesprochen. Er werde nachfragen, ob diese Gespräche zu dem vom Abgeordneten Dr. Lehmann-Brauns und auch von ihm – Redner – gewünschten Ergebnis geführt hätten, und den Ausschuss über das Ergebnis der Nachfrage informieren.(Auszug aus Protokoll)

18. Mai 2011Bezirksverordnetenversammlung Steglitz-Zehlendorf von Berlin (BVV) Beschlüsse gegen Taut und für Rekonstruktion zur Geyer-Fassade
Drucksache - 1922/III SPD/FDP
Drucksache - 1911/III CDU/FDP

07. April 2011 Kleine Anfrage Torsten Hilse (SPD) im Abgeordnetenhaus zur Sanierung des Jagdschlosses und der Rolle der Stiftung Schlösser und Gärten. (Drs 16 / 15 379)

05. April 2011 Bürgeranfrage im Ausschuss für Stadtplanung und Grünflächen,

zum derzeitigen Stand der Planung für das Jagdschloss und warum auf der Informationstafel zur Sanierung des Jagdschlosses die alte historischen Fassade von Geyer gezeigt wird und somit die Bürger in die Irre geführt werden, und warum kein Geld aus dem Konjunkturprogramm I für die maroden Gebäude im "Volkspark", der dem Jagdschloss gegenüber liegt, beantragt wurden.

25. März 2011Treffen bei Senatsbaudirektorin Frau Lüscher wegen der Taut-Fassade zum Park mit: Staatsekretärin Zinke für den Senator für Bildung, Wissenschaft und Forschung, dem Landeskonservator Prof. Haspel, Baustadtrat Stäglin von Steglitz-Zehlendorf und einem Vertreter der ICOMOS. Haben sich für die Taut-Fassade ausgesprochen. (Protokoll den Bürgern nicht vorliegend.) Auf dieses Treffen wird immer wieder in Briefen Bezug genommen.

14. März 2011 Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr,  Abgeordnetenhaus, Frage an Senatorin Junge-Reyer im Zusammenhang mit der Taut-Fassade und der Berliner Mauer und Verweis auf den Landesdenkmalrat.

Vorsitzender Dr. Thomas Flierl fragt im Namen der Linksfraktion, wie das Landesdenkmalamt sowie der Landesdenkmalrat zu den Plänen des Bezirkes Steglitz-Zehlendorf stünden, den zeitgeschichtlich bemerkenswerten Umbau des Jagdschlosses Glienicke unter Max Taut Anfang der 60er Jahre „zurückzubauen“ und damit das Denkmal um eine wichtige historische Dimension zu reduzieren. ...

Bürgermeisterin Ingeborg Junge-Reyer (SenStadt) .... Der Landesdenkmalrat habe sich in seiner Sitzung am vergangenen Freitag auf der Grundlage eines Vor-Ort-Termins und einer Präsentation des Bezirksamts ausführlich mit dem Verfahrensstand befasst und sich für die Respektierung der Nachkriegsfassade ausgesprochen.

Vorsitzender Dr. Thomas Flierl möchte wissen, wie der Senat die Absicht bewertet, die baulichen Spuren der innerdeutschen Grenze an dieser Stelle zum 50. Jahrestag des Berliner Mauerbaus zu beseitigen.

Bürgermeisterin Ingeborg Junge-Reyer (SenStadt) antwortet, dass sich der Senat nicht mit dieser Frage befasst habe. Da es sich um ein förmliches Verfahren nach dem Denkmalrecht handele und die Position des International Council on Monuments and Sites (ICOMOS) noch nicht bekannt sei, halte sie es nicht für angezeigt, dass sich der Senat zum jetzigen Zeitpunkt positioniere. Sie glaube nicht, dass ein Kompromiss gefunden werden könne, der den – im vorliegenden Fall weit auseinandergehenden – Vorstellungen gerecht werde. (Auszug aus Protokoll)

11. März 2011Sitzung des Landesdenkmalrates

Der Landesdenkmalrat spricht sich für den Taut-Erker aus. Gefragt wurde auch nach einer dritten neuen Variante für die Fassade zum Park.

"Dem Landesdenkmalamt Berlin liegt ein Einvernehmensersuchen des Bezirksamtes vor, das im Falle einer Ablehnung im denkmalfachlichen Dissens an der Obersten Denkmalschutzbehörde zur Entscheidung geht....

Die Baumaßnahmen sind weitgehend fertiggestellt: Der Südflügel wurde komplett wiederaufgebaut, die Ostfassade wiederhergestellt, der Verbindungsgag nach Abriss des Taut'schen Küchentrakts rekonstruiert und das Wirtschaftsgebäude saniert.

Das Treppenhaus (Taut) ist den neue Nutzungs- und heutigen Brandschutzerfordernissen angepasst worden. Wegen des extrem schlechten Erhaltungszustands und der Herstellung einer funktionierenden Feuerwehrzufahrt sei ein Abriss der Pergola (Taut) unumgänglich gewesen. ...

Aus Sicht der Architektin gibt es bei der Sanierung der Taut’schen Glasfassade massive Probleme. Der Bestandsschutz wird verloren gehen, da die Sanierung unter Einhaltung aktuell gültiger Normen ausgeführt werden muss: Statik, Windlast, Anprallschutz, Kältebrücken, Wandanschlüsse, Dichtungen, erforderliche energetische Ertüchtigung. Daher werden nur zwei Optionen gesehen:

1. ein Neubau nach Taut oder

2. ein Rückbau nach Geyer.

Ein Ratsmitglied stellte dabei die Frage, ob nicht auch die dritte Option eines zeitgenössisch gestalteten Neubaus der Taut’schen Lösung in Betracht zu ziehen sei. ....

Das mit dem Landesdenkmalamt abgestimmte denkmalpflegerische Konzept war mit dem Ziel entstanden, die Beiträge aller Epochen - entsprechend den internationalen Denkmalpflegekriterien („Charta von Venedig“) -, also auch die mehrschichtige Umbaugeschichte von Schloss Glienicke, zu respektieren und zu konservieren.

Die Glasfassade ist als Beitrag der Nachkriegszeit und als Antwort Tauts auf die Grenzziehungen des Kalten Krieges zu begreifen. Hier ist einer der wenigen Orte, an dem die Geschichte noch ablesbar ist. ...

Der Landesdenkmalrat stellt nach intensiver Diskussion fest, dass die Intervention von Max Taut ein besonders bedeutendes Zeugnis für die Zeitgeschichte darstellt. Diese Bedeutungsschicht spiegelt die besondere Situation der Grenze und der Mauer in besonders eindrücklicher Weise. Sie ist gerade für die Öffentlichkeit und besonders für die hier beheimatete sozialpädagogische Bildungsstätte von unverzichtbarer Bedeutung.

Mehrheitlich (mit einer Gegenstimme) empfiehlt der Landesdenkmalrat dringend, den heutigen Bestand von Max Taut weiterhin als Grundlage der Überlegungen zu respektieren.

Die Erhaltungsmöglichkeiten sollen sorgfältig abgeklärt werden, gegebenenfalls unter Zuziehung von externen Experten. Die heutigen technischen Anforderungen können durch additive Maßnahmen erfüllt werden; unter Umständen sind auch Teile zu ersetzen. Wichtig ist das Offenhalten des Baus zur Gartenanlage." (Auszug aus Protokoll)

07. März 2011 Ausschuss für Kulturelle Angelegenheiten des Abgeordnetenhaus

Ablehnung des CDU-Antrags von Dr. Lehmann-Brauns (Drs. 16/3749) vom 13. Januar 2011, überwiesen an den Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr (federführenden), dort noch nicht behandelt.

Februar 2011 Antrag des Architekturbüros (mit Vollmacht des Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf) auf Änderung der Baugenehmigung: Abbruch der Eingangsvorbaus aus den 1960er Jahren, bestehend aus Betonkonstruktion und Stahlglasfassade; Nachbildung der Gartenfassade analog der Schlossfassaden der Bauphase 1889 (A. Geyer) mit Wiederherstellung der Freitreppe. (Auszug aus Protokoll des LDR 11.März 2011)

02. Februar 2011 Ausschuss für Bauen, Liegenschaften und Gebäudeverwaltung von Steglitz-Zehlendorf spricht sich gegen die Taut-Fassade aus.

Januar 2011 Abgeordnetenhaus. Kleine Anfrage von Alice Ströver (Bündnis 90/DieGrüne), (3. Januar 2011, Drs. 16/15 058), Dr. Lehmann-Brauns (CDU) Antrag im Abgeordnetenhaus (13. Januar, Drs. 16/3749).

So alt wie das Jagdschloss?

Chronologie

Argumente

Jagdschloss-Glienicke-Eingang

Der nicht beanstandete Eingang auf der Ostseite

06. September 2011

Argumente

Auf dieser Seite wird versucht, aus den verschiedenen Behauptungen die Gründe gegen die Wiedererrichtung der Geyer-Fassade herauszufiltern und sie zu diskutieren.

Der jetzige Denkmalstreit konzentriert sich ganz auf die Frage, ob es aus denkmalpflegerischer oder aus Gründen der Welterbestätten notwendig und begründet sei, den aus bauphysikalischen Gründen bereits abgerissenen "Taut-Erker" an der heutigen Gartenseite wieder herzustellen, d. h. genauer auf der Grundlage der Tautschen Pläne zu rekonstruieren oder die, von den meisten Bürgern befürwortete, Geyer-Fassade von 1889 wieder aufzubauen, die besser zum Jagdschloss und zum Weltkulturerbe passt.

1.

Es wird behauptet, dass der Umbau des Jagdschlosses 1963 - 1964 auf Grund der Berliner Mauer erfolgte.

Max Tauts Unterlagen zeigen deutlich, dass diese Behauptung falsch ist. Bereits 1959 wurden erste Planungen angegangen.

Dies muss dem Landeskonservator bekannt sein, dennoch wird es immer wieder vom Landesdenkmalamt behuptet. 13 Tage vor Mauerbau, am 1. 8. 1961, wurde bei Max Taut angefragt, ob man die Turnhalle vorziehen könne, da für das Jahr noch Gelder bewilligt seien.

Frau Prof. Menting wird in dem Schreiben des Regierenden Bürgermeister Wowereit vom 31. 5. 2011 als Gutachterin der Akademie der Künste erwähnt. Sie zitiert Max Taut, er habe den Umbau des Jagdschlosses wegen der Jugendeinrichtung vorgenommen. Von der Berliner Mauer ist keine Rede.

(Annette Menting, Max Taut: Das Gesamtwerk, DVA, 2003)

2.

Es wird behauptet, dass der Haupteingang von Max Taut auf Grund der Berliner Mauer auf die Parkseite verlegt wurde.

Max Taut ging von der grundlegend falschen Annahme aus, dass es sich bei der Garten- bzw. Parkseite um die Hauptfassade handelte. Er schreibt:

"Die Hauptfassade des Schlosses ist nach Westen orientiert und dem Park zugewandt. Hierhin kommen nun der Eingang einschließlich Eingangshalle im Erdgeschoss, der Hörsaal und die Gemeinschaftsräume im ersten und die Bettzimmer im zweiten Obergeschoss."

1862 hatte der Architekt Ferdinand v. Arnim in die Außenwand zum Park eine Tür eingebaut und davor eine Terrasse mit einer mehrläufigen Treppe errichtet, die dann der Architekt A. Geyer später, 1889, verkleinerte.

Max Taut ließ 1964 den umstrittenen Erker in diese von den anderen beiden Architekten nur wenig angetastete Renaissance-Mauer schlagen.

Nach der heutigen Planung befindet sich entsprechend den Bauunterlagen im Hof des Jagdschlosses der Haupteingang der Sozialpädagogischen Fortbildungsstätte und er wird dort auch bleiben.

Max Taut ließ hier auf der Hofseite des Schlosses, die sich zum Dorf Klein-Glienicke orientiert, einen Nebeneingang zur neuen, von ihm geplanten über drei Stockwerke reichenden Treppe im Schloss errichten. Zur Beleuchtung des Treppenhauses ließ er ebenfalls eine neue Fassade aus Beton-Drahtglas-Elementen in die Außenmauer schlagen. Auf der Parkseite seitlich vom Taut-Erker ist nur ein kleine Tür im Erdgeschoß angeordnet.

3.

Es wird behauptet, dass die UNESCO das Weltkulturerbe mit dem Taut-Erker anerkannt habe und daher wieder aufgebaut werden muss.

Laut der UNESCO Deutschland ist dies nicht der Fall. Die Drohung, die in dem Brief der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung vom 18. 7. 2011 zum Ausdruck kommt, geht vermutlich auf die Stellungnahme der ICOMOS Deutschland zurück, in der darauf hingewiesen wird, dass die Veränderungen der UNESCO gemeldet werden müssen.

Der Abriss des Tautschen Küchentraktes und Wiederaufbau des Verbindungsgangs nach Geyer wurde der UNESCO Deutschland nicht gemeldet. Es ist also auch bei einem Rückbau zur Geyer-Fassade nicht notwendig.

Der Grund liegt in der Begründung der Anerkennung durch die UNESCO.

Die UNESCO erkannte das Weltkulturerbe Schlösser und Parks Potsdam und Berlin an, auf der Grundlage von

Peter Joseph Lennés Gesamtplan zur Verschönerung der "Insel Potsdam" inmitten der Flusslandschaft der Havel. Diese ist trotz der Stadtentwicklung im 20. Jahrhundert weitgehend erhalten und erlebbar. Aus europäischer Perspektive ist die Potsdamer Kulturlandschaft damit ein einzigartiges Beispiel für die Gestaltung eines Landschaftsraumes vor dem Hintergrund monarchistischer Staatsideen und bürgerlichen Emanzipationsbestrebungen (zitiert aus: UNESCO-Weltkulturerbe als Verpflichtung für Potsdam, Andreas Kalesse, Matthias Kartz).

Das Weltkulturerbe geht also auf die Ideen und Planungen der Preußischen Könige im 18. und 19. Jahrhundert zurück und sind als solche international als Einzigartig anerkannt.

Viele Gebäude des Bürgertums des 19. Jahrhundert in Berlin, zitieren die Architekturideen des Königshauses.

4.

Es wird behauptet, dass nichts von dem Originalgebäude mehr vorhanden ist.

Die Grundmauern des Schlosses entsprechen im Bereich des siebenachsigen Ursprungsbaus im wesentlichen dem Original von 1684. Die Architekten F. v. Arnim und A. Geyer hatten im Gegensatz zu Max Taut nur minimale Umbauten vorgenommen und die Terrasse mit Treppe in den Park davor gebaut.

Mit dem Rückbau zur Geyerschen Fassade (1889) würde sich das Schloss tatsächlich wieder zum Park hin öffnen, aber im Gegensatz zu Taut ginge es direkt wieder über die Terrasse und Freitreppe in den Park. Dies ergäbe für eine Bildungseinrichtung eine ganz besondere Aufenthaltsqualität.

5.

Es wird behauptet, dass der Taut-Erker erhalten bleiben kann.

Der Original Taut-Erker ist bereits entfernt worden weshalb das Berliner Denkmalschutzgesetzhier nicht mehr greift.

Im Gegensatz zu dem unabhängigen Gutachten, das im Landesdenkmalrat (LDR) zitiert wurde (27. August 2010), musste die Taut-Fassade zum Park, also der Taut-Erker auf Grund von baulichen Mängeln und zur energetischen Aufrüstung abgerissen werden. Die Fassade muss jetzt ersetzt bzw. nachgebaut werden. Sie würde also kein "Original-Taut" mehr sein.

Die Senatsverwaltung für Bildung hatte sich im Januar 2011 für die Geyer-Fassade entschieden, sonst sollte der Dissens erklärt werden. Der Dissens wurde erklärt. Warum jetzt plötzlich nicht mehr die Geyer-Fassade gebaut werden soll, ist nicht nachzuvollziehen.

6.

Es wird behauptet, dass die Ästhetik kein fachliches Argument sei.

Laut der Charta von Venedig von 1964 (also zur Zeit des Tautschen Umbaus), die von Taut Befürwortern gern zitiert wird, ist die Ästhetik sehr wohl ein Kriterium in der Denkmalpflege.

Die Ästhetik wird in vielen Fällen von den Befürworter der Taut-Fassade und anderen Entscheidern nicht als einziges Kriterium gesehen, sondern sie muss sich den Zeitspuren unterordnen.

(Protokoll Ausschuss für Kulturelle Angelegenheiten 7. 3. 2011, Brief des Regierenden Bürgermeisters vom 31. 5. 2011)

7.

Es wird behauptet, dass alle Spuren der Zeit, in der Sprache der Denkmalpflege Zeitspuren, erhalten bleiben müssen.

Der Tautsche Küchentrakt ist bereits abgerissen und der Verbindungsgang nach Geyer wiederaufgebaut. Das Argument ist hier also nicht mehr relevant.

Es gibt andere gute Beispiele, dass nicht alle Zeitspuren erhalten bleiben müssen. Manchmal sind Rekonstruktionen wertvoller, wie z.B. Schloss Liebenberg oder Schloss Paretz im Land Brandenburg. (s. Protokoll des Ausschuss für Kulturelle Angelegenheiten, Abgeordnetenhaus v. Berlin, 7. März 2011)

Mit der Taut-Fassade zum Treppenhaus und mit der freistehenden Turnhalle bleiben die Zeitspuren erhalten. Die bedeutendsten Innenräume von Taut wurden restauriert oder zum Teil auch modifiziert rekonstruiert.

Jagdschloss-Glienicke-Eingang
Jagdschloss-Glienicke-Eingang

Fast drohend, wie es sich für ein 300 Jahre altes Schloss gehört...

... und noch ein Turm

Dezember 2010 erste Artikel zum Taut-Erker im Tagesspiegel und der Morgenpost. Politiker werden aktiv.

09. November 2010 Bürgeranfrage Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr zur Finanzierung der Sanierung des Volksparks Glienicke, der gegenüber dem Jagdschloss liegt.

Oktober 2010 Kontaktaufnahme von Bürgern wegen des Taut-Erkers am Jagdschloss mit Politikern und den Behörden.

12. Oktober 2010 Erste Bürgeranfragen Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr wegen des Volksparks und der maroden Gebäude in dem zum Bezirk Steglitz-Zehlendorf gehörenden Teil des Weltkulturerbes.

27. August 2010  Sitzung des Landesdenkmalrats

Die Erhaltung der Glasfassade wurde seitens des beauftragten Architekturbüros kurzzeitig in Frage gestellt. Inzwischen hat ein unabhängiges vom Landesdenkmalamt Berlin beauftragtes Gutachten einwandfrei ergeben, dass die Stahlglasfassade vom Max Taut sanierungsfähig und nachrüstbar ist. (Auszug aus Protokoll)

Frühjahr 2010 Die Erhaltung des Glasfassade wurde das erste Mal von der  Architektin Dr. Petersen in Frage gestellt.

06. Mai 2009 Ausschuss für Bauen, Liegenschaften und Gebäudeverwaltung Steglitz-Zehlendorf

Die Architektin erklärt, bei der Rekonstruktion ergebe sich das Problem, welcher frühere Zustand wieder hergestellt werden soll. Ein Konflikt ergibt sich insbesondere zwischen dem von A. Geyer geschaffenen Umbau, der alle bis dahin entstandenen Gebäude so überformte, dass sie wie aus einem Guss aussahen, und den Umbauten und teilweise äußerst brutalen Eingriffen in die Bausubstanz von Max Taut, der die Aufgabe hatte, die Gebäude zu einer Jugendbildungseinrichtung umzugestalten. (Auszug aus Protokoll)

2009 wurde mit der Sanierung begonnen.

01. Dezember 2008 Bauantrag im Einvernehmen mit dem Landesdenkmalamt und der unteren Denkmalbehörde, in dem der Erhalt der Taut'schen Glasfassade als die  authentischste Lösung angesehen worden ist.

November 2005 Bauantrag im Einvernehmen mit dem Landesdenkmalamt und der unteren Denkmalbehörde, in dem der Erhalt der Taut'schen Glasfassade als die  authentischste Lösung angesehen worden ist.

31. März 2003 Brand des Südflügel des Jagdschlosses

Jagdschloss-Glienicke-Eingang
Jagdschloss-Glienicke-Eingang

Die Mauer begrenzt die zum Schloss gehörende Parkanlage gen Osten

Jagdschloss-Glienicke-Eingang

Vom Park des Jagdschlosses aus der Blick auf den Park vom Schloss Babelsberg und auf Potsdam am 15.09.2011

(Die Texte hierfür sind von Karin Berning erstellt.)

Jagdschloss-Glienicke-Baum

8.

Bei dem Rückbau zur Geyer-Fassade entsteht ein zusätzlicher Raum mit Fenstern unter der Terrasse. Geld dafür ist vorhanden.

9.

Bei dem Treffen bei Senatsbaudirektorin Lüscher am 25.3. 2011 soll einstimmig entschieden worden sein, dass der Taut-Erker wiederaufgebaut werden soll. Von diesem immer wieder zitierten Treffen gibt es allerdings kein Protokoll (Übrigens in anderen den Denkmalschutz betreffenden Entscheidungen sollen ebenfalls keine Protokolle existieren.)

Warum drei Befürworter der Geyer-Fassade plötzlich dem Taut-Erker zugestimmt haben, ist nicht nachzuvollziehen. Möglicherweise beruht es auf die Stellungnahme der ICOMOS Deutschland, die gedroht hatte, den Rückbau zur Geyer-Fassade der UNESCO Deutschland zu melden und somit eine Bauverzögerung herbeizurufen.

Durch das Fehlen eines Protokolls für das Jagdschloss Glienicke ist eine Transparenz der Verwaltung nicht ersichtlich. Der Landesdenkmalrat schreibt in seinem Protokoll vom 25. Juni 2004:

Die Sanierung von Denkmälern und der Erhalt bedeutender Kulturstandorte müssten so vermittelt werden, dass sie zu einer außerordentlichen positiven öffentlichen Resonanz führen. Dabei muss deutlich werden, dass der Erhalt und der Schutz von denkmalwerten Bauten im Interesse der gesamten Stadtöffentlichkeit liegt. Klarheit und Fairness sind in der öffentlichen Denkmaldiskussion ebenso erforderlich wie die Transparenz der Abwägung und Entscheidungen.

10.

Dass die Bautafel am Jagdschloss Glienicke die Geyer-Fassade zeigt, ist ein Skandal. Der Bürger wird falsch informiert und dadurch die Einflussnahme der Bürger auf die Denkmalpflege schwierig.

In den Protokollen des Landesdenkmalrates wird die Beteiligung der Bürger an der Denkmalerhaltung und -pflege ausdrücklich begrüßt (Protokoll LDR 30. 6. 2006). Auch die Oberste Denkmalschutzbehörde zieht die Wünsche der Bürger in Betracht.

11.

Die entfernten Pergolen werden nicht wieder aufgebaut, weil es eine Feuerwehrzufahrt geben muss (LDR 11. März 2011). Dadurch würde ein wiederaufgebauter Erker höher erscheinen als Max Taut es geplant hat. Dies ist eine Entstellung der Intention Tauts.

Der Grundgedanke von Max Taut, "eine notwendige raumbildende Bedeutung und behutsame Verbindung zwischen den Einzelgebäuden" zu erstellen, ist ohne Pergolen nicht nachvollziehbar.

12.

Gutachten, die in dem Brief vom Regierenden Bürgermeister Wowereit erwähnt sind, sind für die Bürger nicht ohne Akteneinsicht zugängig.

1.

Wowereit erwähnt die Stellungnahme von Frau Prof. Menting für die Akademie der Künste. In ihrem Gesamtwerk über Max Taut wird der Umbau des Jagdschlosses nur in seinem Werkverzeichnis besprochen. Sie zitiert Max Taut, dass er das Jagdschloss für eine Jugendbegegnungsstätte umgebaut habe. Von der Mauer sagt Taut nichts.

2.

Die Stellungnahme des Berliner Landesdenkmalrates (LDR) (25. 11. 2005, 11. März 2011), ist mit dem Abriss des Küchentraktes, der Pergolen und des Taut-Erkers bereits überholt.

3.

Ein Punkt in der Stellungnahme der ICOMOS Deutschland war die Mauerzeit, deswegen sollten die Tautschen Umbauten erhalten bleiben. Wie schon erwähnt, begann Max Taut einige Jahre vor der Mauerzeit mit der Planung.

Bei Rückbau zur Geyer-Fassade wurde gedroht, die UNESCO zu informieren. Die UNESCO Deutschland überlässt Berlin die Entscheidung und hat nichts gegen die Geyer-Fassade.

Geschichtlicher Hintergrund

Das Jagdschloss Glienicke ist eines der ältesten Gebäude innerhalb der Berliner Weltkulturerbestätten. Es wurde um 1680 als eines der letzten Schlösser unter dem Großen Kurfürst Friedrich Wilhelm III, der gemeinhin der Große Kurfürst genannt wird, in der Potsdam-Berliner Havel-Seenlandschaft gebaut.

Der in den Niederlanden aufgewachsene Kurfürst hatte Potsdam, das in einem wasserreichen Gebiet lag, zu seiner zweiten Residenz gemacht und eine Reihe von Schlössern am Wasser errichten lassen. Ein Freund des Kurfürsten, der Statthalter von Kleve, Johann Moritz von Nassau-Siegen, schrieb ihm 1664 in einem Brief: "Das ganze Eyland muss ein Paradies werden [...]"; gemeint war die "Insel" Potsdam.

Diese Idee entwickelten die nachfolgenden Herrscher mit unterschiedlicher Intensität und Intention bis ins 20. Jahrhundert weiter und legten damit den Grundstein für das spätere Weltkulturerbe Schlösser und Parks Potsdam und Berlin.

Das Jagdschloss Glienicke wurde nach den Umbauten im 19. Jahrhundert durch Ferdinand v. Arnim und Albert Geyer 1963 - 1964 unter der Leitung von Max Taut zwischen1959 und 1964 das letzte Mal umgebaut. Die Planungen dafür begannen bereits Ende der fünfziger Jahre. Das Jagdschloss hatte in der Vergangenheit verschiedene Nutzer. Seit 2002 nutzt die Sozialpädagogische Fortbildungsstätte Berlin-Brandenburg das Jagdschloss Glienicke, der Eigentümer ist die Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung.