142-Meeresschildkroeten

Handbuch der Malediven

Seite 142

Klasse der Reptilien - Reptilia

Meeresschildkröten


Klasse der Reptilien - Reptilia


Auf der Erde leben ungefähr 6000 verschiedene Arten von Reptilien. Kriechtiere werden sie bei uns allgemein genannt. Krokodile, Schlangen, Schildkröten und Echsen gehören dazu. Nur wenige Arten leben im Salzwasser. Einer Spezi der Reptilien begegnet man in den Gewässer der Malediven aber bestimmt: den Meeresschildkröten und, bei weitem seltener, den Seeschlangen.

Seeschlangen sind in diesem Teil des Meeres eher selten. In der Arabischen See vor der Küste Pakistans und südwärts bis nach Goa sind sie häufig zu sehen, aber selbst Tauchlehrer, die auf den Malediven fast 10 Jahre täglich ins Wasser steigen, haben hier kaum Begegnungen mit Seeschlangen. Die einzige Seeschlange, die mir auf den Malediven unterkam, hatten Fischer mitgebracht und sie schwamm in einem Becken auf Ellaidhoo 1995. Sie war schwarz und gebar nach drei Tagen in der Gefangenschaft drei bleistiftdicke ca. 15 cm lange aber äußerst agile - und giftige - Junge.

In der Systematik sind die Seeschlangen wie gesagt in der Klasse der Kriechtiere oder Reptilien, der Unterklasse der Schuppenkriechtiere, Squmata, eingeordnet. Die Ordnung Schlangen, Serpentes, hat die Unterordnung Colubroidea mit den Familien Colubridae, den landlebenden Cobras, den Lataticudidae, den Seecobras (4 Arten, die mehr an Land als im Wasser leben) und last but not least den Hydrophiidae, den Seeschlangen, die das Wasser nie verlassen.

Von den Seeschlangen gibt es zwischen dem Arabischen Meer bis zum Great Barriereriff, also im gesamtem Indopazifik, ungefähr 50 Arten. Sie jagen Fischen und ihre Hauptbeute scheinen Grundeln zu sein wie aus Magenuntersuchungen bekannt ist. Da Grundeln kaum tiefer als 10 m leben, ist damit auch der Lebensraum der vieler Seeschlangen beschrieben, obwohl Berichte von Tauchern vorliegen, die sie schon auf 40 m gesehen haben. Sie sind tagaktiv und wenig erforscht. Es ist nicht einmal bekannt, wie lange sie tauchen können. Die wohl am Häufigsten vorkommende Art Pelamis platurus bildet zu manchen Zeiten im offenen Wasser so große Ansammlungen an der Oberfläche, dass die vielen umeinander verschlungenen Tiere weithin sichtbare kleine Insel bilden.

Haben manche an Land lebende Schlangen wie Cobras oder Klapperschlangen schon starke Gifte, so werden sie von der Schnabelseeschlange Enhydrina schistosa noch übertroffen: sie gilt als die giftigste der Welt. Sie kann mit einem Biss zwischen 10 und 15 Milligramm Gift loswerden - das zehnfache dessen, was ein gesunder erwachsener Mensch verkraften kann. Ein Glück, dass Seeschlangen normalerweise nicht als aggressiv gelten.

Es schlängeln sich ja allerlei langgestreckte Tiere durchs blaue Wasser und es ist nicht immer leicht, sie auf Anhieb auseinander zu halten wenn man die Merkmale nicht kennt. War das flüchtig gesehene Wesen da nun eine dünne Muräne, ein Aal, gar ein Schlangenaal, der obendrein noch die gleiche Zeichnung einer Seeschlange haben kann oder doch eine von den immer tödlich-giftigen Seeschlangen?

Muränen und Aale gehören zu den Fischen. Sie haben Kiemenöffnungen dicht hinter dem Kopf. Beide brauchen also nicht zum Atmen an die Oberfläche wie die Seeschlangen als Lungenatmer und die Haut der Muränen und die der Aale ist glatt und unbeschuppt. Muränen haben eine durchgehende Bauch- und Rückenflosse, Aale nur eine lange Flosse auf dem Rücken. Seeschlangen haben deutlich zu sehende, große Schuppen und einen flachen paddelförmigen Schwanz. Seeschlangen werden nicht größer als 2 m, Muränen über 3 m und Aale ca. 1 m.


Ordnung der Schildkröten - Testudines


Zeus und die Schildkröte

Fabel des Äsop
Als Zeus Hochzeit hielt, hatte er alle Tiere zu Gast.
Allein die Schildkröte war zu spät gekommen.
Da Zeus den Grund dafür wissen wollte,
fragte er sie am nächsten Tage,
warum sie als einzige nicht rechtzeitig
zu dem Festmale erschienen sei.
Die Antwort: "Mein Haus ist mir lieb, mein Haus ist das beste"
wurde er böse und richtete es so ein,
dass die Schildkröte immer ihr Haus mit sich herumtragen muss.
Ebenso ziehen es Menschen vor,
schlicht unter eigenem Dach zu wohnen
als aufwendig bei Freunden zu leben.

Schildkröten (Testudines) sind Reptilien aus der Ordnung der Kriechtiere. Es gibt etwa 6000 Arten Reptilien. Davon sind 210 Arten Schildkröten, die man nach ihrem Lebensraum gut unterscheiden kann: Land-, Süßwasser- und Meeresschildkröten. Ganze 8 Arten in 2 Familien umfassen die Meeresschildkröten und 5 Arten von ihnen kommen auf den Malediven vor.

Die ältesten Funde dieser urtümlichen Wesen sind immerhin 180 Millionen Jahre alt. Sie hatten noch einzeln stehende Zähne anstelle der schnabelförmigen Kiefernplatten. Wahrscheinlich lebten sie in den Übergangszonen zwischen Wasser und Land bevor sie sich ganz für das Land entschieden. Von den Reptilien kehrten nur die Seeschlangen und die Meeresschildkröten ins Wasser zurück. Für diese Anpassung an das Leben im Meer musste die Evolution einige Änderungen hervorbringen. So haben sich die vorderen Extremitäten von den säulenförmigen Beinen in lange wirkungsvolle Flossen umgewandelt. Der Panzer ist bei weitem stromlinienförmiger ausgebildet als bei landlebenden Arten. Dennoch sind reptilientypische Eigenschaften erhalten geblieben. So legen die Meeresschildkröten ihre Eier noch immer an Land und sie haben Lungen und müssen zum Luftholen an die Wasseroberfläche.

Wie bei Reptilien üblich, nehmen ihre Körper die Umgebungstemperatur an. So findet man sie nur in den tropischen und gemäßigten Gewässern. Eine Ausnahme bildet nur die Lederschildkröte Dermochelys. Bei einer Panzerlänge von ausgewachsen 1,80 m und einem Gewicht von 590 kg ist ihr Körper groß genug um eigene Wärme erzeugen zu können. Dadurch kann sie ihren Lebensraum auch auf kältere Gewässer ausdehnen. Ebenso reptilientypisch ist die Fähigkeit, lange ohne Nahrung auszukommen und sehr alt zu werden. Welches Alter sie genau erreichen, ist nicht bekannt; mehr als 50 Jahre sind es bestimmt. Es wird angenommen, dass der Panzer die Schildkröten 180 Millionen Jahre hat überleben lassen und erst die Andenkenkäufer unserer Zeit schaffen, wenn wir nicht aufpassen, gerade wegen dieses Panzers die Ausrottung. Dieser starke Rückenpanzer (Carapace) schützt die weichen Organe. Er besteht aus zwei Schichten: der inneren aus knochigen Platten und der dünnen äußeren aus hornigem und begehrten Schildpatt.


Familie der Meeres- oder Seeschildkröten - Cheloniidae


Malediven Seeschildkroeten Karret

Der Rückenpanzer ist mit der Unterseite (Plastron) mit brückenartigen knochigen Platten verbunden. Bei einigen Landschildkröten ist dieser Bauchpanzer so ausgewölbt, dass sie Kopf und Füße total einziehen können und so, wenn der Fressfeind den Panzer nicht knacken kann, rundum geschützt sind. Meeresschildkröten können das nicht. Ihr Panzer ist dafür stromlinienförmig ausgelegt um möglichst wenig Wasserwiderstand zu erzeugen.

Der Kopf einer jungen Unechten Karettschildkröte Caretta caretta vor Kuredu

So sind Geschwindigkeiten von 50 km/h gemessen worden und man weiß, dass z. B. Lederschildkröten im Jahr Tausende von Kilometern zurücklegen. Den Schub dafür erzeugen die beiden langen vorderen Flossen. Die hinteren werden nur wie Ruder zum steuern eingesetzt.

Die langen Flossen bringen den Meeresschildkröten aber auch Nachteile. Während Landschildkröten beim Laufen ihren Körper hochstemmen, krauchen die erwachsenen weiblichen Seeschildköten - nur sie verlassen das Wasser - mühsam an den Strand, um ihre Nester zu buddeln. Interessanter Weise bedienen sie sich dabei aber der "Gangart" landlebender Tiere: vorne rechts und hinten links gleichzeitig und umgekehrt. Nur die Grüne Seeschildkröte bewegt alle vier Extremitäten gleichzeitig nach vorne. Die Anpassung der Meeresschildkröten ist enorm. Man sollte meinen, die großen Tiere seien leicht am Riff zu entdecken, aber selbst wenn man genau über ihnen ist, verraten sie sich oft nur durch eine Bewegung. So macht die Färbung des Rückenpanzers die hier häufige Habichts-Seeschildkröte im Riff genauso so unsichtbar, wie die Grüne Seeschildkröte über einer Seegraswiese (die es auf den mir bekannten Touristeninsel allerdings nicht gibt).

Die 8 Arten der Meeresschildkröten machen sich untereinander im Ökosystem Meer keinerlei Konkurrenz. Müssen sich z. B. 2 Arten einen steinfreien Sandstrand für die Nester teilen, geschieht das zu unterschiedlichen Jahreszeiten. Die Habichts-Seeschildkröte gibt sich auch mit kleinen Höhlen an Felsenstränden zufrieden. Die Bauart der Schnäbel verhindert ein Aufeinandertreffen bei der Nahrungssuche. So ist ein Schnabel, der Seegraswiesen abweidet, anders geformt, als der der Karettschildkröten zum Fangen und Zerbeißen von Krebsen oder der schmale Schnabel der Habichts-Seeschildkröte zum Abweiden von Schwämmen unter den Korallen. Die Natur hat so über Jahrmillionen dafür gesorgt, dass für jede Nahrungsnische eine Art überlebte. Sie haben die Dinosaurier überlebt, viele Eiszeiten überstanden und nun drohen sie am "Homo turisticus" zu scheitern. Muss das wirklich so sein?

Meeresschildkröten haben alle Zeit der Welt. Ruhig und bedächtig sind sie beim Fressen, behäbig ziehen sie ihre Bahn und selbst auf der Flucht meiden sie hastige Bewegungen. Zeit haben sie auch bei der Paarung.

Das konnte ich im Ostpazifik vor der Küste Nicaraguas und Costa Ricas beobachten. An der Wasseroberfläche besteigt das Männchen mühsam seine Auserwählte. Weithin sichtbar trieben sie dann über das Meer. Fischer bestätigten, dass sie so länger als 24 Stunden zusammen bleiben. Selbst das Herannahen großen Boote stört sie nicht im geringsten und wer Meeresschildkröten haben wollte, brauchte sie nur einzusammeln - was natürlich tausendfach geschah und bestimmt immer noch geschieht. Wer soll dort draußen auf dem Meer dem Hochseefischer in seinem kleinen Boot in den Topf gucken, wenn er sich nach ewigen Fischessen kostenlos eine Abwechslung gönnt?

Dort hat der engagierte Journalist Mohamad Zahir der Tageszeitung "Haveeru" zusammen mit Umweltschutzorganisationen ein kleines Heft herausgegeben. Es hat den Titel "Protection of the Marine Turtle" und ist zu beziehen bei Haveeru Daily, Malé, Malediven. Es enthält zwar einige blutrünstige Fotos vom Abschlachten, aber keine zur Identifizierung. Man erfährt in dem auch in Europa in anderen Sprachen erschienenen Heftchen, dass 1977 bei einer Zählung in den Geschäften alleine an der Wasserfront in Malé 400 Schildkrötenpanzer vorhanden waren. Hochgerechnet für die ganze Hauptstadt waren es 1000 Stück. Hauptsächliche Käufer waren Italiener und Deutsche. Heute ist es nicht mehr möglich, mit einem der ausladenden Panzer unter dem Arm in Frankfurt, Berlin oder Hannover einzureisen. Gottseidank greift wenigstens bei uns das Washingtoner Artenschutzabkommen.

Die maledivische Regierung hat, so wurde auf den Inseln erzählt, 1995 demjenigen, der 100 Tiere großzieht, einen Freiflug nach Deutschland versprochen. Prompt wurden die ungefähr im Februar geschlüpften Schildkröten in einem Drahtkäfig eingesperrt, wo sie zwar keine Feinde mehr hatten, sich dafür aber mangels genügend Futter gegenseitig auffraßen.

Bezeichnenderweise sind in deutschen Bücher noch Namen wie "Gewöhnliche Suppenschildkröte" (Chelonia mydas) und "Australische Suppenschildkröte" (Chelonia depressa) üblich. Ist ja auch noch nicht so lange her, dass die Büchsen mit Schildkrötensuppen aus den Regalen der Supermärkte verschwunden sind.

Malediven Seeschildkroeten Karret

Hier sind die jungen Unechten Karettschildkröten Caretta caretta auf der Insel Ellaidhoo 1995 "zu ihrem eigenen Schutz" in einem Käfig eingesperrt (s. nebenstehenden Bericht). Sie sollen wachsen und dann freigelassen werden. So sollen sich die Verluste durch Fressfeinde reduzieren. Ein Jahr später war dieser Blödsinn wieder vergessen.

Systematik

Reptilien - Reptilia

Deutsch

Latein

Englisch

Klasse

Reptilien

Reptilia

Reptile

Unterklasse

Schläfengrubenlose Reptilien

Anapsida

Ordnung

Schildkröten

Testudines

Turtle

Familie

Meeresschildkröten (alt: Seeschildkröten)

Cheloniniidae

Sea turtle

Familie

Chelonia

Art

Grüne Seeschildkröte oder Suppenschildkröte

Chelonia mydas

Gree sea turtle

Familie

Eretmochelys

Art

Echte Karettschildkröte

Eretmochelys imbricata

Hawksbill sea turtle

Gattung

Caretta

Art

Unechte Karettschildkröte

Caretta caretta

Loggerhaed sea turtle

Familie

Lederrückenschildkröten

Dermochelyidae

Gattung

Dermochelys

Art

Lederrückenschildkröte

Dermochelys coriacea

Letherback sea turtle

Grüne Meeres- oder Suppenschildkröte Chelonia mydas

E: Green sea turtle

Malediven Seeschildkroeten Karret

Suppen- oder Grüne Meeresschildkröte Chelonia mydas

Nach den Lederschildkröten sind sie die zweitgrößten. Ausgewachsene Tiere erreichen eine Panzerlänge von 120 cm und ein Gewicht von bis zu 250 kg. Vier paarige große Panzerplatten rechts und links der Rückenmitte laufen dort spitz zu. Die Farbe ist olivbraun bis schwarz, der Bauchpanzer grau-weißlich oder schimmert in einem fahlem Gelb. Als junge Tiere fressen sie alle Arten von Weichtieren und Quallen. Erwachsen weder sie zu Vegetarier und leben Seegras oder schaben Algen ab. Um diese Nahrung besser packen zu können sind die Unterkiefer leicht gezähnt.

Früher nannte man diese Art auch "Gewöhnliche Suppenschildkröte". Obwohl diese Tiere, wie gesagt fast eine viertel Tonne Gewicht erreichen, ist in ihnen erstaunlich wenig Fleisch vorhanden. Nur ca. 6-8 kg verwertbares Fleisch sind in dem großen Panzer hinter den Flossen zu erbeuten.

Noch 1984 landete ein Schiff in Hamburg 106t gefrorenes Schildkrötenfleisch. Fleisch von mindestens 18.000 Tieren! Heute ist das wohl nicht mehr möglich, so viele Tiere sind überhaupt nicht mehr zu finden. Auch würde das Washingtoner Artenschutzabkommen den Import zumindest in Deutschland verhindern.

Vorkommen: In den Küstengewässern aller tropische und subtropische Meere, auch im Mittelmeer.

Malediven Seeschildkroeten Karret

Echte Karettschildkröte Eretmochelys imbricata

E: Hawkbill sea turtle

Malediven Seeschildkroeten Karret

Größe: 80 cm, Tiefe: 1 m                            Ellaidhoo, Ari - Atoll, 1994

Echte Karettschildkröte Eretmochelys imbricata

Sie ist mit ausgewachsen 120 cm mit die kleinste Seeschildkröte und wiegt bis zu 80 kg. Dafür ist sie aber sehr häufig und an ihren ausgezackten Panzerrändern gut zu erkennen. Ihr Kopf ist klein und der Hals dünner und länger als bei den anderen hartschaligen Meeresschildkröten. Der obere Schnabel erinnert an den eines Habichts. Ein weiteres gutes Erkennungsmerkmal sind die sich überlappenden Platten in der Mitte des Rückenpanzers.

Sie sind beinahe Allesfresser. Algen und Seegras schmecken ihnen genauso wie Fische und Muscheln, aber Seeigel und Schwämme bevorzugen sie eindeutig. So sieht man sie den ganzen Tag an den Riffen mit dem Kopf unter den Korallen eifrig nach Fressbarem suchen. Sie gewöhnen sich in gewissem Maße an den Menschen und ihre Fluchtdistanz wird immer kürzer. Sie sind tagelang an den gleichen Stellen zu sehen.

Sie suchen zum Schlafen kleine Mulden in den Ausmaßen ihres Körpers unter großen Korallen dicht unter der Oberfläche. In der Dämmerung klemmen sie sich dort regelrecht hinein. Wenn sie ihre Aktivitäten einstellen, brauchen sie vielleicht die ganze Nacht nicht oder nur einmal an die Oberfläche um Luft zuholen. Ihren Schlafplätzen bleiben sie lang treu.

Vorkommen: Alle tropischen Meere.

Malediven Seeschildkroeten Karret

Größe: 80 cm, Tiefe: 1 m                         Ellaidhoo, Ari - Atoll, 1994

Unechte Karettschildkröte Caretta caretta

E: Loggerhead sea turtle

Malediven Seeschildkroeten Karret

Größe: 80 cm, Tiefe: 1 m                          Ellaidhoo, Ari - Atoll, 1994

Unechte Karettschildkröte Caretta caretta

Die Caretta caretta heißt im Englischen Loggerhead sea turtle, was man einfach mit Dummkopf-Seeschildkröte übersetzen kann. Warum nur? Vielleicht weil sie in ungeheueren Mengen haben abgeschlachten lassen? Ungefähr 900 g Schildpatt hat so eine Schildkröte. 1978 hat Thailand nach eigenen regierungsamtlichen Zahlen 58.000 kg und Indonesien 220.000 kg exportiert - zusammen weit über 300.000 Tiere!

Der Panzer erreicht eine Länge von ungefähr 1,20 m und das Tier hat dann ein Gewicht von 180 kg. Ihr Kopf ist gedrungen, der Hals dick und kurz und der Schnabel ist kräftig genug um hartschalige Muscheln und Krebse aufzubrechen, aber sie verschmähen auch nicht weiche Schwämme und für sie wohl saftige Quallen.

Die beiden Paare der großen Platten ihres Rückenpanzers sind fast rechteckig und werden von einem wulstigen Rand abgeschlossen.

Vorkommen: Alle warmen Meere.

Malediven Seeschildkroeten Karret

Größe: 80 cm, Tiefe: 1 m                            Ellaidhoo, Ari - Atoll, 1994

Unechte Karettschildkröte Caretta caretta

Malediven Seeschildkroeten Karret

Größe: 80 cm, Tiefe: 1 m                               Ellaidhoo, Ari - Atoll, 1994

Lederrückenschildkröte Dermochelys coriacea

E: Letherback sea turtle

Malediven Seeschildkroeten Karret

Lederrückenschildkröte bei der Eiablage

Lederrückenschildkröte Dermochelys coriacea

Als einzige aller auf der Welt lebenden Meeres- oder Meeresschildkröten hat die Lederrücken-Seeschildkröte einen weichen, wie ja der Name sagt, lederartigen Rückenpanzer (Caulerpa). Alle anderen Arten sind hartschalig. Das größte bekannte Tier war 1,78 m lang und wog 590 kg! Die Farbe des Panzers ist dunkelbraun oder schwarz mit weißlichen oder bräunlichen Flecken. Fünf leicht erhöhte Linien laufen in Längsrichtung über den Panzer. Diese sehr großen Tiere ernähren sich erstaunlicher Weise von Quallen, von Lebewesen also, die hauptsächlich aus Flüssigkeit bestehen und denen man kaum einen Nährwert zutraut, obwohl Hochseequallen sehr groß werden können.

Von den Lederrückenschildkröten weiß man, dass sie von den Küsten Südamerikas durch den Atlantik bis an die Nordostküste der USA innerhalb eines Jahres hin und zurück wandern. Den Rekord aber stellt eine Lederrücken-Seeschildkröte auf, die in Ghana markiert und 2 Jahre später in 5900 km Entfernung wieder gefunden wurde.

Um Entfernungen dieser Art zurücklegen und vielleicht sogar den Platz der Geburt wiederzufinden zu können, muss ein gutes Navigationssystem vorhanden sein. Wahrscheinlich wirken mehrere Faktoren wie die Sonne und die großen Meeresströmungen da zusammen. Aufgrund ihres gewichtigen Körpers können sie, was bei Reptilien einzigartig ist, eigene Körperwärme durch die enorme Muskelarbeit entwickeln und halten. So macht ihnen des kältere Wasser auch nichts aus. Es wurden Temperaturunterschiede von 18° C gemessen.

Vorkommen: Im gesamten Indopazifischen Ozean und im Atlantik.

Index Meeresschildkröten Seite 141

Literaturverzeichnis Seite 143

Malediven Seeschildkroeten Karret

Größe: 120 cm, Tiefe: 3 m                               Kuredu, Faddhippolhu-Atoll, 1998

Malediven Seeschildkroeten Karret

Größe: 120 cm, Tiefe: 2 m             Kuredu, Faddhippolhu-Atoll, 1998

Malediven Seeschildkroeten Karret

Die Unechte Karettschildkröte auf dem Bild hatte sich zum Schlafen im flachen Wasser hinter dem Riffdach einfach mit dem Kopf unter die nächst beste Koralle geklemmt.

So bewegungslos verbraucht sie kaum Sauerstoff und muss vielleicht nur einmal in der Nacht den Kopf zum Luftholen über die Oberfläche stecken. Obwohl sie nicht gestört wurde, war sie in der nächsten Nacht nicht mehr an der gleichen Stelle. Sie schläft also da, wo sie müde wurde, keine 30 Minuten nach Sonnenuntergang.

Größe: 80 cm, Tiefe: 1 m                             Ellaidhoo, Ari - Atoll, 1994

Wie Meeresschildkröten schlafen

Größe: 120 cm, Tiefe: 2 m             Kuredu, Faddhippolhu-Atoll, 1998

Größe: 120 cm, Tiefe: 2 m            Kuredu, Faddhippolhu-Atoll, 1998

Verboten war es schon in den 70iger Jahren, ebenso wie das Essen der Schildkröteneier. Sie gab es in jedem "Ranchito" kostenlos zum Bier. Die "huevos de tortuga", wie sie auf Spanisch genannt werden, haben einen Durchmesser von 4-7 cm und sind kugelrund.

Sie sehen aus wie Tischtennisbälle, nur ohne Naht. Die pergamentartige Schale ist elastisch. Wenn man sie kocht, verfestigt sich werden das Eiweiß noch das Dotter. Die Schale bekommt dann eine Delle. Mit den Eckzähnen werden sie dort aufgerissen und in das Loch kommt Salz, Chili oder Tabasco. Alles zusammen wird mit den Fingern in den Mund gedrückt... Deutlich ist mir ebenefalls noch das Schild auf der kleinen Karibikinsel Corn Island vor der Küste Nicaraguas mit der Aufschrift "Turtle-Burger" in Erinnerung.

Kurz nach der Befruchtung suchen die Weibchen aller Arten nach geeigneten ruhigen Ständen um dort ihre Nester zu graben. Bis auf Kemp´s-Seeschildkröte, die am Tage das Wasser verlässt, geschieht das in der Nacht. Genau weiß man es nicht, aber man glaubt, dass die Meeresschildkröten an den Strand zurückkommen, an dem sie geboren wurden. Die Wahl des Platzes ist ein schwieriges Unterfangen. Werden sie dabei gestört, gehen sie unterrichteter Dinge ins Wasser zurück. Finden sie endlich einen ungestörten Platz, schaffen sie sich mit ihren langen vorderen Flossen eine ihrem Körper angepasste flache Mulde und graben dann mit ihren kurzen hinteren Flossen bedächtig ein Loch. Immer abwechselnd rechts und links heben sie den Sand aus und werfen ihn zur Seite. Ist das Loch tief genug, legen sie die Eier hinein. Einzeln oder zwei auf einmal purzeln die weichschaligen Eier in den Sand, zwischen 140 und 150 Stück. Oft ist zu beobachten, dass sie zur Tarnung der eigentlichen Gelege erst einmal an einer anderen Stelle in der Nähe Löcher graben, um Nesträuber in die Irre zu führen.

Während der ganzen Zeit an Land laufen ihnen dicke Tränen herunter und es sieht aus, als falle ihnen die Arbeit schwer. Aber die Tränen schützen die Augen vor Sand und vor dem Austrocknen. Sind alle Eier gelegt, wird das Nest wieder zugeschaufelt und die Oberfläche mit dem Körpergewicht verdichtet. Sand wird dann mit den Vorderflossen darüber geschleudert um alle Spuren zu verwischen. Übrig bleibt nur die Spur von der Flutlinie bis zur sorgsam geglätteten Fläche über dem Nest. Sie sieht aus, als sei ein Panzer mit einer einzigen, riesig breiten Kette aus dem Meer gekommen. Frühmorgens am Strand sind diese Spuren leider weithin sichtbar. Vom Nest weg robben die Meeresschildkröten seitwärts weg, um erst an anderer Stelle ins Meer zurückzukehren. In einer Saison legt ein Weibchen auf diese Art zwischen drei und acht Nester an und legt bis zu 1000 Eier. Danach machen sie eine Pause zwischen ein und drei Jahre. So kann es vorkommen, dass an manchen Stränden jahrelang keine Meeresschildkröten gesehen werden.

Trotzt der immensen Zahl an Eiern wachsen pro Gelege nur sehr wenige Meeresschildkröten heran. Die Gründe dafür sind vielfältig. Das fängt bei der Wahl der Nistplätze an. Ist er zu nahe der Flutlinie gewählt oder zu flach, können Salzwasser oder schwere Regenfälle das Gelege zerstören. Immerhin liegen die Eier genau 60 Tage im Sand. Auch die Temperatur hat eine ungeahnte Wirkung auf die Brutstätte. Liegt sie über einem bestimmten Level, schlüpfen fast nur feminine, liegt sie zu tief, fast nur maskuline Tiere.

Dann sind da die unzähligen Nesträuber. Wilde Hunde wittern die Eier und graben sie aus. Genau so wie Katzen, Ratten, die riesigen Kokosnusskrabben (Birgus latro), die so groß sind, dass sie mit ihren Scheren tatsächlich Kokosnüsse aufbrechen können. Diese Krabben gibt es hier allerdings nicht. Die kreisrunden Löcher in den Kokosnüssen stammen von Ratten. Auch andere Landkrabben fallen über die Nester her, wie z. B. die so harmlos aussehenden Geisterkrabben, die uns hier andauernd vor den Füßen umherhuschen. Der übelste Nesträuber ist allerdings der Mensch. Überall habe ich sie am Morgen mit Wassereimern oder Plastiktüten am Strand langlaufen sehen, nach den unverkennbaren Spuren suchend: an allen mittelamerikanischen Küsten, auf Karibischen Insel, am Persischen Golf genau so wie in Goa und in Cox Basar, Bangladesch. Wer will und kann im Golf von Bengalen bei den wirklich Ärmsten der Armen schon ein Verbot durchsetzen oder Verständnis erlangen wenn der Magen knurrt?

Hat dennoch ein Gelege die 60 Tage unangetastet überstanden, durchbrechen die jungen Meeresschildkröten die Eischale und arbeiten sich bis kurz unter die Oberfläche hoch, warten dort auf Kühle um dann alle auf einmal hervorzubrechen und zielstrebig zum Wasser zu krabbeln. Und wieder müssen viele ihr leben lassen. Gierig stürzen sich die großen schwarzen Fregattvögel (Fregatta), picken gleich mehrere auf einmal auf. Möwen, Raben und was sonst noch Hunger hat und in der Nähe ist, bedient sich an der Schar weicher junger Meeresschildkröten bevor diese überhaupt das erste Mal das Wasser erreicht haben.

Aber auch dort geht das große Fressen weiter. Jetzt bedienen sich von dem Rest all die auf lauer liegenden Zackenbarsche, die sonst so ruhig vor dem Riff stehenden Pilotbarsche, die Schnapper. Jeder Fisch hat plötzlich ein Maul, das groß genug ist, wehrlose Meeresschildkröten im Stück zu verschlingen, Meeresschildkröten, die in diesen Stadium weder lange tauchen noch schnell schwimmen können. So schaffen es von den 140 bis 150 Tieren eines Geleges nur sehr wenige, groß zu werden. Auch wenn sie erwachsen sind, drohen ihnen mannigfaltige Gefahren. Die geringste noch von ihren natürlichen Freßfeinden, den Haien. Auch hier ist es wieder der Mensch. Ob sie letztendlich in seinen feinen Fischernetzen ersticken, wegen ihres Fleisches oder als Rohstofflieferant für Andenken abgeschlachtet werden, ist egal. Fest steht, das sie überall auf der Welt stark bedroht sind. So auch auf den Malediven.

Malediven Seeschildkroeten Karret

Schildkröteneier zum Bier?

Suppenschildkröte Chelonia mydas beim Luftholen

Größe: 80 cm, Tiefe: 0 m                            Embudu, Süd-Male-Atoll, 2008

Fragwürdige Rettungsaktion

Unechte Karettschildkröte

Caretta caretta

Suppenschildkröte

Chelonia mydas

Echte Karettschildkröte

Eretmochelys imbricata

Unterschiedsmerkmale zwischen den 3 häufigsten

Meeresschildkröten

Krankheiten

Fast alle Meeresschildkröten haben weiße Flecke auf den Rückenpanzern. Es ist eine Pilzerkrankung, die wahrscheinlich auf schlechter werdende Wasserqualität zurückzuführen ist. Auch sehen die Tier lange nicht mehr so wohlgenährt aus wie vor 1998 wie weiter unten die Bilder der Suppenschilkröte von Kuredu zusehen ist.

Oft sind die Tiere ganz von den Flecken bedeckt und kaum zu identifizieren weil die Formen der Platten nicht zu erkennen sind.

Malediven Seeschildkroeten Karret
Malediven Seeschildkroeten Karret

- mögliches Gewicht: 70 - 200 kg

- Länge: bis 110 cm

- 2 Klauen

- vorstehender Oberkiefer

- mögliches Gewicht: 130 - 250kg

- Länge: bis 120 cm

- 1 Klaue

- gezähnter Unterkiefer

- mögliches Gewicht: ca. 55 kg

- Länge: bis 55 - 95 cm

- 2 Klauen

- vorstehender Oberkiefer

- zackiger Panzerrand hinten

Gr.: 80 cm, Tiefe: 1 m, Embudu, Süd-Male-Atoll, 2008

Gr.: 80 cm, Tiefe: 1 m, Embudu, Süd-Male-Atoll, 2009

Links der Panzer der Echte Karettschildkröte Eretmochelys imbricata und rechts die Suppenschildkröte Chelonia mydas. Beide Panzer zeigen den Befall mit Pilzen. Da können auch die allgegenwärtigen Putzerfische nicht helfen. Die Natur hat die Verschmutzung der Weltmeere nicht vorgesehen durch die die Pilzerkrankung wahrscheinlich hervorgerufen wird.

Die Schildkröten bleibt nur das Auswandern aus den Gegenden um die maledivischen Inseln - möglichts nicht vor die Küste Indiens...

Die letzte wohlgenährte und gesunde Schildkröte die da 1998 auf den Seegraswiesen links neben den Steg der Insel Kuredu herumschwamm. Alle Aufnahmen danach zeigen nur noch magere Tiere mit starkem Pilzbefall auf dem Panzer.