Haie der Malediven
Handbuch der Malediven

Seite 99

Fische der Malediven - Knorpelfische


Haie - Selachondeei


Malediven Weißspitzenriffhai

Weißspitzenriffhai - ziemlich neugierig - vor der Insel Kuramathi, 1988

Seit dem Devon, seit 350 Millionen Jahren gibt es Haie, seit 65 Millionen Jahren schwimmen alle jetzt noch lebenden Haiarten unverändert durch die Weltmeere - wie perfekt müssen sie gebaut sein! Ideale Stromlinienform, umhüllt von einer extrem reißfesten Haut (Reißfestigkeit von 3000 bis 4000 kg pro Quadratzentimeter), Brustflossen, die als Trag- oder Gleitflügel, als Höhen- Tiefen- oder Bremsruder genutzt werden können. Stabilisatoren gleich die steifen Bauch-, Rücken- und Afterflossen aus. Kraftvolle, muskulöse Schwanzflossen lassen manche Hochseearten über 60 km/h schnell werden, unbegrenzt nachwachsende Zähne - kaum ein Lebewesen ist besser an seinen Lebensraum angepasst.

All diese Perfektion gibt es in den unterschiedlichsten Gestalten und Größen, vom 12m langen Walhai bis zum 20 cm kleinen Zwerghai, vom flachen Engelhai bis zum dünnen Krausenhai. 320 Arten von Haien durchstreifen rastlos die Meere, vom Menschen nie geliebt, ja verteufelt und verfolgt seit Jahrhunderten. Aber Besserung ist in Sicht. Der Tauchtourismus in die entferntesten Winkel der Erde, wo Taucher und Schnorchler fast garantiert täglich Haie begegnen, sorgt dafür, dass das Bild von den primitiven Freßmaschinen langsam verblasst. Zwar stemmen sich einige professionelle Fernsehfilmer mit grausigen Bildern von Hochseehaien, die wie verrückt in Eisenkäfige beißen - wild gemacht durch eimerweise ins Wasser gekipptes Blut - noch dagegen, aber langsam setzt sich auch in diesem Medium ernsthafterer Berichterstattung und Forschung durch und es sind schon Warnungen von der Ausrottung mancher Haiarten zu hören.

An den Außenriffen der Malediven begegnet man täglich Haien. Auf vielen Inseln kann man ganz junge Haie in den flachen, warmen Lagunen oder im Wattkanal als Spaziergänger trockenen Fußes bequem vom Strand aus bei ihren Jagdversuchen beobachten. Fast immer sind es die Weißspitzenriffhaie, auch Weißspitzenmarderhaie genannt (Trianodon obesus), die kurioser Weise entgegen ihrem Namen schwarze Spitzen auf ihrer Dreiecksflosse haben.

Sie gibt es fast ausschließlich in den flachen Gewässern in allen Korallengebieten im östlichen Stillen und im Indischen Ozean und sie sind ungefährlich aber dafür neugierig. Ist am Riff partout nichts los, reichen oft ein paar kräftige Faustschläge auf die Wasseroberfläche, die durchschnittlich 1,5 m langen Tiere aus der Tiefe hochzulocken. Sie umkreisen den Schwimmer dann einige Male in geringem Abstand und verschwinden gelangweilt, an die komischen Gestalten dicht unter der Oberfläche gewöhnt, wieder in der Tiefe. Wohlgemerkt, so etwas sollte man wirklich nur in Gewässern veranstalten, die man genauestens kennt. Oder jetzt, 2012. Da gibt es keine Haie mehr an den Malediveninseln.

Es gibt erstaunlich wenig Haiangriffe mit tödlichem Ausgang für den Menschen. Weltweit werden jährlich zwischen 30 und 50 Unfälle dieser Art gemeldet, gemessen an Millionen und Abermillionen badender Menschen an den Gestaden der Meere sehr, sehr wenig. Viele Unfälle davon werden regelrecht provoziert. Der Taucher, der den am Tage in Höhlen schlafenden, ans ich harmlosen 4m langen Ammenhai am Schwanz zieht, kann ebenso erwischt werden wie die wagemutigen Amerikaner vor Hawaii, wo es schon mal Mode war, auf Haien möglichst lange zu reiten. Natürlich werden nicht alle Haiangriffe erkannt und bekannt. Ein Land, das auf Tourismus angewiesen ist, meldet so etwas bestimmt nicht. Lapidar heißt es dann: verschollen.

Dieser im Wasser so elegant und geschmeidig daherkommende Körper liegt, gefangen an Land, wie ein Lappen herum. Keine Rippen schützen den Körper vor dem Zusammenfall, keine Knochen schützen ihn. Das Skelett des Haies besteht aus Knorpelzellen und nicht aus Knochen. Die Wirbelsäule erstreckt sich vom Kopf bis zur Schwanzflosse zur oberen Spitze und besteht aus bis zu 400 einzelnen Wirbeln.

Über die erstaunliche Reißfestigkeit der nur einige Millimeter starken Haut wurde schon berichtet. Es ist aber doch verblüffend, in Goa einen Fischer zu sehen, der sein Boot aus Palmenholz abraspelte - mit Haihaut! Die Haut ist mit Zähnen, so genannten Placoidschuppen besetzt, winzigen Hautzähnen aus Zahnbein, das mit Zahnschmelz überzogen ist. Die Spitzen sind in Richtung des Schwanzes ausgerichtet. Haihaut ist strömungsgünstiger als lackierter Stahl im Wasser. Die Militärs denken überaus neidisch daran und wären froh, eine ähnliche Beschichtung für ihre U-Boote zu haben. Ein Airbus 320 der Lufthansa fliegt mit einer laminierten Folie, die auf der Außenhaut aufgeklebt und der Haihaut nachempfunden ist. Das erstaunliche Ergebnis: 5 % Treibstoffersparnis.

Malediven Schwarzspitzenriffhai

Schwarzspitzenriffhai im intakten Riff vor Kuredu, Westspitze, Januar 1998. Im April 1998 ist das gesamte Riff durch den El Niño abgestorben. Die Riffdächer sind auch 2008 immer noch zu 99% tot. So einen Anblick gibt es nicht mehr.

Das für uns so furchterregende Maul aller Haie ist stets unterständig. Es liegt also hinter der Schnauzenspitze. Mehrere hintereinander stehende Zahnreihe liegen in Kiefern aus Knorpel. Öffnet der Hai sein Maul, schiebt sich der Unterkiefer nach vorne, die Schnauzenspitze samt Oberkiefer nach oben - wehe, was dann dazwischen kommt.

Mit schüttelnden Kopfbewegungen sägen dann die ersten beiden Zahnreihen große Stücke aus dem Opfer, weniger dazu gebaut , etwa Knochen zu durchbeißen. Schließt der Hai sein Maul, klappen die Zahnreihen nach hinten. Verliert der Hai einen Zahn, richtet sich der dahinterliegende auf und schließt die entstandene Lücke nach einigen Tagen. Übrigens ist es falsch, wenn überall zu lesen ist, der Hai müsse sich erst auf den Rücken legen, um zubeißen zu können. Sie können in jeder Lebenslage fressen. Die Zähne des Haies gelten als Urform der Zähne aller Wirbeltiere auf der Welt. Sie entwickelten sich aus den Placoidschuppen, bestehen aus Dentin und sind mit Zahnschmelz überzogen. Sie sind sehr hart und erreichen fast die Härte von Stahl. Anhand der unterschiedlichen Zahnformen lassen sich Haie eindeutig identifizieren.

Perfekt am Hai ist auch das Verdauungssystem. Sie müssen sehr gute Futterverwerter sein. In Gefangenschaft gehaltene Haie verbrauchen nur eine Futtermenge von 2-3 % ihres Eigengewichts in nur einer Woche. Allerdings fressen ausgehungerte Tiere in kürzester Zeit schon mal 20 % ihres Körpergewichtes. Sie kommen damit aber auch bis zu 3 Wochen aus. Ihr Magensaft ist sehr stark. Verdaut er doch innerhalb weniger Tage sogar Blechbüchsen und löst Plastik auf. Die Verdauung muss vom Hai auf irgendeine Weise steuerbar sein, denn oft sind aus Haimägen komplette Tiere und einmal sogar der Arm einer Frau geholt worden, sieben Tage nach dem Unfall, kaum angegriffen. Aus Schlund, Magen, Mittel- und Enddarm besteht das Verdauungssystem. Schlund und Magen sind sehr dehnungsfähig und der Mitteldarm hat die Form einer Spirale wie in einem Fleischwolf.

Ein weiteres erstaunliches Organ ist die sehr große Haileber. Durchschnittlich wiegt sie 8-12% des Körpergewichtes, bei Grönlandhaien sogar 20 %. Sie ist sehr öl- und vitaminhaltig. Ein Kilogramm Leber ergibt 1l Tran. Die Leber ist aber nicht nur ein Energiespeicher. Sie dürfte auch noch zum Teil die Funktion einer Schwimmblase mit übernehmen, da Öl bekanntlich leichter ist als Wasser. Haie haben ja keine Schwimmblase, was sie zum ewigen Schwimmen verurteilt, um nicht abzusinken.

Die stark durchbluteten Kiemen sind in fünf Paar Kiemenbögen angeordnet, nur die Grauhaie haben 6 oder 7 Paare. Das durch Maul und Spritzloch einströmende Wasser reichert in den Kiemen das Blut mit Sauerstoff an und Kohlendioxid wird abgegeben. Wieder ein Grund, warum Haie ihr Leben lang immer mit rund 5 km/h schwimmen müssen. Die Spritzlöcher fast aller Rochen- und Haiarten sind kurz hinter den Augen paarweise angeordnet. Sie dienen dem Ansaugen von Wasser zum Atmen. So können auch Haiarten die auf sandigen Böden leben, sauberes Wasser ansaugen, was anderenfalls mit ihrem unterständigen Maul kaum möglich wäre.

Haie und Rochen pflanzen sich durch innere Befruchtung fort. Das Liebesleben ist ziemlich rauh und wird bei den Weißspitzen-Riffhaien mit Bildern belegt und beschrieben. Das männliche Tier verbeißt sich regelrecht in sein Weibchen um seine penisartigen Stacheln, sie liegen zwischen den Bauchflossen an der Kloake, in den After seines Weibchens einführen zu können. Sperma fließt in den Eileiter. Je nach Haiart setzt jetzt eine unterschiedliche Entwicklung der Haiembryonen ein. Blauhaie und Hammerhaie, beide sind sehr nahe verwandt, sind lebendgebärende Haie (vivipar). Die Embryonen, ein bis zwei bei diesen Arten, liegen in Dottersäcken in Ausbuchten des Eileiters Ammenhaie und einige Katzenhaie, um nur einige Beispiele zu nenne, legen Eier, sind also ovipar; die älteste Art der Fortpflanzung überhaupt.

Aber auch hierüber ist das Wissen nur sehr unvollkommen. Bisher wurde nur ein einziges 30 cm langes Ei eines Walhaies gefunden. Eikapseln der Katzenhaie sind länglich und durchsichtig. Sie haben an den Enden Fäden ausgebildet, mit denen sie sich an Tang, Seegras usw. verankern können. Grauhaie, Sandhaie, Riesenhaie und andere sind ovovipar, d.h. sie legen zwar Eier, diese entwickeln sich aber schon im Laib der Mutter bis zur Schlupfreife. Die eigentliche Geburt erfolgt wenn die Embryonen voll entwickelt sind. Naturgemäß wissen wir am wenigsten über die Sinnesorgane der Haie. Auf der Hochsee sind sie nicht über längere Zeiträume zu beobachten und in Gefangenschaft können wir ihnen nur sehr unvollkommene Lebensbedingungen bieten. Fest scheint aber zu stehen, dass sie mehr als nur 5 Sinnesorgane haben. Ob es 6 oder 7 sind, ist noch ungewiss.

Gesicherte Kenntnis besteht über das Gehirn der Haie. Gemessen an Knochenfischen ist es recht groß, aber einfach aufgebaut. Erstaunlich ist auch, dass es keine großen Unterschiede zwischen den Gehirnen der einzelnen Haiarten gibt. Die Augen der Haie haben eine große Lichtempfindlichkeit, aber doch wohl keine allzu große Sehschärfe. Tiefseehaie brauchen auch kein Farbsehen, was eventuell bei einigen oberflächennah lebenden Arten möglich ist.

Einige Arten (Blauhai, Hammerhai) haben noch ein drittes, undurchsichtiges Augenlid, das zum Schutz über das Auge gezogen wird. Zum Weitsehen nimmt das Auge, was übrigens einen viel größeren Blickwinkel als unser Auge hat, eine andere Stellung ein als beim Nahsehen. Versuche haben gezeigt, dass bis 15 m der viel stärker ausgeprägte Geruchssinn den Hai an seine Beute heranführt, es aber ab 3 m auf das Sehvermögen ankommt, ebenso auf den 6. Sinn, ein elektrisches Ortungssystem, die "Lorenzinischen Ampullen".

Die Nasenlöcher liegen unter der Schnauzenspitze, bei Hammerhaien an den breiten Kopfenden. Die Leistung der Riechorgane ist fast unvorstellbar. Blut und Fischöl können noch in einer Konzentration von 1 zu 1 1/2 Millionen ausgemacht und geortet werden. Haien, den in Versuchen ein Nasenloch verstopft wurden, können einer Spur nicht folgen und geraten in eine Kreisbahn.

Zwei Gerüche aber, so weit bis jetzt bekannt ist, können Haie nicht ausstehen: den Geruch von sich zersetzenden, toten Artgenossen und den Geruch von einem Sekret der Mosesscholle Pardachirus marmaratus. Dieses Phänomen, dass es etwas gibt, was selbst die gierigsten Fresser unter den Haien angewidert ausspucken, wurde 1972 von der amerikanischen Zoologin Dr. Eugenie Clark in Israel im Golf von Eliat entdeckt. Die Hoffnung, daraus ein wirksames Haiabschreckmittel zu entwickeln, hat sich bis heute leider nicht erfüllt. Und ist überhaupt nicht mehr nötig. Haie sind am Aussterben. Kein Japaner schießt einen amerikanischen Flieger mehr über den Pazifik ab, oder umgekehrt.

Hans Hass hatte schon in den fünfziger Jahren die Idee, Gezappel von verletzen Fischen auf Tonband aufzunehmen und den Haien vorzuspielen. Er löste damit bei ihnen den Fressreiz aus. Heute, mit weiterentwickelten Geräten, kennt man die Frequenzen, auf die Haie reagieren. Werden Frequenzen mit genau 60 Hertz (Schwingungen pro Sekunde) mit Unterbrechungen ausgesandt, wird jeder Hai aus der Umgebung angelockt. Bei einem Dauerton wartet man vergebens auf ihr Erscheinen. Bis aus 400 m Entfernung lassen sich mit diesen rhythmisch gesendeten niederfrequenten Tönen noch Hochseehaie anlocken.

Doch scheint der Hai diese Töne gar nicht mit dem eigentlichen Gehör wahrzunehmen, sondern mit einem anderen Sinnesorgan, der Seitenlinie, eher zu fühlen. Das Ohr nimmt wohl nur höherfrequente Töne auf. Es ist ähnlich dem des Menschen gebaut, allerdings ohne Gehörknöchel und Trommelfell. Das innere Ohr endet über einem Gang in einer Pore am Kopf des Haies. Das Ohr ist auch für den Gleichgewichtssinn zuständig und bildet zusammen mit der Seitenlinie eine Einheit.

Malediven Schwarzspitzenriffhai

Schwarzsptizen-Riffhai an der Ostspitze Vilamendhoo 1997 als die lebenden Korallen noch bis an das Ufer reichten

Wasser leitet Schwingungen, also Töne und Druckwellen, rund 5 mal schneller als Luft. Wie oben beschrieben, können niederfrequente Schwingungen mit der Seitenlinie richtiggehend ertastet werden. Seitenlinien haben alle Fische längs des Körpers auf beiden Seiten ausgebildet. Sie sind mit einer Flüssigkeit gefüllte dünne Kanäle, meist dicht unter der Haut gelegen. Sie laufen vom Schwanzende bis zum Innenohr und stellen ein hochempfindliches Ortungssystem dar. Lange nicht so empfindlich reagieren Haie auf Berührungen für diese Empfindung. Dafür scheinen die paarigen Rückenmarknerven zuständig zu sein. Die berührte Stelle kann nur schlecht ausgemacht werden. Auch scheint das Schmerzempfinden, wie wohl bei allen Fischen, nicht groß zu sein.

Wahre Feinschmecker sind die großen Räuber bestimmt nicht. Zwar nehmen sie, vor die Wahl gestellt, von gleich großen Brocken lieber Thunfisch- als Muschelfleisch, welches sie angewidert ausspucken. Aber im mit Recht so gefürchteten Fressrausch verschlingen sie einfach alles. Der Mageninhalt gefangener Haie beweist es immer wieder. Vom Autoschild über Konservendosen, vom Hund bis zur Möwe, alles Mögliche und Unmögliche findet sich dort wieder. An gefangenen Haien abgeleitete Elektrokardiogramme lieferten den Beweis für ein weiteres Sinnesorgan. Haie können die bioelektrischen Felder wahrnehmen, die alle Lebewesen umgeben. Der einmillionstel Teil eines Voltes (0,000 000 1 Volt) war die geringste Spannung, die Haie noch sicher orten können. Eine erstaunliche Leistung.

Erstaunlich ist auch, dass dieses Sinnesorgan schon im 17. Jahrhundert von dem Italiener Steffano Lorenzi entdeckt und nach ihm benannt wurde: die Lorenzinischen Ampullen. Das sind winzige mit Gallert gefüllte Kanäle, die dicht unter der Kopfhaut entlangführen, durch Membranen in kleine Ampullen unterteilt sind und durch die Hautporen aus dem Wasser die Informationen aufnehmen können. Vermutet wird weiterhin, dass dieses Sinnesorgan auch noch als Tiefenmesser und als Temperaturfühler dienen kann. So gut wie nichts ist über den vermuteten 7. Sinn der Haie bekannt, die Savischen Blasen. Im vorderen Teil des Kopfes liegen Sehnenplatten in vollkommen abgeschlossenen Blasen an denen Nervenstränge enden. Es gibt nicht einmal eine Vermutung, welcher Leistung die Savischen Blasen fähig sind.

Systematik Haie

Deutsch

Latein

Dhiveli

Klasse:

Knorpelfische

Chondrichthyes

Unterklasse:

Haie und Rochen

Elasmobranchii

Überordnung:

Haie

Selachoideei

Ordnung: 

Teppichhaiartige

Orectolobiformes

Familie:

Ammenhaie

Ginlymostomatidae

Gattung:

Nebrius

Art:

Ammenhai

Nebrius ferrugineus

Miyaru

Ordnung: 

Grundhaie

Carcharhiniformes

Familie:

Blauhaie

Carcharhinidae

Gattung:

Carcharhinius

Art:

Grauer Riffhai

Carcharhinius amblyhynchos

Vah boa miyaru

Art:

Schwarzspitzenriffhai

Carcharhinius melanopterus

Gattung:

Triaenodon

Art:

Weißspitzen-Riffhai

Triaenodon obesua

Familie:

Hammerhaie

Sphyrnidae

Familie:

Zebrahaie

Stegostomatidae

Art: Zebrahai Stegostoma fasciatum

Ammenhaie - Nebrius ferrugineus (Lesson, 1830)

Malediven Ammenhai

Größe: 60 cm, Tiefe: 1 m,                                   Angaga, Ari - Atoll, 1996

Die Ammenhaie sind der Ordnung Orectolobiformes, den Teppichhaien, zugeordnet. Diese umfaßt 2 oder auch 7 Familien mit 13 Gattungen und 33 Arten, also noch einigermaßen überschaubar aber nicht klar. Es scheint, als ordne jeder nach eigenem Gutdünken die Arten irgendwo einfach ein. Insgesamt gibt es aber nur 4 Ammenhaiarten in 2 Gattungen und den hier abgebildeten kann man, wenn man weiß wo man nachschauen muß, auf jeder Insel auch ohne Tauchgerät finden.

Am Tage schlafen Ammenhai tief und fest. Mal unter einer Koralle direkt auf dem Riffdach in nur einem Meter Wassertiefe alleine (s. unten), mal in Höhlen mit mehreren in 70 m. Wenn sie nicht gestört werden, kommen sie immer wieder zurück. Oft erkennt man diese Schlafplätze an den herausragenden Schwänzen. Es ist ein beliebtes Spiel, sie an den Schwänzen vorsichtig herauszuziehen.

Meist passiert auch nichts und der Hai kehrt mit einer Schwanzbewegung unwillig in seine Höhle zurück. Macht man das zu oft oder unvorsichtig, sind sie weg. Na ja, und sie haben ein Gebiss mit gegenständigen Zähnen und was sie mal dazwischen haben, können sie, wie Doggen, nicht mehr loslassen. Immerhin kann man ja auch 3, 20 m aus so einer Höhle herausziehen.

Im Allgemeinen sind Ammenhaie aber friedfertige Tiere. Ammenhaie haben nur ein sehr kleines, aber in nicht erwarteter Weise spezialisiertes Maul: Sie können ihre Beute aus Ritzen und Spalten heraussaugen, was der Hai auf dem nächsten Bild gerade macht. Immer wieder schwamm er mit dem Kopf unter diese Koralle. Vielleicht versuchte er einen Octopus, Fische die dort kurz nach Beginn der Nacht Schutz gesucht hatten oder Krebstiere herauszusaugen, jedenfalls ließ er sich nicht stören und sein Schmatzen und Schaben war deutlich zu vernehmen. Unterhalb des Maules hat der Ammenhai zwei helle Bartel, die Tastfunktionen haben, denn für ein nachtaktives Tier hat er unwahrscheinlich kleine Augen. Genau die selbe Größe haben die zwei Spritzlöcher, die kurz hinter den Augen liegen.

Malediven Ammenhai
Malediven Ammenhai

Ammenhai, am Tage beim Schlafen unter zu kurzem Versteck und nachts bei gierigen Fressen unter der Koralle. Beide Fotos sind 1996 in geringer Tiefe in Angaga gemacht worden.

Alle Arten dieser Ordnung haben 5 Kiemenspalten auf jeder Seite und die Ammenhaie sind bronzefarben auf dem Rücken und heller am Bauch. Die Haut fühlt sich angenehm an, ist nicht schleimig und nicht rauh. Bleibt noch die bei Haien so unterschiedliche Art der Fortpflanzung. Die Ammenhaie sind ovovipar. Die dünnschaligen braunen Eikapseln entwickeln sich im Eileiter der Mutter und die Embryonen schlüpfen auch in diesen Eikapseln. Sie ernähren sich aus ihrem Dottersack. Immer sind es 8 Junge.

Die Geburtsgröße bei Ammenhaien ist unbekannt. Mit einer Länge von 2,30 m sollen die Weibchen geschlechtsreif sein. Das große Bild zeigt einen kleinen Ammenhai beim schlafen. Hauptsache der Kopf liegt im Dunkeln, Feinde scheint er nicht zu haben, sonst hätte er sich mehr Mühe gegeben beim Aussuchen einer größeren Höhle. Links unten hätte es im Schein der Taschenlampe einen Beinahezusammenstoß gegeben. Deutlich sind die angesprochenen Barteln und die extrem kleinen Augen zu erkennen. Die Störung beim Fressen (Bild rechts) nahm er gelassen hin.

Vorkommen: Weitverbreitet im Indopazifik und Rotes Meer.

Grauer Riffhai - Carcharhinius amblyrhynchos (Bleeker, 1856)

Malediven Grauer Riffhai

Grauer Riffhai Carcharhinius amblyrhynchos (Bleeker, 1856)

Oberhalb von 10 m Wassertiefe sind die zur Familie der Blauhaie gehörenden Graue Riffhaie nur selten zu sehen. Jede Tauchschule zeigt jedem aber die neugierigen, eleganten Fischjäger, die sich auch schon mal eine der großen Muränen aus dem Riff holen. Sie leben in Tiefen von bis hinunter auf ungefähr 300 m. Die Längenangaben schwanken zwischen den 180 cm, ungefähr die Größe der hier herumschwimmenden Haie und 2,10, 2,40 oder auch 2,50 m je nach Literatur, Gegend und Taucherlatein.

Diese Art ist bei weitem aggressiver und lange nicht so pflegeleicht wie die allgegenwärtigen Weißspitzenriffhaie. Die Grauen Riffhaie sind vivipar. Die Embryonen wachsen in einer gebährmutterähnlichen Erweiterung der beiden Eileiter heran und ernähren sich aus einem Dottersack. Dieser haftet mit Auswüchsen an der Eileiterwand an. Das Gebilde nennt sich Dottersackplazenta. Viviparie ist eher selten. Diese Art hat zwischen ein und sechs Junge von 50 - 60 cm Länge bei der Geburt. Ein Großer Grauhai, Hexanchus grieseus (ohne Bild) bringt auf diese Weise 108 kleine Haie zur Welt.

Vorkommen: Weitverbreitet im östlichen Indischen Ozean bis zum Zentralpazifik (Hawaii) und im Roten Meer. Nicht oder seltener vor der afrikanischen Küste, Mauritius und den Seychellen.

Schwarzspitzenriffhai - Carcharhinius melanopterus (Quoy & Gaimard, 1824)

Malediven Schwarzspitzenriffhai

Schwarzspitzen-Riffhai Carcharhinius melanopterus (Quoy & Gaimard, 1824)

Schwarzspitzenriffhaie darf man nicht aus der Tiefe kommend erwarten. Sie erscheinen aus dem Flachen hinter dem Riffdach, wenn das Wasser trübe und vom Gezeitenwechsel fast undurchsichtig ist. Scheu und schnell ziehen sie über das Riff und nehmen nicht die geringste Notiz von den Anwesenden. Viele Gäste am Riff nehmen sie nicht wahr, weil sie das graue Tier im grauen Wasser auf der "falschen" Riffseite einfach nicht sehen.

Außerdem sind sie seltener. Dabei lebt diese Art nicht tiefer als 10 m am Riff und in den Lagunen von Fischen und Tintenfischen. Nach meiner Erfahrung sah man, je nach Insel, auf 20 - 25 Weißspitzenriffhaie nur einen mit den schwarzen Spitzen. Jedenfalls vor 1996 als hier alle Weißspitzenriffhaie abgeschlachtet wurden. Bis 2003 hatten sich die Bestände noch nicht wieder erholt.

Auch diese Art ist, wie der vorher beschriebene Graue Riffhai, vivipar, bringt aber nur 2 oder maximal 5 Junge mit 33 - 52 cm Länge zur Welt. Sie wachsen auf 2 m heran. Hier werden sie kaum größer als 1,50 m.

In flachen und ruhigen Lagunen lernen die jungen Hai das Jagen. Oft schwimmen sie dabei in so flachem Wasser, dass die kleinen Rückenflossen herausragen. Früher, als auf der Insel Kuramathi nur ein paar Häuser standen, waren sie im Wattkanal der Südseite und in der Lagune an der Sandbank jeden Tag zu sehen, wenn sie versuchten, von Tausenden und Abertausenden kleinen Fischen auch nur einen abzubekommen. Diese „Babyhaie" schmecken zwar sehr gut, aber nicht das hat sie so dezimiert.

Vorkommen: In allen Korallengebieten des Indopazifik. Ist durch das Rote Meer und den Suezkanal bis ins östliche Mittelmeer vorgedrungen.

Malediven Schwarzspitzenriffhai
Malediven Schwarzspitzenriffhai

Weißspitzen-Rriffhai - Triaenodon obesus (Rüppell, 1837)

Malediven Weißspitzenriffhai

Nirgends auf der Welt gehört eine Haiart so selbstverständlich zum Urlaub dazu, wie die Weißspitzenriffhaie hier auf den Malediven. Es gibt sie an jeder Insel, am besten kurz nach Sonnenaufgang, sicher am frühen Vormittag, garantiert kurz vor dem Sonnenuntergang - man muß nur mit der ABC - Ausrüstung ein paar hundert Meter am Riff entlang schwimmen und begegnet mehr dieser schönen und hier so friedlichen Haie als beim Tauchen. Angst braucht man nicht zu haben. Die Wesen mit den langen bunten Kaugummis am Ende gehören bei dem Fischreichtum nicht in ihre Nahrungskette. Sie leben von Bodenbewohnern wie Krebsen und Tintenfischen, stöbern nachts am Boden schlafende Papageifische, Drücker, Barben, Schnapper, usw. auf, machen einen satten und meist gelangweilten Eindruck beim eleganten Vorbeigleiten. Am Tage, oft über Mittag, liegen sie in Höhlen oder auch in gut durchströmten Kanälen zwischen zwei Inseln wie Kuramathi und Rasdoo auf dem Sandboden und schlafen.

Aber am frühen Morgen sind sie hellwach und neugierig. Dann kommen sie, schnorchelt man alleine, schon mal auf zwei Meter heran, wollen sehen, was da in ihrem Revier los ist, was da komisches rumschwimmt - und ziehen fast gelangweilt wieder ab. Ist nun wirklich nichts am Riff los, lassen sie sich mit ein paar Faustschlägen auf die Wasseroberfläche oder mit dem Klopfen eines toten Korallenstückes auch schon mal anlocken - was vielleicht nicht jedem zu empfehlen ist. Es muß also nicht immer ein Stück Fisch im Mund eines Tauchlehrers sein, um Haie anzulocken. Vielleicht kommt es doch nur auf Beobachtungen und auf die Kenntnisse der Lebensweise der Riffbewohner an, wenn man etwas erreichen will.

Malediven Weißspitzenriffhai

Der längste Weißspitzenriffhai wird mit 216,5 cm und 131 kg beschrieben. Er kann bis 25 Jahre alt werden. Leider nicht mehr auf den Malediven. Hier hatte man 1996 beschlossen, alle Haie bis zum Letzten konsequent auszurotten. Bot doch Japan, Taiwan und Hongkong für 1 kg Haiflosse über 300 US $. Wie sollte da ein Fischer widerstehen? Schließlich war das mehr ein ganzen Jahresgehalt. Sie haben diese Aufgabe gründlich erledigt.

Die Haie sind eher nachtaktiv. Am Tage liegen sie schon mal schlafend auf dem Grund in ungefähr 8 - 12 m Tiefe oder einfach unter großen Korallen. Sie sind Reviertreu. Im ganzen Jahr bewegen sie sich, sind die Riffe nicht so belebt wie hier, nur über Distanzen von 300 m bis 3 km. Nachts jagen sie am Riff die Krabben und Langusten oder die am Boden schlafenden Fische wie z. B. Papageifische, Drücker, Meerbarben, usw. Angriffe auf Menschen sind sehr selten und meistens deren Schuld. Frisch kann das Haifleisch gegessen werden, die Leber kann allerdings giftig sein.

Auch diese Art ist vivipar und es kommen zwischen einem und fünf Junge nach einer Tragezeit von 13 Monaten zur Welt. Das Liebesleben der Weißspitzenriffhaie ist ziemlich rau und wird anschließend beschrieben.

Vorkommen: Häufigste Haiart in den Korallengebieten des Indopazifik.

Malediven Weißspitzenriffhai

Mondfisch Seite 97

Liebesleben der Weißspitzenriffhaie Seite 100

E: Grey reef shark, F: Requin dagsit, J: Oguro - Mejirozame, D: Vah boa miyaru

E: Blacktip reef shark, F: Requin pointes noires, J: Tsumagro, D: Miyaru

E: Whitetip reef shark, F: Requin corail, J: Nemuribuka, D: Miyaru

Größe: 1,80 m, Tiefe: 3 m,        Veligandu Hurra, Süd - Male - Atoll, 1990

Ammenhai Nebrius ferrugineus (Lesson, 1830)

Größe: 2,5 m, Tiefe: 3 m,                                Ellaidhoo, Ari - Atoll, 1995

Größe: 1 m, Tiefe: 1 m,                         Vilamendhoo, Ari - Atoll, 1997

Größe: 2 m, Tiefe: 3 m,                                   Ellaidhoo, Ari - Atoll, 1994

Malediven Leopardenhai
Malediven-Leopardenhai
Malediven-Leopardenhai
Malediven-Leopardenhai
Zebrahai Stegostoma fasciatum (Hermann, 1783)

Größe: 3 m, Tiefe: 15 m                                  Embudu, Süd-Male-Atoll, 2008

Größe: 3 m, Tiefe: 15 m                                       Embudu, Süd-Male-Atoll, 2008

Größe: 3 m, Tiefe: 15 m                              Embudu, Süd-Male-Atoll, 2008

Größe: 3 m, Tiefe: 15 m                           Embudu, Süd-Male-Atoll, 2008

Bei diesem seltsamen Hai ist es schon schwer den deutschen Namen zu finden. Es er jung, hat er schwarze Querstreifen wie ein Zebra, erwachsen dagegen zeigt er Punkte wie ein Leopard. Man hat sich auf Zebrahai geeinigt.

Dieser nachtaktive Jäger ruhte sich am Vormittag unweit der Sandbank von Embudu auf dem Grund aus. Sein Schwanz ist etwa so lang wie sein Körper. Das größte Exemplar war 3,54 Meter lang. Entlang seines Körpers verlaufen mehrere Wülste oder Stege.

In der Familie der Zebrahaie Stegosttomatidae gibt es nur diese eine Art. Die Zebrahaie ernähren sich von Muscheln und Krebsen, Krabben, Oktopussen und kleinen Fischen die er nachts jagt, nicht tiefer als 65 m dort, wo es Sand- oder Schutt- und Korallengründe gibt. Diese Art ist selten geworden. Die Chinesen lieben ihn nämlich, oder besser seine Flossen.

Vorkommen: Rotes Meer bis Australien. Er braucht eine durchschnittliche Wassertemperatur von mindestens 19° C.

Zebrahai Stegostoma fasciatum (Hermann, 1783)

Zebrahai jung

(Bilder aus Fishbay

Zebrahai erwachsen

Weißspitzen-Riffhai Triaenodon obesus (Rüppell, 1837)