Handbuch der Malediven

Seite 34

Fische der Malediven


Ordnung der Röhrenmaulartigen - Syngnathiformes


Foto_Malediven_Hornhechte

Diese Ordnung umfasst sieben Familien, darunter die beiden auf den Malediven oft anzutreffenden Trompeten- und Flötenfische.

Außerdem gehören die possierlichen Seepferdchen, die es leider an Riffen nicht oder nur sehr selten gab und wohl nie wieder gibt, dazu. Sie bevorzugen strömungsfreies Wasser mit üppigem Bewuchs an dem sie sich mit ihrem Greifschwanz festhalten können.

Stellt man sich ein Seepferdchen mal ganz ausgestreckt vor, erkennt man die Ähnlichkeit mit den langgestreckten Seenadeln, die beide in eine Familie eingeordnet sind und auf den Malediven an wirklich jeder Insel im flachen Wasser am Boden umherschwimmen.

Das erste einigermaßen gelungene UW-Foto des Verfassers mit einer geborgten Nikonos V

Größe: 50 cm, Tiefe: 4 m         

Kuramathi, Rasdoo - Atoll, 1985

Systematik

Röhrenmaulartige - Syngnathiformes

Deutsch

Latein

Englisch

Dhiveli

Französisch

Japanisch

Ord: 

Röhrenmaulartige

Syngnathiformes

Pipefishes a. Seahorses

?

Trompettes, Sygnates

Fam.

Trompetenfische

Aulostomidae

Trompetfishes

?

Trompettes

Gat.

Aulostmus

Art

Trompetenfische

Aulostmus chinensis

Trompetfish

Reedhoo tholhi

Trompette chinoise

Hera yagara

Fam.

Flötenfische

Fisularidae

Cornetfishes

Fisulaires

Gat.

Fisularia

Art

Flötenfisch

Fisularia commersonii

Cornetfishe

Onogandu tholi

Fisulaire

Ajo-yagara

Fam.

Seepferdchen und Seenadeln

Syngnathidae

Pipefishes

Ufam.

Seenadeln

Syngnathinae

Pipefishes

Gat.

Corythoichtys

Art

Braunbandseenadel

Corythoichtys amplexus

Brown-banded pipefish

Venu banderyi

Pipe

Obi-ishi-yoji

Art

Netzseenadel

Corythoichtys favofasictus

Network pipefish

Venu

Sygnathe

Kishima-ishi-yoji

Art

Schultzes Seenadel

Corythoichtys schultzii

Schult's pipefish

Venu

Piosson pipe

Kuchinaga-ishi-yoji

Trompentenfisch-Aulostoma-chinensis

Größe: 40 cm, Tiefe: 1 m           Kuramathi, Rasdoo - Atoll, 1987

Die "chinesische" Ausgabe des Trompetenfisch hat sich gelbe Kaninchenfische Signatus puelloides als perfekte Tarnung zum Anschleichen an seine Beutefische ausgesucht


Familie: Trompetenfische - Aulostomidae


An den Riffen fallen die langgestreckten, zylinderförmigen Trompetenfische durch ihre außergewöhnliche Körperform sofort auf. Besonders die gelbe Variante des Aulostomus chinensis . Nur vier Arten Trompetenfische sind bekannt. Hier begegnen wir zwar zwei verschieden aussehenden Tieren, die aber ein und derselben oben erwähnten Art angehören: die einen mit bräunlichen oder grünlich-grauen Farbtönen und die anderen komplett knallgelb.

Unter den Schuppen der ca. 60 cm lang werdenden Tieren befindet sich eine Panzerung aus ringförmig angeordneten kleinen Knochen die, mit Ausnahme des ersten, alle mit den Wirbelknochen verbunden sind. Es sieht aus, als bestände der Kopf nur aus der langen Schnauze, an dessen Ende das Maul wie das Mundstück einer Trompete steht. Trotzdem ist es ein ziemlich gefährlicher Räuber, jedenfalls für kleine Fische und Krebse.

Jagdtechnik der Trompetenfische

Was für eine aufregende und einmalige Jagdtechnik die Trompetenfische haben! Wie kommt nun ein im Verhältnis zu seiner Beute so großer Räuber unbemerkt an die kleinen Fische heran, bevor diese in den Korallen verschwinden? Er schleicht sich reitend auf einem Friedfisch, den die kleinen Fische nicht als Räuber fürchten müssen, an.

Richtig scheinheilig und desinteressiert an seiner Umwelt lieg er steif wie ein Stock im Wasser und wartet auf ein geeignetes "Reittier". Kommt etwa ein größerer Papageifisch vorbeigeschwommen, schießt der Trompetenfisch blitzschnell vor, legt sich seiner Länge nach auf den Rücken des Papageifisches und ahmt die Rundung des Rückens nach. Der Papageifisch macht jetzt erschreckt Fluchtversuche aber der lange Reiter macht jede Bewegung mit, lässt sich nicht abschütteln und bleibt unbeirrt immer ein paar Zentimeter über dem Rücken (siehe Bilder).

Der Papageifisch beruhigt sich bald wieder und nährt sich einer Koralle um weiter seine Algen abzuschaben. Die kleinen Fische an den Korallenstöcken haben keine Angst vor dem großen Papageifisch. Sie wissen, der beißt nur Stücke krachend aus einer Koralle heraus oder nagt Algen ab. Diese Situation nutzt nun der Trompetenfisch aus. So nahe an seiner Beute stößt er plötzlich zu. Danach ist er erkannt und das Ganze beginnt von Neuem.

Von vorne gesehen nimmt er nicht mehr Fläche als einer großen Münze ein. Wer vermutet dahinter schon einen so langen und gefräßigen Räuber? Von der Seite gesehen löst er sich mit der Körperform seines "Reittieres" auf. Ein perfekter Räuber also und mit etwas Geduld ist diese Jagd auch überall am Riff zu beobachten. Oder besser gesagt es war überall zu beobachten, denn sie sind selten geworden.

Mag es sein, dass es um manche Touristeninseln durch richtigen Badebetrieb zu unruhig geworden ist. In den seichten Lagunen liegen heute sich sonnende Leute wo früher die riesigen Schwärme kleiner Fische standen, so dicht und zahlreich, dass das Wasser von den Ausscheidungen sich verfärbte. Oder ist es der Rückgang der Korallen durch die schlechtere Wasserqualität und durch die Katastrophe 1998 oder war es vor 10 Jahren hier wirklich wie im Paradies?

Trompetenfisch - Aulostoma chinensis (Linnaeus, 1766)

E: Trumpet fish, F: Trompette, J: Hera yagara, D: Reedhoo tholhi

Trompentenfisch-Aulostoma-chinensis

Größe: 12 cm, Tiefe: 3 m                                       Vilamendhoo, Ari - Atoll, 1997

Trompetenfisch Aulostoma chinensis

Trompentenfisch-Aulostoma-chinensis

Größe: 12 cm, Tiefe: 3 m                        Kuramathi, Rasdoo - Atoll, 1987

Die Trompetenfische haben nur ganz feine und kleine Zähne, die Beute wird durch Saugschnappen gefangen. An der Unterseite des Maules ist stets eine Bartel vorhanden. Die 1. Rückenflosse besteht nur aus dünnen, weichen Strahlen, die nicht durch eine Membrane verbunden sind. Die 2. Rückenflosse und die Afterflosse sind sehr weit hinten angesetzt und stehen sich genau gegenüber. Sie führen zum Vorwärtsbewegen eine wellenförmige Bewegung aus und die Schwanzflosse wird zum Steuern benutzt. Trotzdem bleibt der langgestreckte Körper beim Schwimmen grade und ruhig.

Vorkommen: Indopazifik, nicht jedoch im Roten Meer.

Trompentenfisch-Aulostoma-chinensis

Größe: 40 cm, Tiefe: 5 m                      Kuramathi, Rasdoo - Atoll, 1985

Nachts schlafen die Trompetenfische Aulostoma chinensis senkrecht mit dem Kopf nach unten in Gruppen von ungefähr 20 Tieren. Da standen des nachts die Trompetenfische im wahrsten Sinn des Wortes zum Schlafen bündelweise im Wasser. Zusehen war das nur in der Anfangszeit des Tourismus als es an den Inseln noch relativ ruhig war.

Auch Flötenfische schlafen so. Die Nadelfische treiben dagegen Nachts dicht unter der Oberfläche dahin.

Trompentenfisch-Aulostoma-chinensis

Hier muss ein Zweifarben - Papageifisch Cetosarus bicolor ungefragt die Jagdtechnik des gelben Trompetenfisches ertragen.

Der Papageifisch fühlte sich sichtlich unwohl und versuchte, den "Reiter" wieder loszuwerden. Der aber war erstaunlich geschickt und ließ sich nicht abschütteln.

Trompentenfisch-Aulostoma-chinensis

Für ihre besondere Anschleichtechnik nutzt der gelbe Trompetenfisch hier einen Würfelkofferfisch Ostarion cubicus.

Trompentenfisch-Aulostoma-chinensis

Der Trompetenfisch wollte hier den Blaukopf - Kaiserfisch Euxiphipos xanthometopon "entern". Der dachte aber nicht daran, aus seinem Unterschlupf hervor zu kommen solange der Schwimmer in der Nähe war.

Diese Beobachtungen beim Schnorcheln mit viel Zeit sind mehr Wert als mit kompakter Tauchausrüstung für 60 min unten einen Hai aufzulauern.


Familie: Flötenfische - Fistulariidae


Diese Familie ist nur in eine Gattung mit 4 Arten unterteilt. Eine davon ist hier überall anzutreffen: Fistularia commersonii. Die Schnauze der Flötenfische ist noch bei weitem länger als bei den vorher beschriebenen Trompetenfischen. Ein extrem langer Körper, der dazu noch in eine fadenförmige, weiche Schwanzspitze ausläuft, dessen Funktion noch vollkommen ungeklärt ist, lassen uns auch diesen Fisch leichte identifizieren.

Oft stehen Gruppen dieser langen Tiere über sandigen Böden in der Nähe von Bootsstegen der kleinen Hafeneinfahrten der Inseln ziemlich träge dicht unter der Wasseroberfläche. Ihre Farbe ist olivbraun und der Bauch glänzt silbrig. Sie werden immerhin bis 1,50 m groß, aber hier, so dicht an den Inseln, sind sie so zwischen 0,80 und 1 m. Ihr Körper ist deutlich breiter als hoch, Schuppen sind nicht vorhanden.

Als Schutz dienen dicht unter der Haut liegende schmale aber lange Knochenplatten. Das sie ortstreu sind, bestätigte sich durch eine eigene Beobachtung. Mehrere Wochen lang stand ein Schwarm Tag und Nacht an der gleichen Stelle an einem Bootssteg. Ein Tier war immer zu erkennen. Ein Räuber hatte aus seiner Flanke ein dreieckiges Stück herausgebissen. Da aber sein Rückgrat offensichtlich nicht verletzt war, stand er munter, sozusagen als Schwarmerkennungszeichen, mitten zwischen seinen Artgenossen.

Es ist leicht, des Nachts im Schein der Unterwasserlampe eines dieser langen Tiere zu packen. Ein alles wissender Tourist tat es einmal. Bevor es zu verhindern war, packte er einen der schlafenden Fische in der Mitte des Körper. Der Fisch schoss ihm durch die Hand und hinterließ zwei tiefe, schwer heilende Schnittwunden. Kurz vor der Schwanzflosse sind unpaarig verteilte, scharfe Knochenplatten, die an die Doktorfische erinnern, vorhanden. Als Beispiel für die wissenschaftliche Beschreibung eines Fisches sei hier einmal ein Ausschnitt aus der Zeitschrift "Senckenbergiana biologica", Ffm., vom 31.08.1972 Seite 207, von Dr. Wolfgang Klausewitz aus "Litoralfische der Malediven" wiedergegeben. In der Beschreibung der Familie der Flötenfische heiß es wörtlich:

"Schnauzenknochen schlank und langgestreckt. Schnauzenrücken größtenteils vom Mesethmoid und dem vorderen Viertel des Vomer gebildet. Maxillaria im Vergleich der Schnauze relativ klein, eine dünne Spange bildend. Dentale und Articulare lang und schlank, etwa doppelt so groß wie das Maxillare. Praemaxillaria, Dentale und Palatina je mit einer Reihe kleiner Zähne besetzt. Glossohyale sehr langgestreckt. Supraoccipitale klein. Parietalia fehlen. Am Schultergürtel das Posttemporale als langer Fortsatz; Supracleithrum (Supraclavicula) vorhanden, Metacleithrum (Postcleithrum) und besonders das Hypocoracoid (Coracoid) langgestreckt und nach rückwärts gerichtet."

Alles klar?

Flötenfisch - Fistulariidae commersonii Rüppell, 1835

E: Cornet fish, F: Cornette, J: Ao - yagara, D: Onugandu tholhi

Floetenfisch-Fisularia-commersonii

Größe: 35 cm, Tiefe: 1 m                                                Kuredu, Faddhippolhu - Atoll, 1998

Ein nicht ganz ausgewachsener Flötenfisch Fisularia commersonii im Abendlicht

Floetenfisch-Fisularia-commersonii

Größe: 30 cm, Tiefe: 2 m                         Kuramathi, Rasdoo - Atoll, 1987

Ergänzend zur vorherigen Einführung dieser Familie sei hier noch die unterschiedliche Jagdtechnik zu den anderen langen Fischen, den Trompetenfischen, erwähnt. Flötenfische halten sich gerne dicht unter der Wasseroberfläche auf. Dort lässt er sich wie ein Stück Treibholz auf Fischschwärme zutreiben. Durch Saugschnappen verschwindet die Beute dann in seinem erstaunlich dehnfähigen Maul.

Die Familie der Flötenfische umfasst nur eine Gattung mit 4 Arten. Die hier erwähnte Art wird bis zu 1,5 m lang und taucht schon mal auf 100 m ab. Sie gibt es an allen Malediveninseln und man kann sehr große Exemplare mit erstaunlich breitem Rücken sehen. Bei ausgewachsenen Tieren sind blaue Linien auf dem Rücken zu erkennen.

Sie schwimmen selten alleine. Sie kommen gerne in kleine Buchten oder Häfen hinein, sind auch hinter dem Riffdach zu finden. Es ist schwer, sie zu fotografieren. Will man den Fisch ganz auf dem Bild haben, ist man zu weit weg, um den dünnen Körper noch zu erkennen. Nahe heran, um nur den Kopf aufzunehmen, kommt man nur nachts und dann ist es schwer, im Licht auf den dünnen Kopf zu fokussieren, denn bei Licht flüchtet er sofort. Auf dem kleines Bild ist der kleine Flötenfisch über dem Seegras durch sein Farbwechselvermögen ausgezeichnet getarnt.

Vorkommen: Im tropischen Atlantik und im Indischen und Pazifischen Ozean.

Floetenfisch-Fisularia-commersonii

Ab einer bestimmten Größe sind sie ganz schön selbstbewusst. Der hier jedenfalls ließ sich richtig gut ablichten.

Größe: 1 m, Tiefe: 5 m                             Kuramathi, Rasdoo - Atoll, 1987

Floetenfisch-Fisularia-commersonii

Junge Flötenfische halten sich bevorzugt in flachem Wasser auf. Die Überlebenschance ist einfach größer als draußen am Riff.

Größe: 25 cm, Tiefe: 1 m                             Ellaidhoo, Ari - Atoll, 1995

Floetenfisch-Fisularia-commersonii

Diese Flötenfisch über dem Seegrass ist durch seine Färbung nur an seiner Bewegung zu erkennen. Ist es eine eigene Art?

Größe: 30 cm, Tiefe: 0,5 m                   Kuramathi, Rasdoo - Atoll, 1987

Floetenfisch-Fisularia-commersonii

Ja, so sah es einmal aus im Korallengarten an der Ostseite Vilamendhoos. Da konnte sie der Flötenfisch noch richtig wohlfühlen.

So wird es nie wieder werden. Es ist wie mit abgeholzten Urwald. Der wächst auch nicht mehr nach.

Größe: 40 cm, Tiefe: 0,5 m              Vilamendhoo, Ari - Atoll, 1997

Floetenfisch-Fisularia-commersonii

Die Flötenfische schlafen wie die oben gezeigten Trompetenfische mit dem Kopf nach unten in kleinen Gruppen. Streng nach Arten getrennt. Vielleicht können sie sich nicht leiden? Wie das eben unter Verwandten so ist?

Oder war. Die Bilder von den schlafenden Fischen sind vor langer Zeit aufgenommen.

Größe: 50 cm, Tiefe: 5 m       

Kuramathi, Rasdoo - Atoll, 1987


Familie: Seenadeln - Syngnathidae


Die Familie hat immerhin 52 Gattungen und mehr als 260 Arten (!). Und es gibt keine Literatur, auch nicht im Internet. Nur wenige Arten leben im freien Wasser der tropischen und der subtropischen Meere, die Mehrzahl ist an Riffen und Küsten in weniger als 50 m Wassertiefe zu finden. Die Länge beträgt so zwischen 10 und 20 cm, die größte Art wird 60 cm. Auch im Süßwasser ist diese Familie vertreten.

Ein gemeinsames Merkmal dieser Familie mit den nur auf den ersten Blick so verschiedenen Unterfamilien sind die röhrenförmigen Schnauzen mit dem endständigen Maul. Die Öffnung des Maules ist zahnlos. Der Körper ist schuppenlos und mit sieben harten Knochenplatten geschützt. Wo diese aneinanderstoßen entstehen Körperkanten, die den lustigen Seepferdchen das so skurriles Aussehen verleihen.

Flossen sind, ungewöhnlich für Knochenfische, nur wenige vorhanden. So haben alle Arten keine Bauchflossen und viele nicht einmal eine Schwanzflosse entwickelt. Seenadeln haben sogar nur noch eine kleine Rückenflosse. Beide schwimmen mit wellenförmigen Bewegungen ihrer Rückenflosse sofern vorhanden. Sie sind schlechte Schwimmer. Dafür haben sie den Schwanz in Klammerorgane umgebildet, mit dem sie sich an Seegras oder anderem Bewuchs wie Seetang festhalten können.

Außergewöhnlich ist auch die Fortpflanzung bei den Seepferdchen und den Seenadeln. In Aquarien wurde bei Seepferdchen eine lange Balz mit absolut synchronen Bewegungen von Weibchen und Männchen beobachtet. Dann legte das Weibchen die Eier in den Brutsack des Männchen ab. Erst hier befruchte es die Eier. Abhängig von der Wassertemperatur presst das Männchen dann nach einigen Wochen relativ große Junge aus dem Brustbeutel heraus. Zwar soll es Seepferdchen auf den Malediven geben aber so sehr ich auch Ausschau hielt, ich habe nie eines entdecken können.

Dafür sind die Seenadeln überall schon in Strandnähe zu finden, wo sie mit ihrem röhrenartigen Maul kleinste Krebschen oder Larven regelrecht einsaugen. Selbst in 400 m Tiefe sind sie schon nachgewiesen worden. Erstaunlich ist auch, dass sie von den ewig hungrigen und gefräßigen Riffbewohnern nicht gefressen werden. Sie bewegen sich langsam und ohne jede Deckung oder besondere Tarnung über freie Sand- oder Geröllflächen und werden trotzdem nicht aufgefressen. Müssen Seenadeln grausam schmecken! Die Arten werden einmal nach der Lage der Bruttaschen der maskulinen Tiere unterschieden, die sich mal am Bauch oder in Schwanznähe befinden und außerdem nach der Anzahl der Knochenringe, die ihnen so ein eckiges Aussehen geben. Die Bruttaschen können noch durch einen Hautlappen zusätzlich geschützt werden.

Braunbandseenadel Corythoichtys amplexus Dawson & Randall, 1975

E:Brown-banded pipefish, F: Pipe, J: Obi-ishi-yoji, D: Venu banderyri

Foto_Malediven_Hornhechte

Größe: 12 cm, Tiefe: 1 m                          Ellaidhoo, Ari - Atoll, 1995

Braunbandseenadel Corythoichtys amplexus

Foto_Malediven_Hornhechte

Größe: 10 cm, Tiefe: 1 m              Kuramathi, Rasdoo - Atoll, 1987

Anhand der langen Schnauze, der Kopfform und der Verdickung am Bauch ist immerhin die Gattung herausfinden, zu der diese Seenadel oder auch Pfeifenfisch gehört. Umfassende Literatur über diese unscheinbaren und kommerziell nicht genutzten Seenadeln existiert nicht. Eine von den in 52 Gattungen eingeteilten derzeit bekannten 260 Arten wird es aber schon sein.

Man findet sie an bewachsenen toten Korallen wo sie die Algen abweiden. Sie haben ein gutes Sehvermögen und mögen es nicht, wenn man ihnen zu nahe kommt. Alle anderen Riffbewohner müssen wissen, dass diese Art nicht schmeckt. Während vieler Stunden der Beobachtungen interessierte sich keiner der immer hungrigen Nachbarn für die ruhig daliegende Seenadel. Sie hat ja kaum Flossen und kann sich nur recht langsam, im Vergleich zu blitzschnell zustoßende Barsche, mit schlängelnden Bewegungen davon machen.

Netzseenadel Corythoichtys flavofasicatus (Rüppell, 1838)

E: Network pipefish, F: Sygnathe, J: Kishima-ishi-yoji, D: Venu

Foto_Malediven_Hornhechte

Größe: 12 cm, Tiefe: 1 m                               Ellaidhoo, Ari - Atoll, 1994

Netzseenadel Fisularia flavofasicatus

Die Seenadel saugt mit der langen röhrenförmigen Schnauze kleinste Kerbtiere wie Schwebegarnelen, Larven von Krebsen auf. Die Netzseenadeln sind die häufigste Art. Sie sind über den gesamten Indopazifik verbreitet. Sie mögen Sandböden genauso wie algenüberwachsene Korallen oder Felsen, lebende Korallen an den Riffen von der Uferzone bis hinunter auf 25 m Tiefe.

Aus Beobachtungen in Aquarien weiß man, dass diese Art monogame Paare bildet. Sie begrüßen sich jeden Morgen mit einem Ritual: Sie schütteln mit den Köpfen oder nicken sich einander zu.

Vorkommen: Vom Roten Meer, Ostafrika bis Japan und Australien.

Schultzes Seenadel Corythoichtys schultzi Herald, 1953

E:Schult's pipefish, F: Piosson pipe, J: Kuchinaga-ishi-yoji, D: Venu bandeyri

Foto_Malediven_Hornhechte

Größe: 10 cm, Tiefe: 1 m            Embudu, Süd - Male - Atoll, 1999

Foto_Malediven_Hornhechte

Größe: 12 cm, Tiefe: 1 m                            Ellaidhoo, Ari - Atoll, 1995

Schultzes Seenadel Corythoichtys

Ungewöhnlich für Seenadeln ist bei dieser Art die Gruppenbildung. Bis zu 20 Tiere auf einem Quadratmeter sind gesehen worden. Ansonsten ist es sehr schwer, diese skurrilen Lebewesen zu identifizieren. Vielleicht sind es zwei Männchen der gleichen Art, die ein Weibchen umwerben? Aber wo sind die Hautlappen, die die Bruttaschen der Männchen zusätzlich schützen? Jedenfalls sieht man nicht oft so eine kleine Ansammlung von Seenadeln bei den anderen Arten.

Diese Art wird 15 cm lang und lebt zwischen der Uferzone und 30 m Tiefe.

Vorkommen: Häufig im gesamten Indopazifik.

Foto_Malediven_Hornhechte

Größe: 40 cm, Tiefe: 1 m               Kuramathi, Rasdoo - Atoll, 1987

Seenadel Corythoichtys sp.

Foto_Malediven_Hornhechte

Größe: 40 cm, Tiefe: 1 m                    Kuramathi, Rasdoo - Atoll, 1987

Soldatenfische, Seite 33

Panzerwangen, Seite 35

Floetenfisch-Fisularia-commersonii
Floetenfisch-Fisularia-commersonii

Größe : 70 cm, Tiefe: 2 m                                                                                         Embudu, Süd - Male - Atoll, 2012

Größe: 80 cm, Tiefe: 1 m                         Ellaidhoo, Ari - Atoll, 1995

Ausgewachsene Flötenfische mit ziemlich breiten Rücken.

Trompentenfisch-Aulostoma-chinensis

Größe: 80 cm, Tiefe: 3 m                                                                                          Ellaidhoo, Ari - Atoll, 1993

1993, da war die Welt noch in Ordnung. Es gab mehr Fisch als Touristen und man war alleine am Riff.