Iran

Allgemeines


Die neue Flagge

Die alte Flagge

Die Flagge des ehemaligen Königshauses

Iran? Persien? Oder was?


So um 1934 herum wollte der Vater des letzen Schahs, Resa Pahlewi, moderne Zeichen setzen und nannte das Land Iran, so wie es das Volk schon immer tat. In der Westlichen Welt hatte sich bis dato Persien eingeprägt. Denn nur etwa die Hälfte der Bevölkerung sind Perser. Iranische Stämme kamen schon 2000 v. Chr., persische erst 900 - 700 v. Chr. aus den Weiten der russischen Steppen ins Land. Der Name Persien verschwand aber erst vollends mit der islamischen Revolution und dem Sturz des Schahsohnes Mohammed Resa Pahlewi 1979.

Seitdem heißt der Staat Islamische Republik Iran und auf Iranisch Jomhuri-ye Eslami-ye Iran.

Das Wort "IRAN" hatte in unserer Sprache keinen Artikel. Im Duden heißt es aber jetzt "Der Iran".

Die Revolution von 1979

Iran-Tehran-Kayhan
Iran-Tehran-Kayhan

Die Ausgabe des Kayhan vom 17. Januar 1979 und vom 03. Februar 1979 - leicht vergilbt

Iran-Tehran-Post

Es gab sogar eine deutsche Wochenzeitung in Tehran. Hier die Ausgabe vom 11. September 1978 mit dem Aufmacher: "Tehran in Ausnahmezustand". Banken wurden die Scheiben eingeworfen, Versammlungen verboten. Man war sich einig: Der Schah muss weg! Was kommen sollte, wusste keiner. So einfach sind Revolutionen.

Hätte ein amerikanischer Peanutfarmer beim Schah nicht auf Pressefreiheit gedrängt, wäre dieser zwar auch an Krebs gestorben aber dem Land würde es wahrscheinlich bei Weitem besser gehen.

Das Fernsehen zeigte plötzlich das Einprügeln der Garde auf Studenten und die Revolution war da. Allerdings wollten die Studenten alles andere als ein klerikales System. Zwar hoffte alles auf die 16.000 als Nahkämpfer ausgebildete Palastgarde, aber die ward nie wieder gesehen. Klar die Gefängnisse unter dem Schah waren voll - aber wurde es danach besser?

Dem aufstrebenden Land ging es gut. In der Osttürkei, in Pakistan, in Afghanistan gab es kein Strom, kein sauberes Trinkwasser für alle und keine vernünftige Infrastruktur oder gar einen Mittelstand. Maschad, die Stadt im Osten Irans, war eine grüne Oase, Herat, die westafghanische Stadt ein paar Kilometer weiter, hatte gerade mal an der Straße nach Kabul zwei Reihen dürrer Bäume.

Die Revolution bestand in erster Linie dadrin, alle Autos der Ministerien zu klauen und die unendlich vielen Baustellen im boomenden Tehran abzuräumen. Selbst ernannte 14-jährige "Revolutionswächter" hielten einem plötzlich Natogewehre in den Bauch und forderten Zigaretten. Konnte man aber schnell genug sagen, man sei kein Ami, passierte weiter nichts.

Eigentlich müssten die derzeitigen Machthaber den nach dem 2. Weltkrieg so glücklos agierenden Amis ja dankbar sein, dass sie so mühelos an die Macht gekommen sind. Korea - immer noch geteilt, die Schweinebucht, Vietnam, die versuchte Befreiung der 444 Gefangenen in Tehran, Golfkrieg 1 und 2: Nicht gerade eine Erfolgsstory.

Jetzt kommt noch die Folterung irakischer Kriegsgefangener hinzu - ein nie wieder gutzumachender Schaden für die Vereinigten Staaten von Amerika. Und in der USA jault das Volk auf, wenn einer Sängerin für eine Sekunde die Brust entblößt wird...

Alkohol I

Choddabachtsch - übersetzt: Gottesjunge - aß für sein Leben gerne Süßes. Er war der Diener in Kabul. Wenn er sah, dass die Rumflasche in der Nähe der Kuchenschüssel stand, fasste er nicht einmal den Kuchen an. Er betete 5 Mal am Tag. Er war Sunnit.

Naaim war der Landlord in Kabul und hoher Offizier bei der von Deutschen ausgebildeten Polizei. Seine Augen waren quittegelb. Für eine Flasche Whisky machte er alles. Er war auch Sunnit. Beim Beten war er nie zu beobachten.

Alkohol II

Tehran, vor der Revolution. Armenier hatten die Lizenz für die Liqueur Store. Es gab Touborg Gold, wichtig bei 100.000 Ausländern in der Hauptstadt. Litermäßig verkaufte der Armeier aber mehr einheimischen, aus Weizen gebrannten, guten Vodka. Nirgends auf der Welt waren so viele Leute mit gelb unterlaufenen Augen und zitternden Händen zu sehen wie in Tehran. An den 13 Feiertagen für die 12 Imame und den einen verschollenen liefen sie dann sich mit Eisenketten auf den Rücken schlagend durch die Straßen. Das Blut ran und das Geschrei war groß, dann gab es wieder was zu trinken.

Die Passadaran, die Friedenswächter, zerschlugen als erstes jede einzelne Flasche, steckten jede Fabrik, die Alkohol brannte, an. Fortan war eine Flasche Schnaps die beste Währung im Lande. Ungeahnte Folgen hatte das Ganze: Viele erblindeten. Sie fingen an, sich den Schnaps selber zu brennen - und tranken gierig schon den ersten Tropfen: puren Methylalkohol! Unser Bürobote, ein Fahrer, viele in der Nachbarschaft erblindeten quasi über Nacht. Es waren Schiiten.

Natürlich trifft das wie immer nicht auf alle zu. Aber übertrieben ist hier nichts dargestellt.

Dann war da noch der Counterpart Shahin Mehr. Einer der angenehmsten Menschen, ein Freund, unvergessen. Er erschien in der schlimmsten Zeit mit einer 5l-Lenorflasche voll mit Benzin - damit man zum Flughafen kam. Shahin Mehr trank schon mal ein Bier zum Essen. Auch er war Schiit.

Iran-Vodka-Sultanie

Sultanie, der Vodka aus Weizen gebrannt. Die letzte Flasche von 1979.

Religion

Es gibt zu viele Religionen auf der Welt. Ob wir mehr Frieden auf der Erde hätten wenn es keine Religionen gäbe? Wessen Gott ist denn nun besser?

Jedenfalls kann man nicht in einem mohammedanischen Land leben und arbeiten ohne sich mit dem Islam, mit dem Koran zu beschäftigen. Die westliche Welt hat riesige Probleme, den Islam auch nur annäherungsweise zu verstehen. Erst recht nach dem 11. September. Aber auch der Islam hat Probleme mit sich selber. Minderwertigkeitskomplexe mögen da mitschwingen. Bis zum frühen Mittelalter führten arabische, persische Wissenschaftler, Dichter, Mathematiker die Welt an. Aber wo sind jetzt die Leistungen, gemessen in Patentanmeldungen, Erfindungen, großen technischen und wissenschaftlichen Errungenschaften?

Inder z. B. entwickeln die Software für die Welt, die kleinen Tigerstaaten in Asien treiben die Wirtschaft vor an, die Chinesen werfen ihre Dogmen über Bord, Japaner, Koreaner und Taiwanesen bauen Autos und Computer und sonst was.

Die anderen sitzen auf Öl und warten bis es alle ist. Und streiten sich untereinander. Eine kleine Recherche im Internet fördert folgende Glaubensrichtungen des Islams zu tage:

1. Châridschiten

Ausziehende«, auch als Ibâditen bezeichnet. 657 aus Protest gegen Ali entstanden, der eine Gottesentscheidung einem menschlichen Schiedsgericht unterwirft. Ali besiegte seine Feinde, die sich um Mohammeds Witwe Aïscha geschart hatten, stimmte aber einem Vergleichsangebot des Statthalters Syriens, Mu`âwiya, zu. Seine innerparteilichen Gegner nutzten diese Schwäche zu ihren Gunsten aus. Sie ermorden Ali 661. Lehre: Vor Allah zählt nur absolute Reinheit. Der Führer der Gläubigen muß sie vorweisen. Allah bestätigt diesen durch Vollmacht und Erfolg. Alle anderen Gesichtspunkte spielen keine Rolle. Es gibt keinen Glauben ohne Werke. Die Häupter der Gemeinde müssen den besten Moslem suchen und den Sündhaften absetzen.

2. Sunniten

Die überwältigende Mehrheit der Moslime in aller Welt. Grundlage des Glaubens ist neben dem Koran die Wegweisung des Propheten Mohammed, wie er in den Hadithen überliefert ist. Dazu kommt die übereinstimmende Meinung der Gemeinschaft. Sie messen der politischen Stabilität im Staat sowie der Praktikabilität des Gesetzes große Bedeutung zu. Sie verlangen von einem Kalifen keine besonderen Tugenden und keine hervorragenden moralischen Qualitäten. Der Kalif soll aus dem Stamm Mohammeds kommen und in der Lage sein, die Gemeinschaft nach Recht und Gerechtigkeit zu führen.

4. Mutaziliten

Verstehen sich als Verteidiger des Glaubens mit rationalistischer Beweisführung. Lehrsätze: Gott ist der menschlichen Vernunft nicht zugänglich und daher mit der menschlichen Sprache nicht beschreibbar. Damit ist der Koran nicht ewiges, unerschaffenes Wort, sondern erschaffenes Medium der göttlichen Offenbarung und der Mitteilung des göttlichen Willens. Der Mensch besitzt Willensfreiheit, die er dem allmächtigen Schöpferwillen Allahs verdankt. Damit ist der Mensch für seine Sünden bestrafbar. Der Gläubige, der eine schwere Sünde begeht, wird nicht zum Ungläubigen. Er wird aber in das ewige Feuer geworfen, wobei seine Strafe geringer ist, als bei Ungläubigen. Jeder Gläubige hat die Pflicht, das Rechte zu gebieten und das Verwerfliche zu verbieten.

3. Hanbaliten

oder Traditionalisten. Koran und Hadithen sind einzig zuverlässige Quellen des Glaubens und der religiösen Praxis. Jede Abweichung von dieser Norm wird als Neuerung (bid`a) und Ketzerei verurteilt. Auch der Gebrauch der VAuseinandersetzAuseinandersetzung mit Moslems und Nicht-Moslimen wird als unzuverlässig abgelehnt.

Iran-Mochee-Isfahan

Alle unter einem Dach?

5. Ashariten

Wendet sich gegen den blinden Glauben der Traditionalisten und gegen den uneingeschränkten Gebrauch der Vernunft der Mutaziliten. Treten für einen gemäßigten, begründeten und durch vernünftige Beweisführung unterstützten Traditionalismus ein. Lehrsätze müssen zwar auf Koran und Hadithen beruhen, die Hadithen müssen aber der Kontrolle der Vernunft unterworfen sein. In der Auseinandersetzung mit Andersgläubigen gilt es, den Gegner zu überzeugen und die eigene Argumentation logisch einwandfrei aufzubauen. War jahrhundertelang die beherrschende Lehre.

6. Wahabiten

Durch Abdul-Wahhâb (1703-87) begründete Erneuerungsbewegung, die es sich zum Ziel setzte, den Ur-Islam und seine damaligen Kulturzustände wiederherzustellen. Der Islam sollte von allen Zusätzen und Erweiterungen gereinigt werden. Diese Reformbewegung setzte ihr Programm auch mit Mitteln der Gewalt durch. Fünf Merkmale des Wahâbismus: 1. Radikale Ablehnung jeglicher Menschenverehrung, 2.Verwerfung des Heiligenkultes und Betonung der Einheit Allahs, 3. Abschaffung des Rosenkranzes (99 Kugeln, je einen für jeden Namen Allahs) und Unterlassung der Ausschmückung der Moscheen, 4. Anerkennung von Koran und Hadith als einzige Offenbarungsquelle und Forderung nach einer wörtlichen Auslegung des Korans, die jegliche allegorische Deutung zu einem Mißbrauch werden läßt und 5. Ibn Saud baute das heutige Saudi-Arabien nach den Grundsätzen der Wahâbiten auf. Mehrheit der islamischen Fakultäten lehren nach diesen Grundsätzen.

Iran-Wahibitin

Ledermaske einer Wahibitenfrau in Band-e-Abas. Wahibiten leben meist auf der anderen Seite des Persischen Golfes auf der arabischen Halbinsel.

7. Aliden oder Schiiten

Parteigänger der ?Familie? des Propheten, entstanden nach der Ermordung Ali´s 661. Zweitgrößte Gruppierung innerhalb der islamischen Welt, die in der heutigen Zeit besonders durch Radikalität und Gewaltbereitschaft auf sich aufmerksam macht, die auch auf andere islamische Gruppierungen übergreift. Sie zeigen aber auch eine Aufgeschlossenheit gegenüber fremdem Gedankengut, daher auch der Hang mancher Gruppierungen zum Synkretismus. Lehre: Allah hat ein für allemal das Charisma der Gemeindeleitung den Nachkommen Mohammeds verliehen.

Wichtigstes ist aber die religiöse Führungsrolle des Gesamtleiters der Gemeinschaft, des Imâms. Er ist Nachfolger Ali´s in seinem Amt und in seinen religiösen Kenntnissen dank einer besonderen Einweihung durch Mohammed und dank einer besonderen Erleuchtung Allahs. Er wird zu einer fast unfehlbaren Instanz und ihm wird sogar Sündlosigkeit zugesprochen. Deutlich im Iran bei Ajatollah Chomeini. Sie leben in der Erwartungshaltung, dass am Ende der Zeiten der verborgene Imâm kommen wird, um das Reich Gottes zu errichten. Die Idee des Mahdî, des messianischen rechtgeleiteten Imâms, gehört zu den tiefverwurzelten eschatologischen Erwartungen des Islam, besonders der Schiiten. Durch diese Erwartung der Mahdî-Aufstand im Sudan durch Mohammed Ahmed 1881-98 gegen die ägyptische Regierung und der englischen Kolonialmacht.

8. Zayditen

Erkennen nur 5 legitime Imâme an. Der letzte, Zayd, starb 739. Treten für die Wahl eines legitimen Imâms ein, der aber aus der Nachkommenschaft Ali´s kommen muß. Stand lehrmäßig den Sunniten nahe.

9. Imâmiten

Erkennen 12 Imâme als rechtmäßig an und werden deshalb Zwölfer-Shî`a genannt. Der letzte Imâm soll seit 940 in der Verborgenheit weiterleben. Bilden die bedeutendste Gruppe unter den Shiiten.

10. Ismailiten

Erkennen nur 7 Imâme an. Ismail starb als letzter im Jahr 760. Sie betonen die innere Erleuchtung des geistlichen Führers, die ihm göttliche Autorität und Unfehlbarkeit verleiht.

11. Nusayrî oder Alawiten

Scheinen Ali einen göttlichen Kult zu widmen. Ihre Lehre ist eine Mischung aus islamischen, christlichen, gnostischen und altorientalischen Elementen.

12. Drusen

Scheinen den Kalifen Hâkim zu vergöttlichen, der auf mysteriöse Weise verschwand. Ihre Geheimlehre ist nur einigen Eingeweihten bekannt. Sie glauben an die Wiederkunft des verschwundenen Hâkim und an die Seelenwanderung.

13. Babismus

Wurde vom Iraner Ali Muhammad Shîrâzî (1818-50) gegründet, der behauptete, die Pforte (Bâb) zu neuen religiösen Erkenntnissen über die göttliche Wahrheit zu sein.

14. Bahaismus

Durch den Iraner Mîrzâ Husayn (1817-92), der Bahâ`Allah (Glanz Gottes) genannt wird. Diese synkretistische Religion unterhält Missionszentren in aller Welt - z. B. in Chicago.

15. Aleviten

Nicht zu verwechseln mit den Alawiten. Im Mittelpunkt der Lehre steht die schwärmerische Verehrung Alis, des Vetters und Schwiegersohnes Mohammeds. Spirituelle Auslegung des Korans und der Hadithen und Ablehnung der fünf Säulen des sunnitischen Islam. Sie haben keine Moscheen und versammeln sich in Privathäusern. Frauen nehmen gleichberechtigt teil. Aleviten sind die zweitstärkste Glaubensgemeinschaft der Türkei.

Tehran

Index Iran