Ungebrochener Bauboom gegen ungebrochenen Leerstand in Jaco

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¿La pura vida?

29 Stunden von Tür zu Tür.

Shuttle Bus zu Europcar in San José, 2h warten. Der Tojota RAW4 hat nichts mehr von der alten Landmaschine früherer Zeiten. Er fährt sich wie eine Luxuslimousine mit dem Fahrkomfort einer E-Klasse. Sanft schnurrt er auf der alten, sehr kurvenreichen Straße die 100 km über die Berge runter zum Meer. Ob die große Kiste noch ins Gelände passt?

Atemberauschende Ausblicke in tiefe Täler, alte, mächtige Bäume. Kein Verkehr. Samba tanzend eineinhalb Stunden durch die Kurven bis es quietscht. Komisch, wieder kuppeln zu müssen.

Der Verkehr samt 40-Tonner Marck Trucks quält sich jetzt über die neue Autobahn mit den vielen Mautstellen. Nach nicht mal 29 Stunden und ca. 40 Stunden ohne Schlaf ist man dann doch angekommen, irgendwann um 14:00 Uhr Ortszeit in Jacó.

Schnell einige Biere - Imperiales natürlich! - aus der Kühltruhe, vorsichtshalber erst mal aus dem Glas. Trotzdem sind noch kleine Eisstücke drin. Einen Augenblick noch und dann die Kehle runter laufen lassen. Bloß nie wieder absetzen.... Der Bierpreis für die Flasche 0,3 Imperial ist von 1200 in 2013 auf 1500 Colones (2,30€) gestiegen. Bei der Hitze (36°) schmeckt schon das erste besser als in der Bretterbude.

Müde? Na klar! 7 Stunden Zeitunterschied, Jetlag. Aber ein alter Indianertrick sagt, erst schlafen gehen, wenn es am Ort Nacht ist. Und 10 Stunden durchschlafen! Man, tat das gut!

¡La pura vida!

Wenn einer eine Reise machte...

...dann konnte er früher was erleben. Heute ist alles durchorganisiert, "ent-abenteuert" sozusagen, sicher und langweilig. Nur kein Risiko. Na gut, minus 14 ° C in Berlin, plus 36° C an der Westküste in Costa Rica, am Ostpazifik also, dafür kann ja keiner was.

So ein Flug von TXL nach Ffm...

... ist doch reine Routine. Oder? Massenmenschhaltung vor dem Schalter der LH, gefühlte 10 km laufen auf dem Frankfurter Flughafen ohne einen Schalter der Condor zu finden (Bordkarte fehlte noch), kaum ein Abfertigungschalter besetzt, wo man fragen könnte, alles schlecht ausgeschildert, um von A52 den Aufzug in den endlosen Gang zu Terminal B, Gate B62, zu finden.

Wirklich, das Gefühl, in früheren Jahren ein herzlich willkommener Gast der Fluggesellschaften zu sein – war da mal was?

Flughafen-Berlin-Tegel

Die klapprige Boeing 767-300ER hatte das Kennzeichen D-ABUA. Der Erstflug war am 02.10.1992. Entsprechend sah der Koffer innen auch aus. Schon oft mit dem geflogen. Der Rahmen der flauen Displays ist dick wie ein Oberschenkel, das Displ

Endlich passiert

ay flaue Nachkriegsware, in den Gepäckfächern wellte sich die Verkleidung, die WC....

Ausgebucht, was man aber weit vorne bei einem guten Glas Wein nicht so merkte. So, und nun 10:50 Stunden stillsitzen, über den Atlantik zur Zwischenlandung in Santo Domingo, Dominikanische Republik, grausamer Weise von einigen Zeitgenossen (vorwiegend aus einer untergegangenen dt. Rep.) „Domrep“ genannt. Über 10 Stunden also.

Flughafen-Santo-Domingo

Da kann man doch nur träumen..

Der Flieger stand noch 45 Minuten auf dem Rollfeld und wartete auf Enteisung.

Ein kleiner Junge, einige Reihen weiter hinten, schrie aus vollem Halse, laut und kräftig. 5 Minuten lang, 10, dann 15: gefühlt den ganzen Tag schon.

Da kam eine voll ausgebildete Servicekraft mit einer Tüte, zog sie rüber und nach einer Minute war Ruhe. Das Weinen der Mutter störte aber nicht lange. Es ging unter im Lärm der Triebwerke...

Quälgeist

Die lange, dünne Frau hatte ein Problem. Alle 3 Minuten stand sie auf. Öffnete die Gepäckablage, holte aus ihrer langen, aber nicht hohen schwarzen Damenhandtasche was raus, steckte es nach kurzer Zeit wieder rein. Öffnen und Schließen wiederholten sich in immer kürzeren Abständen. Mal war der Rucksack, dann einzeln die Taschen der Jacke, dann wieder die hässliche Handtasche dran.

Einem Mitreisenden wurde das dann doch zu viel. Als sie wieder den Kopf im Gepäckfach hatte, hieb er mit einem heftigen Schlag das Fach zu. Da hing sie nun schlaff herunter. Der Körper pendelte jede Bewegung des Flugzeuges exakt aus.

Sie wollte nach Panama. Aber an ihrer Henkelhandtasche hätte sie dort sowieso keine Freude gehabt. Man hätte sie ihr nach 45 Minuten geklaut.

Träume auf einem viel zu langen Transatlantikflug

Nachtflüge von Ost nach West sind grausam.

Hier war ja die Nacht jetzt 5 Stunden länger, Ortszeit 3:35 bei Abflug 21:45. Da ist es dann wie eine Erlösung wenn die Ansage kommt: „Stellen Sie ihr Essen gerade und ziehen Sie den Kopf ein – oder so ähnlich.“ Endlich passiert ja mal was. So an die 20 Leute sollten aussteigen, die anderen 250 dürfen drin bleiben, nach 55 min geht es weiter. Der Kapitän bedankt sich für die beschissenen Filme, gute Weiterreise, der ganze blöde Schmus.

Rechts Lichter der Stadt an der Küste, die Landebahn. Der Flieger schwenkt ein, kein Seitenwind, kein Wackeln  - und kracht runter.

Hard Touch Down

Die Boeing setzt so hart auf, wie man es bei Flügen ca. 36 mal um die Erde noch nicht erlebt hat.

Die Maschine dockt an, die Leute, die am kalten Atlantik Billigurlaub machen wollen, steigen aus. Dann die Ansage, die Regierung hat beschlossen, alle müssen raus, alles muss zur Sicherheitskontrolle. Je kleiner und unbedeutender die Länder, desto bescheuerter sind sie. Das war schon immer so.

Wer vorne sitzt, ist eher draußen. Halt, noch nicht gehen! Was soll´s. Dem Mädchen die Transitkarte aus der Hand gerissen und bis zur Sicherheitskontrolle gelaufen. Ein Mann und eine Frau von der Sicherheit kramen in der Handtasche einer alten Dame rum. Da, der Rahmen. Nach dem Motto, man erlebt ja sonst nichts, mit dem schweren Rucksack mit dem Fotozeug und Rechner einfach durchgelaufen. Es piept und blinkt. Die Sicherheitsleute schauen nicht mal hoch. Sag ich doch!

Kuestenregenwald-in Costa-Rica

Blick aus dem Fenster des Barcelo-Palacio-Hotels auf das Zentrum von San José mit der geschwungenen Tribüne des Fußballstadions

San José

Das Barcelo-Palacio-Hotel ist ein 5-Sterne Hotel. Es hat nur einen Fehler: es ist weder in Waze - der genialen und kostenlosen Navigationssoftware der Israelis für alle Länder der Welt - noch in Google-Maps zu finden. Trotz eines angegliederten nicht gerade kleinen Convention Centers

Vor diesen großen Hotels muss man nur die Schwellenangst überwinden. Keinen störte es, dass man in einem total verstaubten Jeep vorfuhr, die Füße in "Klapperschlangen-Tottreter-Sandalen", also in Trekkingsandalen und kurzen Hosen am Tresen aus Edelholz stand. Leider weigerte sich der Geschäftsführer, das gebuchte Frühstück für 26€ in ein Dinner umzuwandeln. Pick up time am nächsten Morgen war nämlich 6:00 Uhr für den Rückflug und wer braucht da ein Frühstück für 26 €?

Aber die großen Hotels überall auf der Welt haben einen Vorteil: Sie haben meistens eine gute Küche. Und die ist immer besser und oft preiswerter als in den Hauptstraßen mit ihrem Touristennepp. So auch hier. Für nur 18 US $ gab es ein auf den Punkt genau gegrilltes Tenderloin Steak von der Größe der Faust eines Klitschkos.

Mögen es andere anders sehen, aber alle Hauptstädte in Mittelamerika von Guatemala bis Panama haben nicht die geringste Ausstrahlungskraft. Ihnen fehlt in ihrer schachbrettartigen Anlage mit den Calles und Avenidas eine gewisse Großzügigkeit und Ausstrahlungskraft. Nur schnell wieder weg hier...

Der Flughafen von Santo Domingo ist eigentlich problemlos anzufliegen

TV-Boeing767-2698

Da zahlt man weit über 1.000 € für die Flüge mit der Condor-Boeing 767-300ER (Kennzeichen D-ABUA) über den Atlantik - und schaut in Technik der 80er Jahre.

Klar, die Fluggesellschaften haben alle kein Geld, aber muss deswegen WLAN oder USB an den Sitzen fehlen? Mit USB wäre die Stromversorgung der eigenen Geräte gesichert...

Sonnenuntergang auf dem Flughafen Berlin-Tegel (TXL)

Der Flug von Frankfurt (FRA) - Santo Domingo (SDQ) -San José (SJO) ...

Entertainment der Lächerlichkeit

Flughafen-Santo-Domingo
Flughafen-Santo-Domingo

Warten

Es vergehen eine Stunde, dann noch eine. Die Verpflegung für den dreistündigen Weiterflug war da schon aufgegessen. Der neue Kapitän erscheint. Jung, smart, sympathisch, kompetent. Blitzendweiße Zähne. Das Mikrofon funktioniert nicht auf SDQ. Er ruft alle nach vorne.

Wie alle gemerkt hätten, war es ein „hard touch down“. Der Copilot kam in zu steilem Winkel rein. Unter dem tiefsten Punkt am Heck ist ein 50 cm langer Stab. Der hat den Boden berührt und Alarm mit weitreichenden Folgen ausgelöst.

Gegenmaßnahmen

Er habe parallel folgendes  veranlasst:

a) Unterkunft für alle zu suchen,

b) Condor nach Ersatzmaschine gefragt

c) Bundesluftfahrtamt informiert

d) Kontakt mit Boeing in Seattle aufgenommen

d) Verpflegungsgutscheine angefordert

e) ein Techniker mit Taschenlampe untersucht Fahrwerke und Flügel.

Kapitän Eich erscheint immer öfter. Er versteht mit der Pax umzugehen. Er redet nur noch auf deutsch, bittet die Leute, die englisch und spanisch Sprechenden zu informieren. Keiner ist böse. Wirklich gut macht der das. Das schweißt zusammen.

Aber an einer Dame scheitern alle. Viele stehen um sie herum. Sie versteht keine Sprache. Sie zeigt ihren Pass: China. Was für Sprachen die Reisenden können! Auch Latein wurde versucht. Alle Sprachen Europas wurden ausprobiert, sogar Persisch, Urdu und sonst was. Nichts zu machen.

Er habe ein Baby, sagte der Kapitän, und er entscheidet, wann geflogen wird. Sicherheit geht vor. Bundesluftfahrtamt und Boeing haben jetzt zwar grünes Licht gegeben, aber der Techniker ist noch nicht fertig.

Dann, nach 4 Stunden: Es geht in 30 min. weiter. Die Essensgutscheine wären da. Es würde aber 2 h dauern, bis die Flughafenrestaurants uns abgefüttert hätten. Ob wir das wollten. Einer sagt: „Scheiß aufs Essen.“ Nach 4h und 30 min ging es weiter. Die Landung dann in der Höhe auf dem Plateau von San José, ein schwieriger Airport, war dann so butterweich, dass die Leute wie auf einem „Malleflug" klatschten, was sonst auf Langstrecke absolut unüblich ist.

Flughafen-Santo-Domingo

Ziemlich planlos zersiedelte Hochebene um San José

Flughafen-Santo-Domingo

Nachts auf dem Flughafen von Santo Domingo: Warten.

Wie schön, wenn es hell wird

Flughafen-Santo-Domingo
Flughafen-San-Jose

Condor D-ABUZ wird für den Rückflug fertig gemacht

Einfach anzufliegen ist der Flughafen von San José bestimmt nicht

Macht der das während des Fluges auch?

Flughafen-San-Jose
Flughafen-San-Jose
Flughafen-San-Jose
Jaco-Neubau

Haben kleine Hotels mit 25 Zimmer noch eine Chance?

Der Klotz links ist 13, der rechts wird 17 Stockwerke hoch. Sie erdrücken das kleine Hotel am Strand. Bald werden sie Parkplätze brauchen - und dann?

Beim Haus links sind noch nicht einmal alle Stockwerke möbliert, geschweige denn vermietet.

Gemunkelt wird, dass das Hochhaus - was wie die Faust auf`s Auge hierher passt, soll ein Texaner bauen. Und das ohne jede Bankhilfe, so aus der Portokasse, Schwarzgeld eben. Gerade ist zu erfahren, das der Herr im Knast sitzt.

Dass da Geld dahintersteckt, merkt man an der Art des Bauens. Es ist die leiseste je erlebte Baustelle. Die Firma hat auch den Flughafen Juan Santamaria International in San José gebaut.

Tag und Nacht wird gearbeitet, auch am Wochenende rund um die Uhr. Nur jedes zweite Wochenende drehen sich die Kräne nicht.

Aber es ist unlogisch, was da entsteht, nicht nachvollziehbar bei dem Leerstand hier. Sechs Stockwerke für Kommerz, Gesundheit, Spielkasion, der Rest für Hotel und Condominiums.

Ein Swimmingpool auf der vom Meer abgewandten Seite. Dabei liegt das Haus direkt am Strand wie die große Aufnahme oben zeigt.

Wie soll so ein hässlicher Klotz in dem lausigen Nest Jacó ohne Infrastruktur voll zu bekommen sein? Europäer in nennenswertem Umfang gehen da nicht rein. Also zielen sie auf die retired people aus den USA. Die, die sonst nach Florida fliegen?

Dann müsste es hier billiger sein. Und bequemer. Der Flughafen ist aber weit weg und die Preise im Land haben sich von 2007 bis 2012, nicht nur gefühlt, verdoppelt.

Zu Fuß rausgehen zu den paar Läden in der einzigen Straße Jacós? Erstens kommt ein Ami da gar nicht auf so eine Idee und zweitens ist es für 2 km Fußmarsch viel zu heiß und im dunklen viel zu unsicher.

Gut, der Bauherr will einen Boulevard daraus machen, mit Beleuchtung so gar und die beiden kleinen Brücken erneuern, aber reicht das?

Fehlen ja nur noch 8 Stockwerke...

Jaco-Neubau
70-mm-Teleobjektiv
200-mm-Teleobjektiv vom gleichen Standort im kleinen Hotel daneben
Jaco-Neubau
Jaco-Neubau
Jaco-Neubau