Jacó

Costa_Rica_Jacobay
Costa_Rica_Jacobay

Die 4,5 km lange Bucht von Jacó mit Blick vom Süden nach Norden. Bild von 2003

10.02.2004, 11 Uhr 15:
Der Sand ist 47°C heiss!

Jacó hat nur so um die 7.000 Einwohner und ist der Badeort der Hauptstädter an der Pazifikküste. Der Ort liegt an einer einzigen langen Straße, die sich parallel etwa 200 Meter hinter der Küste hinzieht. Die Bucht, an der Jacó liegt, ist halbmondförmig und 4,5 km lang, hat etwas dunklen Sand und wird am nördlichen sowie am südlichen Ende von den Felsen eines kleinen Küstengebirges begrenzt. Die Bucht ist wegen ihrer großen Wellen bei den Wellenreitern sehr beliebt.

An den Wochenenden ist richtig was los. Die etwas betuchteren San Joséer finden sich dann hier zum Essen, Trinken, Sehen und Gesehen werden ein und gehen gelegentlich auch mal baden. Sie bevölkern die vielen kleinen und großen Restaurants, Bodegas Playas, Sodas, Essstände und mieten sich in kleinste Cabañas, Bed-and-Breakfast, Pensionen, kleinen oder großen Hotels ein oder schlafen am Strand oder im Auto - nicht ohne ausreichend Müll zu hinterlassen. Sonntagnachmittags ist der Spuk wieder vorbei und am Wochentag ist die Bucht und die Hauptstrasse in der Hitze wie ausgestorben. Für die wenigen Touristen, die im Ort bleiben, ist die Welt wieder in Ordnung. Die Restaurantbesitzer aber raufen sich die Haare, kämpfen um jeden Gast, essen das, was weg muss, selber.

Costa_Rica_Jaco

Jacó, Hauptstrasse, High Noon

Costa_Rica_Jaco
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Jacó

Im Februar 2003 war Carnavalles in Jacó und am ersten Sonnabend ist zehnmal voller als sonst. So viele Autos wird es wohl erst wieder in der Semana Santa, der Osterwoche, hier geben. Es gibt kleine Umzüge und ein Trupp Reiter mit übertrieben durchgedrücktem Rücken reizt fast zum Lachen. Sonst ist es wie am Rhein. Jeder möchte so schnell wie möglich besoffen werden. Alle Männer haben ein Bier in der Hand, die Supermärkte, die kleinen Tiendas und die unzähligen Getränkekästen an der Straße oder am Strand kommen mit dem Kühlen der Getränke kaum nach.

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Carnevalles in Jacó

Am nördlichen Ende der Straße ist auf einem freien Gelände ein Rummelplatz und fast daneben am Strand sind Buden und 2 Bühnen aufgebaut. Ab nachmittags geben die Lautsprecher mindestens 100.000 Watt pro Box ab, aber die Bands, die da abends spielen, sind richtig gut. Hin und wieder wird ein Feuerwerkskörper abgebrannt, der allerdings eher an Artilleriemunition erinnert. Das Rohr muss an die 20 cm haben. Nach einem Augenblick erfolgt dann ein scharfer Doppelschlag aus großer Höhe, so scharf und laut, dass man unwillkürlich nach dem Panzerschiff Graf Spee am Horizont Ausschau hält.

Am Tage ist der Rummelplatz nur spärlich besucht. Die beiden Karussells drehen sich fast leer und mehr als 2 Autoskooter sind auch nicht auf der Bahn. Es ist heiß. Die Fressbuden locken garantiert keine Ausländer an und so billige und schreiend bunte Sonnenbrillen kauft auch keiner von denen. Trotzdem ist der Rummel vor allen Dingen abends eine Attraktion. Das helle Licht, die laute Musik, das Sehen und Gesehen werden, lockt die Leute an.

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Hauptsache bunt...

Kurz nach dem Sonnenuntergang um 18:20 Uhr ist es 10 Minuten später stockdunkel. Die heiße Luft steht über der Hauptstraße und ist mit dem Messer zu schneiden. Der leichte Passatwind, der am Wasser etwas Kühlung bringt, ist hier nicht zu spüren. Es stinkt erbärmlich nach den Abfällen aus den schwarzen Plastiksäcken vor den Mercados und den vielen Fischrestaurants. Es sind 32˚C bei ungefähr 80 % Luftfeuchte.

Der Verkehr ist dicht. Andauernd kommt es zu Staus auf der eigentlich recht breiten Straße, weil keiner ein Ziel hat und weil jeder dort anhält wo es ihm passt oder wo er jemanden zu einem Schwätzchen trifft. Je größer die Autos sind – die Renner sind riesige schwarze Pick Ups mit dunkel getönten Scheiben und unwahrscheinlich breiten Reifen – desto dunkler schauen die Typen mit nackten Oberkörpern aus und desto hübscher sind die Mädchen mit ihren ausladenden Oberweiten in knappen Bikinis in grellen Farben.

Auffallend viel Polizei ist unterwegs, greift aber nirgends ein. Sie würden glatt verprügelt werden. An Ticos mit Bier in der Hand trauen sich keine Polizisten heran. Der eine Bürgersteig mit den tiefen aber unregelmäßigen Gräben davor, ist voll von flanierenden Einheimischen. Es sind kaum Touristen darunter. Sie fallen auf, weil sie die Ticos meist um einen Kopf überragen.

Amis und Preise

Die größte Anzahl der Touristen sind Amerikaner. Viele sind „Retired People“ in Badelatschen und Shorts aus EE (Eestados Eunidos = USA), unweigerlich an dämlich gequietschten „Oh is that beautifull“ oder „How nice“ zu erkennen. Sie sind hier nicht sehr beliebt, diese Gringos, aber sie bringen das Geld und deswegen ist hier auch alles sehr teuer. Man hält sie für schuldig an dem hohen Preisniveau im Lande. Es stimmt. Wo immer Amis auf der Welt auftauchen, verderben sie mit ihren Dollars die Preise.

Costa_Rica_Jaco
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Auf der Straße blubbern die schweren Achtzylinder auf ihren Gummiwalzen vorbei, auf jeder Seite überholt von knatternden Enduros, schweren Harleys, alten Mopeds, hupenden Bussen, verrosteten Lieferwagen und unzähligen Jeeps mit schwarzen Fenstern. Diese Jeeps haben ein richtiges Problem. Fahren sie mit geschlossenen Fenstern, können sie zeigen, dass sie eine Aire haben, werden aber nicht gesehen und können so nicht am Leben in Jacó teilhaben. Pobrecitos – arme Kerle!

Carnevalles in Jacó - der Morgen danach...

Wenn am Sonntag Nachmittag all die Reichen und Schönen, die Leute mit den nackten Oberkörpern in den total überfüllten Überlandbussen und die Ganoven mit ihren dicken Mühlen sich in endlosen Schlangen in die luftigen Höhen ihrer Hauptstadt zurückziehen, bleiben die Leute zurück, für die der kleine Rummelplatz die Attraktion ist, dem sie nun zustreben, um den ungewohnten Lichterglanz zu bewundern. Es sind fein herausgeputzte Familien mit vielen kleinen Kindern. Da sind die spindeldürren „Spinnenfrauen“ mit ihren noch dünneren Babys, die ihnen ergeben an der Schulter kleben. Sie schleppen die kleinsten Babys der Welt mehr eher wie ein Ding aber stolz mit sich herum. Babys mit dem Kopf in der Größe eines Apfels, mit Armen wie der Stil eines Esslöffels und Händchen in der Größe eines Teelöffels. Diese kleinen Würmer schreien nie. Fehlt ihnen die Kraft? Was haben sie für eine Chance in diesem harten, tropischen und armen Land? Tan pequeña es, tan frágiles...

Kleine Mädchen tragen stolz ihre Kleiderchen und die Jungen weiße Söckchen und müssen nun mit den Schuhen zurechtkommen. Alle haben große, glänzende Augen und können es kaum erwarten, auf den Rummel zu kommen. Ihnen macht die Hitze und die Feuchte nichts aus. Nur eines zählt: Reicht das Geld für eine Fahrt in der glitzernden Gondel oder gar in einem Autoskooter?

Da sind die anderen Frauen mit den drei Wülsten um den Körper. Sie sind genau so groß wie die Dünnen aber fast so breit wie hoch. Sie haben genau so viele Babys wie die anderen, nur sind es richtige Brocken.

Vom Strand her tönt Musik, die auch hier noch körperlich zu fühlen ist. Die Bands, die da spielen sind richtig gut. Sie verstehen was von Rhythmus, Takt und Harmonie. Ihre Roadies nicht. Sie drehen die Lautsprechertürme so auf, dass ernsthaft zu befürchten ist, dass die Palmen morgen keine Cocosnüsse mehr tragen.

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Beatle Bar 2004

Ja, bad girls gibt es natürlich auch. Für die vielen Amis und die anderen Terroristen in der Beatle Bar. Ein Flachbau, die Beatlebar, riesige Theke, modernste Flachbildschirme überall und keiner guckt hin. Rund um die Uhr herrscht Betrieb. Viele nette Damen aus allen Ländern Lateinamerikas sitzen schon am Nachmittag ganz einsam da herum..... aber das Bier ist immer gut gekühlt.

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"And the good girls go to heaven and the bed girls go everywhere" (Jim Steinmann)

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Die angesagte Disco war 2003 über einem Lokal unter einem Zeltdach ohne Fenster und Wände untergebracht. Eine steile Treppe, bewacht von 3 Cajos (Kerlen), hält die lange Schlange an Carnavalles noch zurück. Aber 2004 war der Laden schon wieder dicht. Ob es hier war, wo sie dem Kellner den Kopf mit solcher Wucht weggeschossen haben, dass die ganze Toilettenanlage abgerissen werden musste? Er hatte bestimmt den Schnee vom falschen Kolumbianer verkauft.

Die Kriminalität in Costa Rica, besonders die Kleinkriminalität, war schon immer hoch. Konnte man in den siebziger Jahren im Nachbarland Nicaragua in der Hauptstadt Managua getrost einen Mercedes unabgeschlossen den ganzen langen Arbeitstag vor Telcor (Telecommunicationes y Correos – Postministerium) offen stehen lassen, wurden einem hier schon damals bei einem Essen im besten Restaurant in San José auf dem „bewachten“ Parkplatz die Scheibenwischer und die Radkappen geklaut. Es lebte sich halt gut in der Somozadiktatur* - wenn man Geld hatte oder Ausländer war.

*Anastasio Somoza Debayle, Präsident von Nicaragua (* 5. Dezember 1925; 17. September 1980)

Manfred, (Reiseprospekt: Kleines Hotel unter deutscher Leitung) befragt nach Diebstahl und so, stöhnt genervt auf: „...die klauen dir hier beim Laufen glatt die Absätze von den Schuhen!“ Auch das Internet ist voll von Berichten wie: “...mein Tagesrucksack war immer nur 10 cm von mir weg und ich habe immer aufgepasst aber...“.

Überfall, irgendwann 2001

(Nacherzählt nach Augenzeugenberichten und nach Zeitungsartikeln der "La Nation")

Es ist früher Vormittag und die Straße ist menschenleer. Die Geschäfte öffnen gerade. Vor der kleinen Filiale einer Bank hält ein großer Jeep mit dunklen Scheiben. Das Fenster wird herunter gekurbelt und ein Schuss knallt. Großes Kaliber, bestimmt Dum – Dum - Geschoß (Spitze abgefeilt). Der massige Wachmann vor der Bank fliegt von der Wucht des Geschosses nach hinten. Kleines, nicht blutendes Einschussloch in der Brust, aber der ganze Rücken ist weggefetzt. Als er auf dem Boden aufschlägt, ist er längst tot.

Gleichzeitig setzt schweres Feuer aus großkalibrigen Waffen ein. Durch die Glastür der Bank hindurch werden die sechs Kunden erschossen. Jetzt, am frühen Morgen, zahlen die Geschäftsleute und Restaurantbesitzer gewöhnlich ihre Einnahmen vom Wochenende ein.

Drei Gestalten stürmen die Bank. Die Angestellten stehen unter Schock und rücken alles Geld heraus. Auch die Leichen werden geplündert. Die Leute haben ja bei der großen Hitze nicht viel an und das Geld oft sogar in der Hand. Kaum 2 Minuten später fährt das große Auto davon.

A si es la vida en Jacó.

Nachtrag: Heute hat die kleine Bankfiliale mit dem asymmetrischen Dach getönte Scheiben und der bewaffnete Wachmann steht im eiskalten Schalterraum und nur noch selten vor der Tür.

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Ach ja, ganz nomal Einkaufen kann man hier auch. Im einzigen großen Supermercado in Jacó. Die Kette "Mas por Menos" (etwas: "Mehr für wenig") ist in Centroamerica in allen Ländern vertreten.

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Der Hammer aber: Kommt man aus dem Super und geht ein paar 100 m Richtung Süden, kommt man an die Krankenstation. Dahinter ein Rinnsaal mit einer Brücke drüber hinweg. Und die sollte man auch benutzen!

Was darin schwimmt, ist nämlich ziemlich groß!

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Wir waren betrunken wie die Wellen
Im Stillen Ozean
Das hat uns arme Gesellen
Der Whisky angetan.

Wir glotzen in das Leben
Wie ein gekochter Fisch.
Wenn wir uns jetzt erheben,
Dann liegen wir unter dem Tisch.

So bleiben wir besser noch sitzen
Und trinken lieber noch mehr.
Und unsere Nasen schwitzen
Sehr.

Wir wollen alle, alle nur noch lallen
Und brüllen wie ein Rind,
Dass wir den Leuten gefallen,
Die noch nüchtern sind.

                       Joachim Ringelnatz

Das Wasser des Stillen Ozean ist überraschend und gleichzeitig erschreckend warm: 29˚C. Eigentlich sollten um diese Jahreszeit die nördlichen Ausläufer des kalten Humboldtstromes die Küste hinaufziehen und flaschengrünes Wasser mit knapp über 20˚C voller Plankton mit sich führen. Wale der ganz großen Art gab es dann hier. Aber das Meer ist postkartenblau und warm. El Niño hat wohl auch hier vieles durcheinander gebracht.

Über die ganze Breite der Bucht rollen die Wellen heran, bauen sich im flachen Wasser hoch auf, bilden einen Tunnel, überschlagen sich dann und weiße Gischt schäumt auf. Sand wirbelt auf, macht das Wasser für kurze Zeit undurchsichtig, aber der dunkle Sand ist schwer und, bis die nächste Welle heran rollt, ist das Wasser wieder klar. Die Bucht ist berühmt für ihre großen Wellen.

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Es macht Spaß, in die Wellen hineinzuspringen. Sie zerren an den Armen und Beinen, herrlich prickelnder Schaum umgibt den Körper. Paßt man aber nicht auf, bekommt man von den sich brechenden Wellen furchtbar eine gedonnert, dass der Kopf wackelt. Zusehen, wie die nächste Welle steiler und steiler heranrollt, den richtigen Zeitpunkt zum Durchtauchen abzupassen, sich durchschütteln zu lassen und prustend aus der Gischt hinter der Welle wieder aufzutauchen, macht Freude. Die Wellen sind jetzt ungefähr einen Meter hoch. Viele Wellenreiter mit den kurzen, an ein Bein angebundenen Brettern, sind draußen.

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Aber was ist das? Die Welle, die da kommt, hört nicht auf, größer und höher zu werden als alles, was bisher hier ankam. Den Mund wieder zuklappen, Luft holen und abspringen. Zu spät. Der Sog der doppelt so hohen Welle reißt die Füße samt Sandboden in Richtung Riesenwelle. Erstaunlich, wie Tonnen Wasser in Bewegung von unten aussehen. Die Sonne ist durch die Welle für einen Bruchteil einer Sekunde noch zu sehen und dann ein Inferno.

Krachend wird erst der Kopf und die Schulter in den harten Sand gehauen, dann die Hüfte. Irgendwann schleift der Rücken über den Boden und für kurze Zeit ist die Orientierung, wo oben und unten ist, weg. Es zerrt schmerzhaft an Armen und Beinen, jeweils in eine andere Richtung. Siebenfacher doppelter Rittberger, seitlich eingesprungen, sozusagen. Endlich taucht ein Stück Himmel auf. Luft! Denkste, da kracht die nächste Welle heran, jetzt alles kurz vor dem Ufer. So eine große Welle nimmt Badende 50 m weit mit, das Meer spuckt Touristen wieder aus, manchmal mit ganz schönen Verletzungen.

Eine Tica aus der Hauptstadt geht baden. Nun haben die Leute aus San José ungefähr so ein Verhältnis zum Stillen Ozean wie die Berliner, die ein oder zweimal im Jahr am Wochenende an die Nord- oder Ostsee fahren.

Die Frau bekommt eine riesige Welle ab. Sie gerät in Panik. Die zweite Welle kommt herangedonnert und wirbelt sie noch länger durcheinander, taucht sie unter. Sie schreit, fuchtelt mit den Armen. Nach der nächsten Welle treibt sie mit dem Gesicht nach unten auf dem Wasser.

Das ist die Stunde der Baywatcher. 4 oder 5 Türme stehen in der Bucht, sind aber nicht immer besetzt. Aber das sehen die starken Jungen. Einer informiert den Rettungswagen. Nach dem die Ticos 1948 das Militär abgeschafft haben, wurde ein funktionierender Rettungs- und Katastrophenschutz aufgebaut.

Der andere nimmt seine komische, rote, kleine Rettungsbombe – bekannt aus einschlägigen amerikanischen Strand-Seifen-Opern – und holt die Frau aus dem Wasser. Er beginnt sofort mit der Reanimation. Zunächst erfolgreich. Er holt jede Menge Wasser aus der Frau heraus.

Mit viel Getöse kommt der Rettungswagen den Strand entlang gebraust. Die Frau wird auf die Trage gelegt und ins Krankenhaus gefahren. Dort fällt sie den Helfern von der Trage. Mit dem Kopf voran auf den Betonboden. Sie ist sofort tot.

Tropen? Was ist das?

Was sind die Tropen, was meinen die Leute damit? Natürlich gibt es eine Begriffsbestimmung für diese geographischen Breiten in jedem Schulatlas, in jedem Lexikon. Versteht aber nicht jeder unter diesem Begriff etwas anderes?

Tropen, das ist in erster Linie das, wonach man sich an grauen Novembertagen bei Kühlschranktemperaturen hier in Mitteleuropa sehnt und wo man schnell wieder weg will, wenn vor Hitze gepaart mit Feuchtigkeit und verdammt schmerzhaft stechenden und irren Juckreiz auslösenden Insekten kein Schlaf zu finden ist, speziell wenn am nächsten Morgen gearbeitet werden muß.

Die ersten Nächte sind höllisch. Der ganze Körper quillt von der hohen Luftfeuchtigkeit auf, das Band der Armbanduhr kneift, der Schweiß läuft in Strömen herunter. Was schlimmer ist, Durst oder das Jucken der ersten Moskitostiche, ist schwer auszumachen. Die Angst vor einer Aircondition ist berechtigt und groß. In dem Klima einen Schnupfen einzufangen, bedeutet 6 Wochen Unwohlsein. Und den Van, den Deckenventilator, anlassen, schafft so ein steifes Genick, dass schon das Herunterkippen eines Bieres Schwierigkeiten bereitet. Nur kein Licht im Zimmer anlassen und für Durchzug sorgen. Dann der Ton, der wahnsinnig machen kann: eine sirrende Mücke am Ohr!

Mangroven am Rio Tárcoles?

Die Difenbachie auf Osa, die so im Wald wächst?

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Der Golfo Dulche?

Der Golf von Nicoya?

Nur keine Malariamücke vom Stamme der Anopheles. Hoffentlich hat die Mücke das auch gelesen, dass es zur Zeit keine Malaria an der Pazifikküste Costa Ricas geben soll. Die Stiche an den Fingern oder an den Zehen jucken auch noch wenn sie schon aufgekratzt sind. Also das Laken über den Kopf ziehen. Der Schweiß läuft jetzt erst richtig. Trotzt 24 Stunden Reisezeit stellt sich der Schlaf erst gegen Morgen ein. Richtig zerrädert und mit verquollenen Augen geht es die nächsten Tage dann zum Frühstück.

Tropen und Meer bedeuten den Zerfall jeder Materie. Metalle rosten, Holz fault, Farbe blättert ab, selbst Beton wird angegriffen. Tropen bedeutet, das nichts endgültig fertig wird, kein Bürgersteig in einer Straße die gleiche Höhe hat, an den Autos nie alle Lichter in Ordnung sind. Über den Tropen liegt immer ein Grauschleier, so wie über dem gesamten Kommunismus ein Grauschleier gelegen hat. Gemildert wird dieser Grauschleier aber durch farbenprächtige Büsche. Hibiskus und Bougainvillea, Weihnachtssterne und blühende Bäume, exotische Palmen und nie gesehene Gewächse mildern das für das Auge ab. Blumen in unserem Sinne wie Nelken, Stiefmütterchen, Tulpen usw. gibt es ja nicht in den Tropen.

Aber nicht für die Nase. Da gibt es kein Pardon. Wo es Menschen gibt, entsteht unweigerlich Abfall und der stinkt erbärmlich in der Hitze. Vorbeigehen an den schwarzen Abfallsäcken aus Plastik am Straßenrand ist schlimm. Der Gestank springt auf die Schulter, man schleppt ihn in der schwülen Luft mit und erst lange danach springt er wieder ab - kurz vor einem stehenden schwarzen Wasser im Straßengraben.

Oh ja, die Tropen sind sehr gefährlich. Da gibt es Jaguar und Puma in den Wäldern Costa Ricas. Viele Schlangen sind tödlich, die Boa wird 5 Meter lang. Es gibt riesige Spinnen wie die Vogelspinne, Pfeilgiftfrösche, Blutegel und Skorpione machen die Gegend unsicher. Wirklich?

Der größte Feind des Menschen in den Tropen aber ist der Alkohol. Denn den gibt es überall. Wälder, wo der Jaguar sich verstecken könnte, sind abgeholzt, der Stich der Skorpione, die verspritzte Flüssigkeit der Vogelspinne sind wie ein Bienenstich zu verkraften und die farbigen Pfeilgiftfrösche sind nur in Südamerika tödlich. Durch den Urwald barfuß zu laufen piekt lange nicht so, wie in einem brandenburgischen Kiefernwald.

In den Tropen sind schon ganze Weltreiche versoffen worden. Man denke nur an das Britische Empire und Indien und den Gin and Tonic und die richtig harten Sachen.

Trotzdem - einmal Tropen immer Tropen! Wenn der sanfte Passatwind den Schweiß verdunsten lässt, der Fregattvogel ohne einen einzigen Flügelschlag am tiefblauen Himmel schnurgerade wie ein Linienflugzeug seine Bahn zieht und die schneeweißen Passatwolken tief am Horizont stehen und wenn die Eiswürfel im Glas klirren, dann, dann ist man endlich wieder einmal angekommen.

Der Rio Tárcoles mit 25 Krokodilen pro km?

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Bäume, die im Frühling nur Blüten und keine Blätter haben?

Exotische Blüten?

Costa_Rica_Osa

Kitschige Sonnenauf...

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Tropen? Was das ist? Wohl alles hier geschriebene und gezeigte zusammen.

Achtung: Macht süchtig!

(Zu Risiken und Nebenwirkungen fressen Sie die Reisebeilage und sch.... sie auf ihren Arzt oder Apothker...)

...oder -untergänge?

In Dominical (südlich von Quepos am Pazifik, zu erreichen über eine 45 km lange, üble Piste) war der Ort, wo der Autor die Goldene Seidenspinne Nephila clavipes fand. Das ganze Dorf war voll von den Quadratmeter großen Netzen.

Am Dorfeingang von Dominical, gleich hinter der Brücke, gibt es eine Bude, die Obst, Kekse, Kämme und den Rest, den man so braucht auf dem Lande, verkauft. Der Chef erkannte den Alemanes vom vorherigen Jahr wieder. Bedächtig sah er sich die DIN A4-Fotos von den Spinnen, von den Tucanen, von all den Iguanas an und wurde auf einmal ganz traurig. Ein alter Mann kam hinzu. Lange betrachteten sie die Bilder.

Schlimm wäre es, meinten die beiden. Noch vor kurzem hätten sie auf all das geschossen und nun, wo kaum noch etwas davon da ist, kommen die Extranjeros und zeigten ihnen, wie schön doch ihr Lebensraum einmal war und was alles jetzt fehlt.

Ein bemerkenswerter Wandel in Dominical, hier in der tiefsten Provinz. Wenn doch die Regierenden in der fernen Hauptstadt auch so denken würden.

Derzeit ist Dominical bei jungen Amis sehr beliebt. Es gibt Sprach- und Surfschulen. Aber selbst am Tage wabert in der Nähe der billigsten Quartiere so ein eigenartig schwerer, süßlicher Duft durch die schwüle Tropenluft...

In Costa Rica wird gekifft das sich die Palmen biegen.

Rochen: Erste Hilfe

Jaco 2006

Die Jacó Bay wird im Norden von der Insel Tortuga begrenzt. Sie liegt hier im Morgendunst. Die Aufnahmen sind mit einem starken Teleobjektiv (400 mm und der Canon EOS 5D) vom Aussichtspunkt (Mirador) im Februar 2007 gemacht und aus fünf Einzelaufnahmen zusammengesetzt. Die Entfernung dürfte so um die 6 km betragen.

Nochmal die Jacó Bay vom südlichen Ende Richtung Westen. Hier oben wird seit 2006 gebaut. Zwei Restaurants entstehen hier. Bestimmt sehr schön. Ob aber die Monos, die Kapuzineraffen zurückkommen, ist mehr als unwahrscheinlich. So eine schöne Aussicht muss doch vermarktet werden, horrido! Siehe auch Costa Rica 2007.

¡La ola!

Dominical

Jacó, 2001