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Mitte, Teil1: Von der Siegessäule zum Fernsehturm, Seite 2 von 12

Siegessäule, 1 von 12

Brandenburger Tor, 3 von 12

Dann wurde es friedlicher. Die Straße des 17. Juni, obwohl wichtige Verkehrsachse, ist zur Partymeile verkommen.

Feste wurden ja hier schon immer gefeiert. Aber dann kam die Love Parade mit zum Schluss mehr als einer Million Besucher und der Tiergarten wurde zugepinkelt.

Die Feuerwehr musste am nächsten Tag mit C-Rohren die Bäume retten. Was blieb? Tausende Tonnen von Müll. Die Beseitigungskosten wollte Dr. Motte als Veranstalter nicht tragen.

Bis dato war die Veranstaltung als politische Demonstration angemeldet und die Stadt für die Beseitigung des Mülls verpflichtet.

Irgendwann wollten die nicht mehr zahlen. Und Techno war auch out. Die Love Parade ist an ihrer eigenen Gigantomanie erstickt.

Gut, die Love Parade zog weiter nach Duisburg. Dort gab es viele Tote.

Die Massen konnten nicht nach rechts oder links in den Park entweichen wie in Berlin, egal wie viele Millionen hier teilnahmen.

Solche Riesenveranstaltungen kann eben nicht jeder stemmen. Wenn auch ein Provinzfürst meint, er könne es stemmen.

Immer noch drängen große Veranstaltungen hierher. Public Viewing, das Sommermärchen 2006 der Fußballnationalmannschaft, Modemessen, Sylvester mit Riesenrad, Feuerwerk, usw. und Sänger, die nicht singen können, alles muss unbedingt hier auftreten.

Sogar Obama, von der Merkel vom Brandenburger Tor vertrieben zur Siegessäule. Er wurde trotzdem Präsident, aber das Verhältnis zwischen ihnen über die 8 Jahre blieb kühl.

Aber es ändert sich was. Alles muss jetzt eingezäunt werden. Gar von einem dauerhaften Zaun war schon die Rede. Terror droht.

Einem Kinderfest wurde 2015 auferlegt, einen 2 m hohen Zaun zu errichten, unübersteigbar, abbruchsicher.

Die Kosten konnten nicht aufgebracht werden. Dieses Fest wurde mal abgesagt.

Vielleicht wird dem Spuk ja damit der Hahn zugedreht. Sicherheit, Kontrolle auf Glasflaschen, auf Flaschen überhaupt - die Gastronomie muss schließlich auch geschützt werden - und nicht zuletzt abkassieren...

Wir haben doch genug tote Flughäfen. Ab nach Tempelhof. Passen da nicht 10 Millionen Leute hin?

Dieser breite Straßenzug ist alles für Berlin. Er reicht von der Schloßbrücke über Unter den Linden durch das Brandenburger Tor, nennt sich dann Straße des 17. Juni, umkurvt die Siegessäule am Großen Stern, wird zur Bismarkstraße und zum Kaiserdamm, um dann bei Staaken als Heerstraße die Stadtgrenze zu verlassen. Und das meistens 6-spurig, mal mit Mittelstreifen, mal mit Seitenfahrbahnen.

Militärs haben sie angelegt, Militärs haben sie genutz. Napoleon hat sie genutzt, die Quadriga kündet auf dem Brandenburger Tor die siegreich heimkehrenden Truppen Preußens aus Frankreich an. Kaiser Wilhelm, Bismark, Hitler sind durch das Tor marschiert. Die Alliierten Westmächte haben ihre Paraden auf der breiten Straße abgehalten.

Love Parade 2002

Wilde Figuren, Techno und Partys ohne Ende auf der Straße des 17. Juni

Berlinfoto-Lovepardae2002
Berlinfoto-Lovepardae2002
Berlinfoto-Lovepardae2002
Berlinfoto-Lovepardae2002
Berlinfoto-Lovepardae2002
Berlinfoto-Lovepardae2002
Berlinfoto-Lovepardae2002
Berlinfoto-Lovepardae2002
Berlinfoto-Lovepardae2002
Berlinfoto-Lovepardae2002
Berlinfoto-Lovepardae2002
Berlinfoto-Lovepardae2002
Berlinfoto-Brandenburger-Tor

Die Straße des 17. Juni und die Westseite des Brandenburger Tores,

aber ein Wetter zum Auswandern am 28. Oktober 2008, 11:17 Uhr

Berlinfoto-Brandenburger-Tor

Die Westseite des Brandenburger Tores von der Straße des 17. Juni aus gesehen.

Hotel Adlon im Hintergrund bei Sonnenuntergang. (Mai 2008)

Berlinfoto: Sowjetisches Ehrenmal, Straße des 17. Juni

Berlin-Sowjtisches-Ehrenmal
Berlin-Sowjtisches-Ehrenmal
Berlin-Sowjtisches-Ehrenmal
Berlin-Sowjtisches-Ehrenmal
Berlin-Strasse-des-17-Juni
Berlinfoto: Straße des 17. Juni

Straße des 17. Juni zwischen dem Sowjetischen Ehrenmal und dem Platz des 18. März vor dem Tor (2004)

Berlin-Strasse-des-17-Juni-1957
Berlin-Strasse-des-17-Juni-1957

Auf dem Schild in der Mitte der Straße steht:

Achtung! Sie verlassen jetzt West-Berlin

Aus der gleichen Blickrichtung 1957

Berlinfoto: Der Rufer

Eine Schulklasse, 9. Schuljahr, wollte unter dem Schild fotografiert werden, weil an diesem Tag einer von ihnen Geburtstag hatte.

Beiläufig gefragt, weswegen der Platz so benannt wurde, oder welche Jahreszahl da fehlt, wusste keiner eine Antwort.

Sie wären ja nicht aus Berlin!

Berlin-Der-Rufer

Der Rufer ist ein 3 m hoher Mann aus Bronze auf einem Sockel. Er hebt die Hände an den Mund und ruft über die Mauer. Auf dem Sockel steht: Ich gehe durch die Welt und rufe Frieden, Frieden, Frieden (Petrarca, 1304-1374).

Das Denkmal steht auf dem Mittelstreifen der Straße des 17. Juni etwa 100 m vor dem Brandenburger Tor.

Es wurde am 19. Mai 1989 an der Stelle aufgestellt, an der Reinald Regen am 12. Juni 1987 ausrief:

"Mister Gorbatschow, tear down this Wall ... open this Gate".

Der westliche Teil Berlins feierte da den 750. Jahrestag der Gründung der Stadt.

Der Rufer (Original: Gerhard Marcks, 1889-1981)

Berlin-Platz-des-18-Maerz

Der Tag, der Deutschlands Geschichte stark veränderte.

Berlin-Der-Rufer

"Hallo....."

Berlin-Sowjtisches-Ehrenmal
Berlin-Sowjtisches-Ehrenmal

Mit diesem Panzertyp eroberte die Rote Armee Berlin. Der Typ nennt sich T-34/76, wurde von 1940 bis 1956 80.000 mal gebaut. Es war eine der effektivsten Waffen im 2. Weltkrieg. Er war klein (nicht einmal 6 m lang), leicht und wendig mit guter Panzerung und breiten Ketten, hatte eine große Reichweite (460 km) und eine gute Bewaffnung.

Ivan versus Ami

Wo immer die Deutsche Wehrmacht die Panzer erbeuten konnte, überholten sie sie, lackierten sie um, malten ein Balkenkreuz drauf, und statteten sie mit Funkgeräten aus. Die hatten die T-34 zu Anfang nämlich nicht. Dann wurden sie wieder eingesetzt, dieses mal anders herum.

Gut, die deutschen "Luxuspanzer" sollen sogar Ledersitze gehabt haben, waren dem kleinen Massenprodukt mit den 12-Zylinder-Dieselmotoren aber in allen Belangen unterlegen.

Die Russen hatten es von Anfang an in Berlin sehr schwer, auch nur die kleinsten Sympathiewerte zu erlangen. Bei vielen Westberlinern haben sie es bis heute noch nicht geschafft.

Im Endkampf schossen sie den Rest zusammen, vergewaltigten die Frauen, klauten alles, was nicht niet- und nagelfest war (Uri, uri), steckten wahllos, auch viele Unschuldige, in die KZ der Nazis. Die armen Kerle kannten kein WC, wussten nicht, was ein Fahrrad ist.

Selbst das berühmte Foto vom hissen der Roten Flagge auf dem Reichstag - nachgestellt einen Tag nach der Eroberung des Hauses - musste retuschiert werden, weil einer der Rotarmisten zwei Uhren am Handgelenk hatte.

Der Soldat ist 8 Meter hoch. Der Sandstein soll aus der abgerissenen Reichskanzlei Hitlers stammen. Die Anlage wurde noch 1945 fertig. Hinter dem Bogen sind tausende Soldaten anonym begraben. Nach dem Mauerfall ist der Senat vertraglich verpflichtet, die Anlage zu erhalten.

Die Inschrift besagt:

Ewiger Ruhm den Helden, die für die Freiheit und Unabhängigkeit der Sowjetunion im Kampf gegen die Nazis gefallen sind. 1941-1945

In der Schlacht um Berlin sind alleine 80.000 Rotarmisten gefallen. Was nachdenklich stimmt:

Hat es je Freiheit und Unabhängigkeit für die Sowjetunion, oder jetzt Russland, gegeben?

Die Russen wollten Westberlin 1948 aushungern. Sie zogen alle Lebensmittel der SBZ (Sowjetische Besatzungszone) in Ostberlin zusammen. Dort sollten die Westberliner, überzeugt vom Kommunismus, billig einkaufen. Sie hatten sich verrechnet. Freiheit war mehr wert.

Die Alliierten organisierten die Luftbrücke, selbst Kohlen wurden im eiskalten Winter 1948/49 eingeflogen. Wenn man heute die kleine Dakota oder DC 3 sieht - ein Wunder! Am 12. Mai 1949 war die Blockade vorbei. Im Westen begann das Wirtschaftswunder, die DM wurde bis 1989 immer noch Westgeld genannt.

Am 17. Juni 1953 schossen die Sowjets den Aufstand der Arbeiter der Stalinallee zusammen.

Die Amis nahmen am Leben in der Stadt teil. Aus den Kneipen ertönte Jazz, die "Frölleins" trugen Nylons, die Knirpse lernten Englisch. "Have you a chewing gum for icke?" hatte meistens Erfolg! Klar, sie konnten einen Buick von einem Chevy und einem Studebaker unterscheiden und jeder wollte einen Kaisers- oder Willys Jeep als Spielzeugauto haben, aber keinen Wolga. Auf "Tagen der offenen Türen" gab es auf dem Flughafen Tempelhof Eiscreme, die so voll Sahne waren, dass man es gar nicht vertrug.

Die GI´s waren alles ausgesuchte Jungens, die besten, die die Army hatte. Es sollte ruhig sein im brisanten Westberlin. Die recht brutale MP (Military Police) tat ein übriges dafür. Viele der GI heirateten ihre Fräuleins und nahmen sie mit über den Großen Teich, ins "Land der unbegrenzten Möglichkeiten". Wer wollte schon freiwillig nach Sibirien?

Und wo waren die Sowjets? In ihren Kasernen, gebaut von Kaiser Wilhelm - und schoben Kohldampf. Nie waren sie alleine im Stadtbild zu sehen. Sie wurden in Bussen zu irgendwelchen Dorffesten gekarrt, spielten die Balalaika und tanzten Kasatschock.

Die Kinder im Osten hatten erst rote (bis zur 4. Klasse Jungpioniere), dann blaue Halstücher um, und wurden Pimpfe - äh Thälmannpioniere (was für ein blöder Name!) genannt. Der Führer (huch!) brüllte "Seid bereit!" und die Pioniere schrien zurück: "Immer bereit!". Verdammt wenig Unterschied zu dem, was die Rotarmisten so verlustreich bekämpft hatten!

Die großen, ab 14 Jahre, hatten blaue Hemden an, waren karl-marx-erfahrene FDJ-ler. Sie riefen immer "Freundschaft" oder "drushba". Hatten sie zum Ausgleich für den ganzen Stress die freie Liebe auf ihre Fahnen geschrieben? Alle Jungs und Mädchen mussten jedenfalls diese 3 Phasen zwangsläufig ableisten.

Und die auf der anderen Seite der Stadt? Die Jugend stand an der Autobahn mit ausgestrecktem Daumen und trampte quer durch ganz Europa, Westeuropa natürlich, weg vom Eisernen Vorhang.

Der politische Witz im Osten war treffend wie in jeder Diktatur. Sie sagten über die "unzerbrechliche Freundschaft zum großen Brudervolk":

Brüder hat man, Freunde kann man sich aussuchen!

Russen wollten sie ja nicht genannt werden. Es waren Sowjets aus der gleichnamigen Union - einer Union aus ziemlich unterdrückten Völkern.

Die Amis hatten es da leichter. Die brauchten keine Frauen zu vergewaltigen. Denen liefen die Fräuleins freiwillig hinterher. Die Soldiers hatten Lucky Strikes mit Virginiatabak, mussten nicht mit Zeitungspapier Papirossas mit Bahndamm-Nordseite drehen.

Die Märzrevolution

Es brodelte überall in Europa. 1846 gab es eine große Hungersnot. Die Leute waren verarmt. Dann, im Februar 1848 gab es eine Revolution in Frankreich, am 5. März in Heidelberg, am 13. März musste Metternich aus Wien fliehen. Als das am 15. März in Berlin bekannt wurde, riet man König Friedrich Wilhelm IV. zu liberalen Zugeständnissen an die Opposition.

In Berlin beklagte sich die Obrigkeit, dass die Soldaten immer respektloser behandelt würden. So hatten um die 200 Berliner Kinder drei Offiziere mit Steine beworfen. Sie konnten sich mit Mühe und Not retten. Ein ungeheurer Vorfall, ein Auflehnen gegen den Obrigkeitsstaat.

Am 17. März machten die Berater des Königs ihm klar, er solle einer preußische Verfassung zustimmen. Der König nahm das nicht allzu ernst. Am 18. März versammelte sich das Volk am Nachmittag auf dem Schlossplatz. König Friedrich Wilhelm IV. ging mit seinem Staatsminister Ernst von Bodelschwingh zur Menge auf den Schlossplatz hinaus und ließ von ihm folgendes verlesen:

Berlinfoto: Platz des 18. März

Der König will:

- daß Preßfreiheit herrsche;

- daß der Landtag sofort berufen werde;

- daß eine Konstitution auf der freisinnigsten Grundlage alle deutsche Länder umfasse;

- daß eine deutsche Nationalflagge wehe;

- daß alle Zollschlagbäume fallen;

- daß Preußen sich an die Spitze der Bewegung stelle.

Das Volk jubelte dem König zu, aber alles kam anders. Die Menge erblickte Soldaten und skandierte "Militär weg" und es gab einen Befehl zum Räumen des Schlossplatzes. Das gelang nicht. Erst als die Dragoner mit gezogenem Säbel dazwischen ritten, zog sich ein Teil der Demonstranten zurück.

Grenadiere sollten jetzt den Platz räumen. Da lösten sich aus Versehen 2 Schüsse. Es wurde zwar niemand verletzt, aber die Menge glaubte, es wäre auf sie geschossen worden. Das war es dann. Dass am Schloss auf Berliner geschossen würde, verbreitete sich wie ein Lauffeuer in der Stadt.

Überall wurden Barrikaden errichtet, um das Militär aufzuhalten. Steine flogen in die eine Richtung, Schüsse in die andere. Mehr als 200 Berliner starben, 50 Soldaten auch. Die Berater des Königs, so auch Generalleutnant Karl von Prittwitz - er löste an diesem Nachmittag den Oberbefehlshaber im Oberkommando des Heeres, General Pfuel ab - empfahl die Bombardierung der Stadt von außen. Aber der König zog das Militär um Mitternacht zurück.

Am nächsten Morgen wollte der König es nicht wahrhaben, was seine "Lieben Berliner" da mit ihm und der Monarchie gemacht hatten. Er erließ Proklamationen. Am 19. "An die lieben Berliner", am 21. "An Mein Volk und die deutsche Nation". Preußen geht fortan in Deutschland auf, usw. Aber schon im Juni hatte er das meiste wieder vergessen und bald hatte sich die Herrschaft des Königshauses wieder verfestigt.

Der Stachel der Märzrevolution aber saß tief. Liberale Bestrebungen konnten nun nicht mehr einfach wie bisher ignoriert werden. Im Dezember wurde eine einseitig vom Königshaus erlassene Verfassung dem Volk quasi aufgezwungen - immerhin ein Anfang.

Berlin-Platz-des-18-Maerz

Der ganz normale Wahnsinn: Links vor der Westseite des Brandenburger Tores der Platz des 18. März