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Berlinfoto: Der Potsdamer Platz

und seine Umgebung in Vergangenheit und Gegenwart

Rotes Rathaus, 12 von 12

Blaue Stunde am Potsdamer Platz, 2 von 6

Das Shellhaus am Reichpietschufer

Nicht wirklich gemütlich die Gegend hier, oder?

Was war die Gegend um den Potsdamer Platz in der Nachkriegszeit, und später im Westteil von Berlin für eine Brache! Der Bombenhagel im Zweiten Weltkrieg hatte hier fast kein Haus stehen gelassen. Der Mauerbau gab der einstigen geschäftlichen Mitte dann den Rest. Kaninchen hoppelten über die abgeräumten Trümmergrundstücke. Trostlos und Grau schien es für den einstig verkehrreichsten Platz Europas keine Zukunft mehr zu geben.

Aber der Reihe nach...

Gegenüber dem Maritim Hotel ist die Bundeswehr zuhause

Bild vom Bendlerblock fehlt noch!!!!

Geschickte Anpassung des Maritim Hotels an das historische Shellhaus

Der Potsdamer Platz um 1830

Der "Platz vor dem Potsdammer Thor" war nichts anderes als die Kreuzung zweier Straßen außerhalb des Berliner Stadtgebietes.

Erst der Bau des Potsdamer Bahnhofs 1839 gab der Gegend innerhalb weniger Jahrzehnte einen gewaltigen Aufschwung.

Er war damals schon bekannter, als der zwischen 1732 bis 38 errichtete achteckige Leipziger Platz, quasi nur einen Steinwurf entfernt.

Der Potsdamer Platz zur Kaiserzeit ab 1871

Natürlich Schinkel...

Der Potsdamer Platz nach Kriegsende

Der Potsdamer Platz im Neuaufbau

Rund um den Potsdamer Platz

... auf wen sonst geht die Stadtplanung zurück? 1866 zeichnete er den Plan des Tores und der fünf darauf zuführenden Straßen am westlichen Rand des Kerngebietes Berlin.

Die Straßen sind heute noch unverändert auf dem Stadtplan zu finden. Zu sehen ist auch der achteckige Leipziger Platz dessen neue Bebauung gerade wieder vollendet wird.

Berlin-Sonnenuntergang

Infobox

Kulturforum

Shellhaus

Stauffenbergstraße

Berlin-Sonnenuntergang
Berlin-Sonnenuntergang
Berlin-Sonnenuntergang
Berlin-Sonnenuntergang
Berlin-Sonnenuntergang
Berlin-Sonnenuntergang
Berlin-Sonnenuntergang

Seit frühster Jugend stand für den Autor fest: Das Shellhaus ist das schönste Bürogebäude Berlins. Die einzelnen Gebäudeelemente sind durch Wellen miteinander so elegant verbunden, dass es eine Ausdehnung in die Höhe scheinbar nicht gibt. Das Haus am Landwehrkanal wirkt leicht und luftig.

Es wurde 1931 für die Shelltochter Rhenaina-Ossag errichtet. Diesen Meilenstein der Architektur ersann Emil Fahrenkamps. Nach dem Krieg zog die BEWAG und danach die GASAG ein. Jetzt steht das Haus leider leer und es ist damit zu rechnen, dass es zerfällt.

Es wird sich kaum ein Mieter finden, der das seit 1958 denkmalgeschützte Haus mit seinen an den Ecken runden Fenstern saniert. Um die Ecke, in der Stauffenbergstraße, wurden 1965-67 zwei Erweiterungsbauten errichtet.

Die beiden Erweiterungsbauten des Shellhauses sind einem Seminarhotel gewichen, dem Maritim Hotel Berlin, Stauffenbergstraße 26 (ein zweites Maritim in Berlin gibt es in der Friedrichstrasse).

Vor den großen Hotels sollte man seine Schwellenangst ruhig mal überwinden, auch wenn man nicht dort übernachtet. Diese großen Häuser überraschen oft durch hervorragendes Essen und gut besuchte Bars, oft zu besseren Preisen als in überlaufenden Touristengegenen.

Das Gebäude rechts ist das Shellhaus. Deutlich zu sehen ist das Bestreben des Archtekten des Maritim Hotels, sich an die horizontale Ausrichtung der Fassade des Gebäudes aus der Weimarer Republik anzupassen.

Ebenfalls die Materialien der Fassadenverkleidung sind geschickt angepasst. Es nimmt dem Hotelkomplex die Wuchtigkeit.

Berlin-Sonnenuntergang
Berlin-Sonnenuntergang

Auf dem großen Gelände der Bundeswehr ist der Bendlerblock zu finden, die Gedenkstätte des Deutschen Widerstandes. Seit dem Bau 1914 war die Nutzung des Komplexes immer militärisch geprägt. Unter dem Nationalsozialismus waren hier Teile des Oberkommandos des Heeres untergebracht.

Hier war das Zentrum des Widerstandes des Attentats vom 20. Juli 1944 unter Generaloberst Ludwig Beck und eben Oberst i. G. Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Und hier auf dem Hof wurden die Offiziere hingerichtet.

Berlin-Sonnenuntergang

Die erste Infobox in Berlin stand am Potsdamer Platz. Hier in einer Aufnahme von 2001

Der Berliner an sich ist ja besonders neugierig. Findet er eine Lücke im Bauzaun, kann er da stundenlang durchschauen.

Damit er es leichter hat, setzt man ihm jetzt solche Boxen hin, wie damals hier am Potsdamer Platz und jetzt am Schlossneubau in Mitte. Und man kann ihn obendrein kräftig abzocken.

In der Box machten Studenten am Modell des gerade entstehenden Quartiers Umfragen. Der Komentar des Autors: Mist! Zu kleingeistig, eng, Kunststofffassaden, die prommt auch wieder abfielen, kein Platz zum Verweilen, der den Namen "Platz" verdient.

Jede Mall auf dem flachen Land z. B. in Illlionis, USA , ist großzügiger und mit besseren Materialien gebaut.

Nichts erinnert an die Weite des Platzes vor der Hauptpost in Rio de Janeiro, an den Trafalgar Square in London, oder an die historischen Plätze in Berlin. Kein Grün, windig, eng aufeinander geklatscht, billig, kein Ort zum Verweilen.

Noch jahrelang nach der Fertigstellung fielen Fassadenteile herunter, waren die Bürgersteige abgesperrt. Wie schön sind doch die Wolkenkratzer in Chicago!

Berliner meiden eher den Potsdamer Platz.

Firmen auch. Daimler hat sich längst wieder abgeseilt, die Bahn baut neu. Nebenan, am Leipziger Platz, entsteht ein neues, für Berlin viel zu großes Einkaufszentrum - es gibt ja nur 3,5 Mio. Einwohner.

Wir haben ja im März 2014 erst 67 von den kalten, unpersönlichen Dingern in der Stadt Im April kommen noch 2 dazu, eines z. B. am Leipziger Platz. (Hamburg hat 41, Köln deren 8, Frankfurt 7 und München 3)

Fuck it!

Wo ist den hier ein Platz? Foto vom 04. April 2012

Unpersönlichen? Ach! Kommt doch nur durch die 3 Aufnahmen mit dem 400ter Tele im dunstigen Licht des Aprilmorgens.

Aber wo ist der Platz i. e. S.?

Berlin-Sonnenuntergang

Potsdamer Platz, Ausstellung "Porträts " vor dem Beisheim Center 2006

Berlin-Sonnenuntergang

Trotz Weihnachtsbaum: Es bleibt kalt, zugig und ungemütlich - auch kein Platz zum Verweilen.

Der versaute Platz "Kulturforum" mit schönen Gebäuden. Hier die Philhamonie.

Im Hintergrund der Potsdamer Platz. (03.2014)

Mag auch die Brache am Potsdamer Platz mehr schlecht als recht beseitigt sein: eine andere ist geblieben. Und zwar die am hochtrabend benannten Kulturforum.

Trotz hervorragender Bauten weltbekannter Architekten ist es der Stadt in mehr als 50 Jahren nicht gelungen, diesem Areal zwischen Landwehrkanal und Potsdamer Platz Leben einzuhauchen. Es ist und bleibt - wie es scheint auf ewig - ein Schandfleck im Stadtbild.

Berlin-Sonnenuntergang
Berlin-Sonnenuntergang
Berlin-Kammermusiksaal
Berlin-Sonnenuntergang

Nazaretkirche

Philhamonie Hans Scharoun

Kammermusiksaal

Neue Staatsbibliotek

Neue Nationalgalerie

Berlin-Neue-Nationalgalerie

Neue Gemäldegalerie 1998

Der Kammermusiksaal wurde nach Skizzen von Hans Scharoun von Edgar Wiesnewski gebaut. Die Eröffnung war 1987.

1180 Leute können pro Jahr an 240 Tagen hier Orchester- und Kammermusik in kleinen Besetzungen lauschen.

Westberlin war ja von den historischen Stätten abgeschnitten. Die lagen alle in Ostberlin, genau wie die großen Bibliotheken. So wurde hier alles neu errichtet.

Berlin-Sonnenuntergang

Kammermusiksaal und Philharmonie

Links ist der kleinere Kammermusiksaal, rechts die größere Philharmonie am Rande des Tiergartens zu sehen.

Beide Gebäude sind aus dem Kulturleben Berlins nicht wegzudenken. Sie haben nicht zuletzt durch große Dirigenten wie Herbert von Karajan und weltweit an vorderer Stelle stehender Klangkörper wie die Berliner Philharmoniker einen herausragenden Ruf erlangt.

Berlin war gespalten - und musste so alles zweimal haben. An Beständen mangelte es ja nicht, aber an Räumlichkeiten. So wurde 1968 mit dem Bau der Neuen Staatsbibliothek begonnen und 19xx eingeweiht.

Die

Der Bau von Mies van der Rohe war 1968 die Sensation im Westen Berlins. Der Bau begann, nachdem die Fundamente fertig waren, mit dem Errichten des Daches. Das schwere Stahldach wurde danach hydraulisch angehoben.

Kurz nach der Einweihung verstarb Mies van der Rohe. Nach fast 50-jähriger Nutzung bedarf das lichte Gebäude eine umfangreichen Sanierung, die 2015 beginnen soll. Ein nicht minder bekannter Architekt ist damit beauftragt: David Chipperfield.

Berlin-Neue-Nationalgalerie

1866

1839

1890

1905

1910

1964

1920

Mit dem Aufkommen der Eisenbahn im frühen 19. Jahrhundert rückte der Potsdamer Platz plötzlich in die Mitte Berlins.

Auf dem Platz (Potsdamer Bahnhof) selbst und fast in Sichtweite herum, entstanden als Endpunkte der sternförmig auf Berlin zulaufenden Eisenbahnlinien große Bahnhöfe, meistens Kopfbahnhöfe:

Anhalter Bahnhof 1841-1952 (heute nur Portal)

Dresdner Bhf 1875 - 1882 (heute Gleisdreieck)

Hamburger Bhf 1847 - 1884 (heute Museum)

Lehrter Bhf 1868 - 1951 (Heute Hauptbahnhof)

Nordbahnhof 1892 - 1985 (heute Mauerpark)

Stettiner Bhf 1842 - 1951 (heute Nordbahnhof)

Mit Beginn der Industrialisierung und der Kaiserzeit setzte ein nie dagewesener Bauboom ein. Die Eisenbahnen brachten soviel Passagiere heran, dass die Bahnhöfe immer wieder abgerissen und vergrößert werden mussten. So wurde der Hamburger Bahnhof schnell wieder aufgegeben.

So hatte der Anhalter Bahnhof seinerzeit die größte freitragende Halle (34 m hoch und 62 m lang) auf dem Kontinent. Die Halle wurde übrigens von dem Schriftsteller Heinrich Seidel realisiert.

Die Reisenden brauchten Hotels, die Arbeiter billigen Wohnraum. In Allem lag der Potsdamer Platz in der Mitte.

Wer weiß, hätte der 2. Weltkrieg nicht alles, wirklich alles zerstört, könnte er zu den großen Plätzen der Welt gehören, bei denen man den Städtenamen nicht dazu sagen muss: Trafalgar Squar, Platz des Himmlichen Friedens, Wenzelsplatz, Place de la Concorde, Roter Platz, Forum Romanum...

Diese einmalige Chance, das nun nachzuholen, wurde nun beim Wiederaufbau für immer vertan. Der Potsdamer Platz wurde einfach zu engstirnig und zu billig wieder aufgebaut.

Kaum waren die Verkehrswege geschaffen, entstanden große Hotels und Vergnügungsstätten, nicht anders als jetzt am neuen Potsdamer Platz.

Im Jahre 1924 führten S- und U- Bahen. 5 Bus- und 26 Straßenbahnlinien zum Potsdamer Platz , 20.000 Autos querten ihn, über 80.000 Reisende nutzten alleine den Potsdamer Bahnhof.

Der Potsdamer Platz war zu jener Zeit der verkehrsreichste in Europa.

Hier fand sich in einem fünfeckigen Verkehrsturm die erste Verkehrsampel in Europa. Siemens hat sie gebaut. Die drei Farben lagen noch nebeneinander.

1945

1932

Das Bild stammt, wie die anderen auch, aus Wikipedia. Es zeigt den Verkehrsturm am Potsdamer Platz während eines Streiks der BVG 1932. Wikipedia hat es aus dem Bundesfilmarchiv

Kurz nach Kriegsende sah es in Berlins Mitte überall so aus. Das müsste die heutige Stresemannstraße sein, die am Potsdamer Platz endet (oder anfängt. Früher hieß sie Königgrätzer Straße.

"Niemand beabsichtigt eine Mauer...!"

Hier die Anfänge. Der Blick geht Richtung Osten die Leipziger Straße entlang.

Mitte,Teil 2: Südlich Straße des 17. Juni/Unter den Linden, 1 von 6