Bangladesh

Mit dem Raddampfer von Khulna nach Dhaka


Ein unwahrscheinliches Land


Bangladesh-Khulna-Dhaka

Abfahrt im Morgengrauen. Khulna-Dhaka in 36 Stunden auf dem Raddampfer. Auf dem Fluss treibt die Pest der Tropen, Inseln aus Wasserhyazinthen, losgerissen von der Flut oder von irgendwelchen Schiffsschrauben.

Leider konnte kein Bild von dem Dampfer gemacht werden. Beim an Bord gehen war es noch dunkel und wenn man sich die Anlegestelle in Khulna ansieht, war es auch nicht so unbedingt ratsam, das Schiff für ein Foto zu verlassen.

Die Karte zeigt zumindest die vielen Flüsse und ihre unterschiedlichen Namen in Bangladesh. Eigenartig, dass im Netz der Netze eher der letzte Hollywoodschinken als eine lesbare Landkarte zu finden ist.

Die hier ist auf dem uralten Dampfer analog abfotografiert und das Glas davor spiegelt leider den Blitz. Die roten Punkte stellen die Zu- und Ausstiegsmöglichkeiten dar.

Die Eisenbahnbrücke nordwestlich von Khulna über den Ganges (Hardings Bridge) ist zu erkennen und nördlich davon der Eisenbahnknoten Paxy. Es ist die einzige große Brücke im Land.

Fährt man im größten Delta der Erde umher, weiß man nie wann es los geht, wann man ankommt. Frühes Erscheinen ist ratsam, denn in Bangladesh gibt es außer vielen Menschen auch Naturgewalten.

So musste noch lange auf die Abfahrt gewartet werden und so manches Schiff zog vorbei.

Sundarbarns

Rashaji

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Organisation

Alles im Lande mutet erst einmal chaotisch an. Wenn man es nur richtig anstellt, sich der richtigen Leute bedient, an der richtigen Stelle ein kleines Bakshish gibt, lässt sich alles organisieren.

Nach drei harten Wochen im Westen des Landes sollte die Rückfahrt nach Dhaka etwas Besonderes sein. An den Wochenenden war gearbeitet worden und es war egal, wie lange die Reise auf dem alten Raddampfer dauern würde.

Der Hinweg war mit dem Flugzeug aus Zeitgründen erfolgt, der Wagen mit Kashim vorausgeschickt. Kashim holte uns vom Flughafen ab, besorgte die Schiffstickets, brachte uns jetzt zum Boot. Dann hatte er schwer zu tun. 36 Stunden später sollte er uns in Dhaka im Hafen wieder abholen.

Die Bangladesh Inland Water Transport Coorperation befuhr die Strecke mit ihrem Dhaka-Khulna Rocket Service 2 oder 3 mal die Woche mit uralten Paddle Steamboats und hat zwei der Raddampfer im Einsatz. Eines davon sollte uns die 354 Flusskilometer mitnehmen. Heute, 2008, fährt sie immer noch 6 mal die Woche, leider nur noch nachts. Wollen Sie buchen? Nehmen Sie die 1. Klasse. Da sind die Cucarachas größer! http://www.mos.gov.bd/biwtc.htm

Vorher musste Kashim aber noch die Eisbox mit dem braunen Stangeneis füllen. Das Wasser kam wohl direkt aus dem Ganges. Die eiserne Reserve von 2 Kisten Forsters sollte schließlich mit Anstand getrunken werden...

Abfahrt

Es blieb Zeit, die Hafenanlagen von Khulna zu bewundern.

Kurzstreckenverkehr

Oh ha!!

Anleger

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Wetter

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Passagiere

Der Kapitän meinte zum Wetter: "Don't worry, thats nothing".

So war es auch. Man erlebt auch gar nix...

Es zuckten zwar ziemlich nahe Blitze über den Himmel, oft viele auf einmal.

Eine Stunde später aber schien wieder die Sonne.

Der alte Steamer von ungefähr 1880, gebaut in Japan, stampfte mit akzeptablem Tempo über die breiten Flussläufe des Deltas. Die Planken waren ja schon ein bisschen wurmstichig und die 1.-Klasse-Kabine stank erbärmlich trotz immer offener Tür. Die Laken waren frisch gewaschen. Sie hatten aber alle Farben zwischen weiß und dunkelbraun. Hoffentlich reicht das Bier und der Whisky bis tief in die Nacht...

Der Luxus einer Toilette für alle in der Luxusklasse - man brauchte nur einen Stein vor die Tür rollen und schon war sie zu - ist in Südostasien nicht zu unterschätzen.

Irgendwo stieg eine reichere Familie mit drei Töchtern hier oben dazu. Der Vater war erst sehr skeptisch, dass zwei Ausländer mit seinen jungen Mädchen sprachen. Sie konnten erstaunlich gutes Takkaenglisch und es wurde unbeschwert gelacht.

Als sie mitten in der Nacht in vollkommener Dunkelheit Mitten im Fluss auf ein Ruderboot umstiegen, waren alle traurig.

Verblüffend die Leistung der Besatzung. Woher wussten sie, wo sie waren?

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Irgendwann legte das Schiff doch ab. Die Sonne kam nicht so richtig raus an diesem Morgen - um 10:00 Uhr war es plötzlich wieder dunkel.

Der erste Stopp stand an, der Himmel so schwarz wie nirgends auf der Welt jemals gesehen.

Was langweilig auf dem Oberdeck der 1. Klasse begann, wurde spannend und aufregend. Waren das da am Ufer wirklich alles potenzielle Fahrgäste? Konnte sich da jemand die teure 1. Klasse leisten und die himmlische Ruhe hier stören?

Was die Reise kostete, ist vergessen. Samt Vollverpflegung und Zweierkabine auf dem hermetisch abgeriegelten oberen Vorderdeck - nicht der Rede wert. Allerdings nur für Europäer.

Vier Kabinen gab es. Backbord und Steuerbord je 2 mit 2 und 2 mit 4 Betten. Das Essen war gut. Mal gab es Reis mit Huhn, mal Huhn mit Reis.

Jetzt wurde es aber erst einmal spannend. Die letzten Passagiere hangelten sich eilig über die Bambusbrücke auf den Ponton. Das Unwetter drohte, das Schiff fährt gnadenlos weiter.

Der Bau einer festen Brücke lohnt nicht. Man sehe sich den Himmel an und kann einigermaßen die Gewalt der Unwetter abschätzen. Die Flüsse sind natürlich tiedenabhängig und reißen schon mal schnell alles weg.

Nicht alle fuhren mit, aber das Unterdeck, zu dem es keine Verbindung gab, war voll. Beugte man sich über die Reling in der 1. Klasse, konnte man kurz hineinschauen, aber nur kurz: Es streckten sich sofort bettelnde Hände entgegen.

Kashim hat es geschafft. Strahlend im sauberen blauen Anzug steht er am Kai in Dhaka und hat sogar einen Parkplatz bekommen. Ein selten zuverlässiger und angenehmer Mensch, so wie viele Bangladeshis, die wenigstens ein kleines Auskommen haben und nicht ganz im Elend versinken.

Mitternacht, Vollmond. Der Fluss voller Fischer, der Dampfer bahnt sich seinen Weg. Das Bild ist unscharf. Der Diafilm mit 100ASA schaffte halt nicht mehr, aber die Stimmung nachts auf dem Fluss bei lauer Luft ist eingefangen...

Zeit für das Abendgebet. Mit der Himmelsrichtung gab es keine Probleme. Mekka liegt in Richtung des Sonnenunterganges.

Je näher Dhaka kam, desto voller wurde das Boot, je mehr Leute standen an den Anlegern. In der 3. Klasse an Unterdeck gab es keinen Platz mehr zum hinlegen.

Auch in der 1. Klasse wurde es voller. Seltsame Leute lernte man kennen. Ein Englishman stieg zu, jung, ziemlich heruntergekommen wie es eben unweigerlich ist, wenn man hier im Delta lebt.

Missionar sei er, wahrscheinlich ein selbst ernannter. Er gab keine Ruhe, bis er ein kaltes Bier aus der Eiskiste bekam und meinte, es wäre wie die Kricketweltmeisterschaft für Merry Old England und Queen Mums Geburtstag zusammen.

Sofort bot er von seinen Vorräten an. In einer Feldflasche hatte er kochendheißen Cognac! Selbst gebrannt natürlich, nur heiß zu genießen, wobei das Wort genießen hier nur im Sinne von "we shall over come" gemeint ist. Kalt getrunken braucht man keine Brille mehr, nicht einmal eine dunkle.

Es sah so aus, als hätte sich Neptun im braunen Fluss kräftig geschüttelt als er den Rest aus dem Glas abbekam...

Hier vom Oberdeck aus ließen sich fantastische Fotos machen, oft nicht leicht in Bangladesh. Religiöse Gründe und die sofort hervorschnellende Hand der Frauen zum Betteln - es musste ein angeborener Reflex sein - und nicht zuletzt das eigene schlechte Gewissen lassen schon zögern, auf den Auslöser zu drücken.

Für ein paar Paisa bot der Schuster unaufdringlich und sympathisch seine Dienste an Bord an. Er war taubstumm.

Bestimmt musste er den aller größten Teil seines Verdienstes dafür abgeben, hier arbeiten zu dürfen, eine Ecke zum schlafen zu haben, etwas vom Essen abzubekommen. Materialien musste er auch kaufen.

Seine Kunden waren ja alle bettelarm und mehr als einige der viereckigen, blechernen Paisas waren da nicht drin. Selbst wenn er mehrere hundert Jahre arbeiten würde...

Die riesige Sandale gehört dem großen Arbeitskollegen und da die anderen Schuhe nicht vom lokalen Markt stammten, bekam er sein Geld so.

Der Fluss, aber - verdammt - welcher?

Noch ein paar Anleger

Hier eines der Rockets. Der weiß gestrichene kleine Teil auf dem vorderen Oberdeck ist die 1. Klasse. Steuerbord und Backbord je eine kleine Kabine mit 2 Liegen, eine Toilette, ein Speiseraum in der Mitte und das Deck waren alles.