Von Kabul aus in den zentralen Hindukusch über den unbefestigten Hadjigakpass mit 3715 m Höhe. Die Rote Stadt, die Buddahs von Bamiyan und die Blauen Seen von Band-e-Amir - ein vergessenes weil jetzt unerreichbares Naturwunder!

Stand: 01.05.2015

Afghanistan

Es war eines der schönsten Länder der Welt!


Von Kabul in den zentralen Hindukusch



Der Hadjigakpass


Es gibt zwei Wege, um nach Bamiyan zu kommen. Der einfachere führt über den Schibarpass, kurz vor dem Salang biegt man auf unbefestigter Straße nach Westen ab. Durch eine grandiose Schlucht geht es über den 3080 m hohen Schibarpass, der Wasserscheide zwischen dem Amur-Dari- und dem Indus-Becken. Die 260 km zwischen Kabul (1791m) und Bamiyan (3000m) waren unspektakulär zu fahren.

Afghanistan Hadjigak Karavane

Die Karawane war die ganze Nacht unterwegs, um der Tageshitze zu entkommen. Jetzt, um 5:00Uhr in der Frühe, werden sie am Fuß der Berge ihre Zelte aufbauen. Es war der Morgen auf der Fahrt über den Hadjigakpass und Baniyam zu den Blauen Seen.

Der zweite, abenteuerliche und etwas kürzere Weg nach Bamiyan und zu den Blauen Seen von Band-e-Amir führte über den Hadjigak- (3715m) und den Unaipass (3300m) - da hören in Europa die Berge beinahe schon auf.

Der Weg hatte nur einen Nachteil: Die meiste Zeit des Jahres war er nicht passierbar und man bekam keine Information zu welcher Zeit ein Jeep da durch kam. Am besten war es noch im August/September. Da waren alle von der Schneeschmelze weggerissenen Wegabschnitte von Hand wieder aufgeschichtet.

Sprit musste man an Bord haben, fraß der Landrover im Reduziergetriebe glatt 30l/100km. Eine Tankstelle gab es nur in Bamiyan.

Immer auf der Suche nach solchen Herausforderungen gäbe es so ein Abenteuer wie diese Passfahrt weder in Asien noch im amerikanischen Doppelkontinent nie wieder zu erleben! Ergo sind wir die Strecke sechsmal gefahren.

Auf der Straße von Kabul nach Kandahar kam nach rund 80 km der kaum erkennbare und natürlich nicht ausgeschilderte Abzweig nach rechts, nach Norden.

Der Weg windet sich durch ein endloses, ziemlich dicht besiedeltes Tal. Noch ist es flach (flach ist gut: es ist mindestens 2000m hoch hier) zwischen kleinen grünen Felder auf denen Gemüse angebaut wurde.

Der Weg machte schwer zu schaffen. Alle paar Meter kreuzen "jubs" (Wassergräben) die Straße. Sie sind mit Steinen abgedeckt und wirken wie Speedbraker.

Beim Überqueren werden die Blattfedern des vollbeladenen Landrovers (ungefähr Baujahr 1966) nach unten gedrückt und hinterher schnellen sie nach oben. 4 x wird man durchgeschüttelt: erst die Vorderachse und dann die Hinterachse nach unten und gleich wieder nach oben!

Passagiere, Ladung und der große Hund werden durchgeschüttelt wie nie.

Hinzu kommt das ewige Schalten: Der 1. und der 2. Gang sind unsyncronisiert.

Die Hänge werden in nie gesehener Weise steiler.

Hier waschen die Frauen die Wolle der Schafe im kalten Bachbett ohne jede Seife. Sie kochen die Farben aus Naturprodukten, (Ranke-e-chob - "Holzfarben"). So gibt es keine schwarze Farbe aus der Natur, z.B. für Wolle zum Teppichknüpfen. Es ist immer ein dunkles Braun, gewonnen aus Walnussschalen. So gibt es durch das Kaltwaschen auch kein reines Weiß in Teppichen, es ist immer "rauchfarben". Rot wird aus Granatäpfel gewonnen, um nur einige Beispiele zu nennen.

Da die Wolle nicht mit Seifen in Berührung kommt, bleibt das natürliche Fett der Schafe im Faden erhalten, was die echten Teppiche in Afghanistan und Iran so widerstandsfähig macht im Gegensatz zu denen aus Pakistan und Indien. Da wird meist chemisch gereinigte Wolle aus Australien verwendet.

Die Hänge werden noch steiler, das Grün bleibt im Tal zurück, Hund, Fahrer und schießwütiger Passagier sind durchgerüttelt wie nie. Der Hund wollte seine 15 cm Platz nicht wieder einnehmen.

Die 16-schüssige Winchester schoss sowieso um die Ecke, das andere Gewehr aus der Tschechoslowakai (Modell Brün, Kaliber 22) mit dem gezogenen Lauf war da besser.

Keine Angst: Tiere gab es hier nicht mehr, nicht mal Vögel. Bei dem Grad der Bewaffnung der Afghanen war eh alles abgeknallt.

Afghanistan Tangi Garu
Afghanistan Hadjigak
Afghanistan Hadjigak
Afghanistan Hadjigak
Afghanistan Hadjigak
Afghanistan Hadjigak

Vorbei geht es an Nomaden, die wie auf dem Bild hier ihre Schafwolle färben - ohne jede Chemie für die besten Teppiche. Da sie die Wolle nur kalt waschen, bleibt das Fett in den Haaren und die Teppiche, die aus dieser Wolle geknüpft werden, sind unverwüstlich.

Da es in ganz Afghanistan fast keine Bäume gibt, kann man hier auch nicht von einer Baumgrenze sprechen. Any way, es gab auch kein Grün mehr.

Afghanistan Hadjigak

Die Brücke über den jetzt so kleinen Bach war eine Stelle, die den Weg, das ganze Tal, zur Schneeschmelze unpassierbar machte. Es gab immer wenige Menschen je höher es ging.

Weil der Siemensmann unbedingt eine rasante Fahrt über diese kleinen Steg filmen wollte, wäre der Wagen fast in den Bach geschleudert - Action pur.

Afghanistan Hadjigak

Jeder, der an dieser Quelle hier vorbei kam, badete hier. Afghanen haben mangels Wasser ja kaum Gelegenheit dazu. Und in einem alten Reiseführer (Max Klimburg, 1966) steht: "...Seife als Körperreinigungsmittel ist vollkommen unbekannt..."

Ein entscheidender Satz für die langen Jahre in dem schönen Land für den Autor!?

Jedenfalls rührt die Farbe der ca. 30°C warmen Quelle doch eher vom Eisengehalt des Wassers her.

Afghanistan Hadjigak

Immer öfter kamen hier jetzt Kutschis entgegen - natürlich an den schmalsten und steil abfallenden Stellen des Weges.

Die Lady hieb doch tatsächlich mit dem Knüppel auf den Kotflügel! Aber der war aus Eisen. Sie war in Sorge um ihre wertvollen Tiere, von denen viele bestimmt noch nie ein stinkendes Auto gesehen haben.

Jetzt, im Herbst, waren die Nomaden auf dem Weg in den Süden, heraus aus den im Winter so extrem kalten Hochgebirgen. Sie hielten sich immer da auf wo Frühling war, um in der kargen Landschaft Futter für ihre Herden zu finden. Sie würden bis an den Persischen Golf wandern, noch 2000km weiter. Wenn es da dann kein Grün mehr gab, kamen sie zurück.

Azzis, der Cheftechniker, sagte immer nach dem Winter: "Wenn die Rutschis (Schwalben) kommen, kommen die Kutschis."

Es reimte sich in Farsi Dari.

Afghanistan Hadjigak
Afghanistan Hadjigak

Wo gibt es auf der Welt noch solche Landschaften? Und solche gemeinen Wege?

Die steilsten Steigungen waren in den Kehren, oft 10 m hoch und man sank bis zur Achse in puderfeinem Sand ein. Nach so einer Fahrt musste jeden Abend der Staubfilter ausgeklopft werden. Haare waschen wäre ja auch nicht schlecht gewesen....

Na klar: Kamele hatten da keine Probleme. Für Autos war die Piste ja auch nicht angelegt.

Auf vier Passüberquerungen kam auch nur einmal ein alter VW-Bus entgegen - mit 2 Theologiestudenten aus Berlin.

Auf solchen Pisten hält man natürlich an, tauscht Informationen aus. Wie ist der Zustand der Straße, wie lange unterwegs, wo kann man essen, trinken, tanken.

Afghanistan Hadjigak
Afghanistan Hadjigak

Passhöhe Hadjigak: 3715 Meter!

Der junge Esel suchte vor dem ratternden Ungetüm verstört das Weite.

Der Naffer sprach Farzi und meinte, es wäre sein erstes Auto gewesen.

Afghanistan Hadjigak

Achtung: Blinken beim Überholen nicht vergessen!

Afghanistan Hadjigak

Immer wieder begegnete man Nomaden auf ihren traditionellen Wanderungen in Richtung des angenehmsten Klimas.

Die Nomaden sind jetzt im August/September langsam auf dem Weg nach Süden, raus aus den hohen Bergen.

Sie werden noch Monate bis zum Golf zu laufen haben, wo sie überwintern und Grünes für ihr Vieh finden.

Afghanistan Hadjigak
Afghanistan Hadjigak
Afghanistan Hadjigak

Die Tote Stadt

Afghanistan Hadjigak
Afghanistan Hadjigak

Der rote Berg da hinten muss aus purem Erz bestehen. Einst haben hier in einer kleinen Ansiedlung Leute gelebt und Erz abgebaut.

Das muss nicht sehr gesund gewesen sein und die, die nicht hier schon gestorben sind, haben die Stadt dann aufgegeben.

Die Afghanen nannten sie nur "Die Tote Stadt". Hier gabelt sich der Weg. Links hinter dem Berg, nach Westen, erreicht man nach wenigen Kilometern Bamiyan. Nach Osten geht es zum Salang.

Rechts auf dem Bild ist der Weg nach der letzten Schneeschmelze per Hand mühsam wieder aufgeschichtet worden. Sonst wäre hier kein Weiterkommen gewesen.

Afghanistan Hadjigak

Bamiyan (2550 m Höhe) und die Buddhas

Afghanistan_Bamjan
Afghanistan Bamjan

Die Höhlen in leicht zu bearbeitendem Sandstein waren schon in grauer Vorzeit bewohnt.

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Afghanistan Hadjigak
Afghanistan Hadjigak

Die Blauen Seen von Band - e - Amir

(3000 m Höhe, 30°12' N, 66°30' O)

Afghanistan Hadjigak
Afghanistan Hadjigak
Afghanistan Hadjigak
Afghanistan Hadjigak
Afghanistan Hadjigak
Afghanistan Hadjigak
Afghanistan Hadjigak

Von Kandahar nach Herat

Afghanistan Index

Die vergessenen Naturwunder: Die Blauen Seen von Band-e-Amir. Sie sind eine der Höhepunkte im Leben eines Reisenden. Zwischen 80 oder 90 km nordwestlich von Bamiyan liegen diese sich über Äonen von Jahren selbstaufstauenden Seen.

Drei Besuche an diesen in der westlichen Welt weitgehend unbekannten Naturwundern ließen einen zum Experten werden, denn nichts durfte man vergessen. Beim Zelten über mehrere Tage musste vom Essen bis zum Benzin alles reichen.

Auf dem Weg von Bamiyan zu den Seen musste das Rinnsal überquert werden - eine Sensation in Afghanistan, mal fließendes Wasser zu sehen.

Der Weg, besser damals die Reifenspuren, gingen noch mal auf 3500 m hoch, eher plötzlich in einer weiten Senke die Blauen Seen wie ein Juwel in der Steinwüste auftauchten. Der unterste See dürfte so auf 2900 m und die anderen Seen nicht über 3000 m liegen.

Die Seen sind kalt. Nur 11°C haben wir im August gemessen. An die Angel gingen kaum essbare, 20-30 cm lange Weißfische, die viel zu viele Gräten hatten und obendrein nicht schmeckten.

Es sind 5 Seen, die 5.985 Quadratkilometer bedecken - fragt sich zu welcher Jahreszeit diese Zahl gilt. Einen der Quellflüsse des Balkab speisen sie neben der Schneeschmelze. Wenn viel Wasser von den Bergen kommt, sind 8 Becken unterschiedlicher Tiefe gefüllt.

Die Seen liegen in Lehm- und Kalkbecken aus der Kreidezeit. Das Wasser staut sich an Dämmen aus Travertin, einem porösen Süßwasserkalkstein, der aus kalten, warmen oder heißen Süßwasserquellen als Quellkalk chemisch ausgefällt werden kann. Thermische Einflüsse werden hier aber ausgeschlossen.

Vielmehr scheinen hier auch pflanzliche Organismen zu wirken. Cyanophyten, Chlorophyten, Moose, Algen, etc. spielen eine wesentliche Rolle bei der Fällung von gelösten Calcium-Verbindungen, wie um 1970 von der Köln/Bonner/Kabuler Uni vor Ort festgestellt wurde.

Es ist also ein äußerst fragiles System, was wohl durch die Bildung des ersten afghanischen Nationalparks 2009 eher gefährdet denn geschütz wird, soll doch der Park mal Touristen anlocken.

Die Seen werden von Ost nach West durchnummeriert. Die Seen Nr. 4, 6 und 8 sind tief.

Nr. 4 ist mit 4,874 km2 der größte und mit 28 m auch der tiefste See. Nr. 7 ist meist ausgetrocknet bzw. mit Sedimenten verfüllt.

Die Seen 1,2,3, und 5 sind eher als flach zu bezeichnen.

Der untere See, die Nr. 1, hier im Bild, hat eine Tiefe von ca. 10 m, ausgelotet und geschätzt mit der Angelschnur.

See Nr. 1

Rechts der Mitte ist die unterste Staumauer des See Nr. 1

Blick über den See Nr.2 nach Westen zum See Nr. 1

Gleichfalls der Blick über den See Nr.2 nach Westen zum See Nr. 1

Blick über den See Nr.2 Richtung Osten

Zwischen See Nr. 3 und 4

Das orange Zelt links unten im Bild war die Rettung, trotz der kalten Nächte hier oben.

Drüben, das "Hotel", hatte einen Fehler. Es gab nur einen einzigen Raum und da lag wohl seit Jahren das gleiche Stroh auf dem Boden. Auch Stroh musste ja teuer herangefahren werden.

Und nachts wurden die Ziegen in den Raum hineingetrieben! Afghanen machte das ja nichts aus. Sie rollten sich in ihr Universalreise-Mantel-Gebetstuch und freuten sich über die Wärme, die die Tiere ausstrahlten.

Der Gestank am nächsten Morgen war gewaltig, schon, wenn man da vorbei kam.

Um die Seen herum gab es keinen Weg. Geübt mit dem Geländewagen, hätte man es aber ein ziemliches Stück weit geschafft.

Das Problem war einmal der Benzinvorrat - im Gelände fraß der Landrover schon mal 30 l - und zum anderen konnte man das Zelt nicht so lange alleine lassen.

Schade aus heutiger Sicht. Da kommt man so schnell nicht wieder hin.

Lagerfeuer

Was könnte in solch schöner archaischer Landschaft besser sein, als des Nachts am Lagerfeuer zu sitzen?

Auf einer Tour wurden also die Hohlräume nach der Ladung der Campingausrüstung und Schlafsäcke, der Essensvorräte, Benzin- und Wasserkanister, Gewehre, Schlangenserum, Ersatzteile (wie Schläuche, Steckachsen, Vorschlaghammer, Reifenmontierhebel, Wasserpumpe, Zündkerzen, Seile, Keilriemen, Luftpumpe usw.) nicht nur mit Bierbüchsen, sondern auch mit Holz ausgefüllt.

Ist auch für Afghanen in ihrem baumlosen Land ein Lagerfeuer mit wertvollem Holz nur für Romantik nicht nachvollziehbar, ja der pure Luxus. Aber da oben an den Seen war ja keiner - dachten wir.

Wir hatten Holz. Kamen doch die technischen Einrichtungen für die Vermittlungstellen in stabilen, meterlangen Holzkisten. Die sägten wir auf Stauflächengröße des Autos zusammen. Wie das klapperte auf der Fahrt!

Wir kamen am späten Nachmittag auf der Staumauer (Bild See Nr.1) an und waren alleine.

Doch nach Einbruch der Dunkelheit schrauben sich Lichter von 2 Geländewagen den Berg herunter und bauten sich weiter hinten auf. Ungewöhnlich, dass nachts hier einer noch fährt.

Wir saßen längst am Lagerfeuer und die Whiskeybuddel kreiste, als plötzlich 2 Soldaten im Lichtkegel auftauchten.

Ehe wir reagieren konnten, erschien ein junges Paar und frug auf Farzi, ob sie sich mit ans Feuer seten durften. Sie brachten einen feinen Whiskey mit.

Schnell war klar, sie war eine Deutsche, die für den DED in Kabul arbeitete. Whiskey hat auf 3000 m Höhe eine ganz schöne Wirkung und bald plauderten alle durcheinander abwechselnd auf Farzi, Englisch und Deutsch.

Als die Gelegenheit dazu war, frugen wir sie, wer denn ihr afghanischer Freund sei, der da mit Militäreskorte durchs Land reise.

Es was der Prinz aus Afghanistan, aus der Familie des Zahir Shah, dem König von Afghanistan.

Die Nacht endete im Morgengrauen mit einem Bad im eiskalten See, nachdem die Holzvorräte und der "Snaps" für mehrere Tage aufgebraucht waren.

Am Tage wird gerastet und die Schafe, Ziegen, Kamele und Mulis weiden. Es ist zu heiß zum Laufen. Nachts wird gewandert, je nach Gelände zwischen 15 und 25 km.

Oh! Die Dame ist schon verheiratet. Wäre sie es nicht, würde sie Rot tragen, damit sie schon von Weitem zu sehen wäre...

Typisch Afghanen: Wo kommen sie her, wo gehen sie in dieser Wildnis hin und nie haben sie was dabei!

Auf dem Weg hierher sah man keine Ansiedlung. Es gab auch keine bei der Weiterfahrt den "Highway" hinunter...