15-Afghanistan-Suedwest

Afghanistan: Von Kandahar zu den Ausgrabungen von Qala Bost, nach Lashkagar, ins grüne Helmandtal und zum kleinen Stausee von Kajaki

Afghanistan

Es war eines der schönsten Länder der Welt!


Fortsetzung 3: Von Kabul aus in Richtung Westen

Girischt, Laschkagar, Qala Bost, Helmandtal und Kajaki

- der Südwesten Afghanistans


Laschkagar


Afghanistan-Laschkagar-Moschee

Das ist wohl die einzige Moschee, die die Amerikaner im Rahmen der Entwicklungshilfe je gebaut haben. Als sie mit dem Straßenbau hier begannen, haben sich Kleriker um 1960 durchgesetzt: Straßenbau nur wenn es die Moschee gibt - sagten meine Afghanen. Sie ist auch das einzig Sehenswerte in dem kleinen Städtchen.

Von hier aus koordinierten die Amis ihre Entwicklungshilfe. Vor allen Dingen für das Helmandtal. Große Bewässerungsprojekte machten das Tal zur grünsten Landschaft Afghanistans. So große Granatäpfel wie hier gibt es sonst nirgends. Jetzt gedeihen hier vor allen Dingen verbohrte Taliban und die Amerikaner sind gerade wieder am ernten. Hoffentlich mit Erfolg.

Etwas weiter südlich von Laschkagar endet der größte Fluss des Landes, der Helmand, in den noch der Arghandab mündet - wenn er Wasser hat, es nicht in Kandahar verbraucht wurde. Der Fluss versickert einfach in der Wüste. Auch der Helmand führt hier nur noch sehr wenig Wasser. Es wird ja weiter oben für die Landwirtschaft verbraucht.

Man fand in dieser Gegend viele alte, verlassene Ansiedlungen. Daraus schloß man, dass die Gegend einmal sehr fruchtbar gewesen sein muss, um die vielen Menschen ernähren zu können. So entstand das Helmandprojekt.

Afghanistan-Laschkagar

Laschkagar (engl. Lashkagar oder Lashkar Gah, auf persisch soviel wie "Militärstützpunkt") ist so bedeutend, dass es nicht einmal einen Artikel in der deutschen Wikipedia gibt.

Das wäre wohl anders, wenn hier nicht Truppen aus Amerika und England, sondern deutsche Soldaten kämpfen müssten.

Im 11. oder 12. Jahrhundert hieß der Ort Bost. Bost war lange Zeit die Hauptstadt der Provinz Helmand.

Laschkagar ist mächtig gewachsen, hat am Ostufer einen eigenen Flughafen (Bost) bekommen. Wieviel Menschen da leben, weiß, wie in Afghanistan üblich, keiner.


Qala Bost


Afghanistan-Qala-Bost
Afghanistan-Qala-Bost
Afghanistan-Qala-Bost
Afghanistan-Qala-Bost
Afghanistan-Qala-Bost
Afghanistan-Qala-Bost
Afghanistan Tangi Garu
Afghanistan Tangi Garu
Afghanistan Tangi Garu

Von Girischk nach Norden ins Helmandtal

Afghanistan-Girischt
Afghanistan-Girischt-Helmand
Afghanistan Tangi Garu
Afghanistan Tangi Garu

Kajaki


Afghanistan-Kajaki
Afghanistan-Kajaki-Bruecke
Afghanistan-Kajaki-Bruecke
Afghanistan-Bruecke
Afghanistan-Kajaki-Helmand
Afghanistan-Kajaki-Helmand
Kandahar Airport

Herat


Die einzige grüne Gegend im Lande und das durch die Entwicklungshilfe der Amerikaner in der Zeit zwischen 1940 und 1970. Straßenbau und die Bewässerungsprojekte im Helmandtal hatten Afghanistan vollkommen verändert.

Natürlich haben die Russen auch Straßen gebaut. Allerdings auf unvorstellbare 60 Tonnen Last ausgelegt und nur von Norden nach Süden. Heute weiß man warum - so langfristig plant der russische Bär, scheißegal ob das Land davon was hatte. Aber zum warmen Meer, wie wohl ursprünglich mal geplant, hat es nicht gereicht.

Fährt man 137 km von Kandahar Richtung Westen, erreicht man die Girischt. Hier durchschneidet die Straße nach Herat das Helmandtal. Der Helmand ist der längste Fluss des Landes. Er entspringt irgendwo im Hindukusch und versickert nach 1150 km bei Sistan in der persischen Provinz Belutschistan in der Wüste. Nach Süden geht es auf damals unbefestigten Straßen nach Lasckkagar und zu den Ausgrabungsstätten nach Qala Bost.

Richtung Norden von Girischt aus geht es durch fruchtbares, weil bewässertes Land, vorbei an vielen Bewässerungsgräben nach ca. 80 km zu einem kleinen Staudamm bei Kajaki. Den mit Steinen aufgeschütteten Damm hatten die Amerikaner gebaut. In deren ehemaligem Camp konnte man Häuser mieten und der See und der Fluss war herrlich zum Baden und Angeln. Ein beliebtes Ausflugsziel der Deutschen. Der Nachteil: knapp 700 km von Kabul weg! Man kam also nur hin, wenn man in Kandahar zu tun hatte.

Girischt - der Eingang ins grüne Helmandtal

Diese Aufnahmen entstanden im September/Oktober 1979 auf einer privaten Fahrt von Teheran nach Peshawar. Zwei Monate später okkupierten die Russen das Land - lösten den ganzen Schlamassel aus, gewannen nichts...

Im ganzen Land war damals schon eine gewisse Spannung zu spüren. Viel Millitär war auf den Straßen.

Das ist der echte "Höhepunkt" dieses kleinen Ortes. Der Blick hier geht nach Norden ins Helmandtal, wie auch auf dem Bild unten.

Auf den vielen Fahrten von Kabul nach Herat wurde hier immer gehalten, froh, den Motor mal ausmachen zu können. Auf der Rückfahrt nach Kabul nahmen alle immer kistenweise Granatäpfel mit.

Am besten waren die großen Früchte, die schon aufgeplatzt waren. Und wehe, es tropfte bei Essen Saft auf die Kleidung. Die Farbe ging nie wieder raus. Kann man auch an manchen afghanischen Teppichen sehen. Das Granatapfelrot bleicht nie aus.

Qala-e-Bost heißt es wohl richtiger, mit dem Suffex-e wie in Afghan-e-Stan, Land der Afghanen.

Franzosen haben hier ab 1941 gegraben und diesen 26 m hohen Eingangsbogen einer Moschee aus dem 11. Jahrhundert rekonstruiert, einer der wenigen Anziehungspunkte in der Gegend.

Wenn man einmal von der erodierten Lehmburg absieht. Es ist der Winterpalstast Mahmuds des Großen. Er lebte von 971-1030. Der berühmteste Sohn des Emir von Buchara war ein Ghaznawide und nannte sich Mahmud von Ghazni.

Ghaznewiden gehen auf türkische Sklaven zurück, die 962 gegen die Herrschaft der Sämäniden rebellierten und bis 1186 bis nach Indien Angst und Schrecken verbreiteten. Sie setzten sich in Ghazni fest.

Die Ghaznewiden verbreiteten eigenartigerweise das iranische Erbe. Es waren ja eigentlich ihre ehemaligen Unterdrücker. Zwar brachten sie Afghanistan die erste Hochkultur, aber sie verbreiteten den Islam mit Feuer und Schwert oder noch mehr, um riesige Beutezüge im Namen irgendeiner Gottheit unternehmen zu können.

Alleine auf 17 blutigen Eroberungszügen scheffelte Mahmud unerhörten Reichtum im Nordwesten Indiens. Er zerstörte die indischen Götzenbilder und alle bildlichen Darstellungen menschlicher Gesichter und wohl auch das Gesicht des Buddahs von Bamyan. Jetzt haben total verblödete Taliban den ganzen Buddha gesprengt...

So, und nun gilt er als erster islamischer Reformator Indiens. Schön, nicht? In der Ecke da in Kaschmir schlagen sie sich heute noch die Köpfe ein. Wie schön könnten alle Völker auf der Erde leben, gäbe es keine Religionen...

Afghanistan-Qala-Bost

Mahmud der Große im roten Gewand schüttelz die Hand eines Scheichs. Gemälde aus einem Tehraner Museum

Hier ein Blick vom Winterpalast Mahmuds des Großen in Richtung Süden, dem Helmand hinterher bevor er Mitten in der Wüste im Iran kurz hinter der Grenze versickert.

All die oft gewaltigen Bauten sind aus dem einzigen Material errichtet, das das Land hergibt: Aus Lehm und Wasser geformte, an der Sonne getrocknete Ziegel.

Wären die Anlagen gepflegt und nicht über Jahrhunderte der Erosion ausgesetzt worden, könnte man sie heute noch nutzen.

Unheimlich war es bei Einbruch der Dunkelheit zwischen den verlassenen, uralten und dicken Mauern. Der Wind heulte schauerlich. Fehlten nur noch Pferdegetrappel und Schwerterklirren...

An den Wochenenden, wenn man echt nicht wußte, was man in Kandahar anstellen konnte, machte es Spaß, mit den Jungs in die Umgebung zu fahren.

Nach Kabul konnten sie ja nicht. Der Bus fuhr einen Tag hin und einen zurück und Geld hatten sie auch nicht.

Also alle rein in den VW-Bus, Hadschi Mohamad - der zweite mit den grünen Pluderhosen - war der Fahrer.

Die anderen sind die Techniker, die die Wähler der Telefonvermittlungsstelle in Kandahar wieder auf Vordermann brachten.

Wichtig war die Trommel und das Kleinkalibergewehr. Nicht, dass man es unbedingt brauchte. Es passte aber prima zum Tanz und den wilden Liedern

Sie nahmen diese Ausflüge sehr ernst. Jeder hatte seine beste Kleidung an. Auch waren sie noch nie an diesen geschichtsträchtigen Orten ihres Landes.

Eine Tschai-hona war natürlich Pflicht. Ali Mohamad, der mit dem weißen Hemd und Krawatte gehörte eigentlich nicht dazu.

Er war angestellt in der Vermittlungsstelle und ein lustiger Vogel.

Berauschend ist die Landschaft nicht. Dafür für afghanische Verhältnisse dicht besiedelt, von Natur keine Spur.

Die Wege ließen sich damals gut befahren. Man zog nur eine Staubwolke hinter sich her.

Es waren 80 km bis zum Ziel, dem Staudamm und das spartanische russische Camp, wo die Staudammerbauer gelebt haben.

Immer wieder zogen sich Kanäle parallel der Straße dahin und mächtige Wehre und Schleusen mussten überquert werden.

Sie regulieren das Helmandwasser, was viel hundert Hektar Land fruchtbar macht.

Betriebsausflug

Die Afghanen sprachen es "Katschaki" aus. Kajaki war ein unbedeutender Ort, bis 1953 die glorreiche Sowjetunion nicht weit hinter der Brücke einen Staudamm errichtete.

Der Damm ist 100 m hoch und 270 m lang. Er reguliert den Wasserstand des Flusses der rund 500 km Kanäle speist, die ihrerseits 1800 Quadratkilometer Land in der Helmandprovinz fruchtbar machen.

Der erzeugte Strom wird über eine 168 km lange Überlandtrasse nach Kandahar geleitet .

Trotz dieser Leistung waren die Russen auch vor der Okkupation am 27.12.1979 nicht beliebt im Lande. Sie waren ohne "Ketab", ohne Buch (Bibel, Koran) und die Kinder riefen ihnen "Mr. Katschalu" (Kartoffelfresser) hinterher.

Dem Bild oben sieht man die mehr als 40°C nicht an. Kein Lüftchen regte sich, nichts bewegte sich. Nur das Murmeln des Helmand war zuhören. Man erwartete jeden Moment das Einsetzen getragener Filmmusik, wahlweise aus Karl-May-Filmen oder Westernmelodien. The Lonesome Cowboy reitet total verstaubt auf seinem müden Pferd in den verlassenen Ort dadrüben ein...

Wo diese außergewöhnlich schöne Brücke in Afghanistan stand, kann nicht mehr nachvollzogen werden.

Staudämme waren und sind immer strategisch wichtige Objekte. Sie waren auch damals schon schwer bewacht. Deswegen und weil der Damm so hässlich aussah, gibt es kein eigenes Foto