14-Afghanistan-Kandahar-Airport

Afghanistan: Von Kandahar nach Süden zum Flughafen und zum Rand der Großen Salzwüste.

Afghanistan

Es war eines der schönsten Länder der Welt!


Fortsetzung 2: Von Kabul aus in Richtung Westen



Kandahar Airport, die Sandwüste und das Arghandabtal


Afghanistan-Kandahar

Wie friedlich und absolut ungefährlich war es mal in Kandahar am Rande der Wüste. Der Bus fährt Richtung Flughafen. Rechts hinten ist d,er "Elefantenberg" zu sehen, das heimliche Wahrzeichen der Stadt. Der Dunst kommt von den vielen offenen Feuern auf denen das Abendessen zubereitet wird.

Afghanistan-Kandahar

Ein Dorf am Rande der Straße zum Flughafen zur pakistanischen Grenze und weiter nach Quetta.

Die Kugelbauten aus Lehm haben meterdicke Wände aber ganz kleine Fensteröffnungen unverglast. In diese Öffnungen wurde spitzer Kameldorn aufgeschichtet. Ein Schluck Wasser in den Mund genommen und in den Kameldorn reingesprüht, senkt die Raumtemperatur um 20°C!

Das Wasser läuft an den nadelfeinen Dornen als kleinste Tröpfchen herunter - und verdunstet in der Zugluft! Die effektivste Klimaanlage, die man sich denken kann. Der Sand vor den Häusern hatte sage und schreibe 70°C!

Und im Schatten? Keine Ahnung: es gab keinen.

Afghanistan-Kandahar-Sandwueste
Afghanistan-Kandahar-Ariport
Afghanistan-Kandahar-Ariport
Afghanistan-Kandahar-Ariport
Afghanistan-Kandahar-Ariport
Afghanistan-Kandahar-Ariport
Afghanistan-Kandahar-Ariport
Afghanistan-Kandahar-Ariport
Afghanistan-Kandahar-Arghandab
Afghanistan-Kandahar-Arghandab
Afghanistan-Kandahar-Arghandab
Afghanistan Tangi Garu
Afghanistan Tangi Garu
Afghanistan Tangi Garu
Afghanistan-Strasse-nach-Kandahar
Afghanistan-Strasse-nach-Kandahar
Afghanistan-Kandahar-Sandwueste
Afghanistan-Kandahar-Sandwueste
Afghanistan-Kandahar-Sandwueste

Kandahar

Der Südwesten Afghanistans

Natürlich kannte keiner von uns das Wort in Farzi. Allein das Wort -schwein vergrößerte seine Abscheu ins unermessliche.

Nie vorher und nie mehr danach sahen wir in unserem Leben einen solchen Sternenhimmel, oder, besser, ein solches Himmelsgewölbe.

Da es keine Umweltverschmutzung durch Licht gab und keinerlei Luftfeuchtigkeit, waren die Sterne in der mondlosen Nacht direkt von Horizont zu Horizont zu sehen. Diese so nie gesehene Pracht der Sterne ließ uns sprachlos werden.

Genau wie am nächsten Morgen. Auf dem Schlafsack saß der größte je gesehene Skorpion mit hoch erhobenem Schwanz und drohendem Stachel. Um alle Schlafsäcke herum waren Tierspuren zu sehen, viele gewundene von Schlangen.

Schlangen gab es viele im Land und alle waren tödlich. Der Arbeitgeber versorgte uns halbjährlich mit Serum. Es lag manchmal im Wagen, ungekühlt...

Die Wüste lebt wirklich - wer hätte das gedacht.

Und hart ist sie. Der Sand ist so fein und gibt nicht nach, drückte verdammt durch den dicken Schlafsack.

Und kalt ist sie. Die aufgehende Sonne traf uns wie mit einer heißen Keule.

Auch der Fahrer hat die Nacht gut überlebt, war allerdings sichtbar gealtert...

Der Flughafen Kandahar muss in den 60gern zusammen mit den Straßen gebaut worden sein. Ein hübscher kleiner Flughafen aus edlen Materialen mit runden Dächern, entworfen von einem afghanischen Architekten.

Ursprünglich sollte hier eine Art Luftkreuz für Maschinen von Europa nach Fernost entstehen - so hoffte man. Aber die Reichweite der Flieger wurde immer größer und sie flogen einfach vorbei.

Es gab kaum Flugbewegungen. Ein paarmal in der Woche landete die einzige Düsenmaschine der Ariana Afghan Airline, eine Boeing 727, auf dem Weg nach Europa. Sie ,kam zum Auftanken herein.

Startete dieser Spritfresser nämlich in Kabul, konnte er nicht vollgetankt werden. Er wäre sonst nicht über die hohen Berge, die Kabul umgeben, gekommen. Auch so musste er noch im Talkessel der Stadt einige Schleifen fliegen um Höhe zu gewinnen.

Der Flughafen in Kabul wurde deswegen nie von westlichen Gesellschaften angeflogen. Nur die PIA (Please Inform Allah oder Pakistan International Airline) traute sich das mit kleineren Maschinen.

Im Flughafen war es durch die dicken Wände und die runden Dächer mitten in der Wüste auch ohne Klimaanlage angenehm kühl - und immer leer.

Die mächtigen schattenspendenden Fluggastbrücken aus Beton hatten aber auch Nachteile. Die Bring 727-100C war mal mit dem Flügel dagegen gefahren und konnte nicht weiter fliegen.

Man kannte ja einige Piloten. Sie spielten im Deutschen Club in Kabul Tennis. Was die so erzählten: Einmal, so um 1955, ist eine DC 6 mitten in London nachts auf einer Hauptstraße runtergebracht worden. Der Pilot hatte die Beleuchtung der Straße mit der Landebahnbefeuerung eines Flughafen verwechselt...

Auf das Flugfeld zu kommen oder, wie weiter unten, auf den Tower zu kommen - der war eh nicht besetzt, man flog auf Sicht - war kein Problem.

Eine chinesische Delegation wurde hier vom aufgeregten Gouverneur von Kandahar empfangen.

Noch so ein Spritfresser: eine Yak 40 der kleinen Bakthar Afghan Airline. Diese russische Maschine war wegen der schlechten Flugleistungen trotz hohem Verbrauch im Westen nicht zu verkaufen. Verdammt laut war das Ding innen...

Afghanistan-Kandahar-Ariport-Yak40

Nebenstellenanlage im Kandahar Airport

Damals, in den Zeiten der Technischen Entwicklungshilfe, ließ auch Belgien sich nicht lumpen und so kam der Airport zu diesem Dragonergeschenk, einer nicht verkleideten, relaisgesteuerten Nebenstellenanlage mittelalterlicher Technik - denkbar ungeeignet für einen störungsfreien Betrieb am Rand der Wüste.

Elektromotoren hinter den monströsen Gestellreihen trieben Stangen an, die über Kegelzahnräder die Drehung in die Gestelle mit den Schaltarmen brachten. Im Bild ganz rechts sind die Eisenstangen zu erkennen. Dort klinkten Elektromagnete mit der Kraft von 2 kg blecherne Zahnradplatten aus und in die Zahnräder der Stangen ein und die 6 Schaltarme fuhren gemächlich zu den gewünschten Positionen und schalteten die Verbindung durch...

Nun sind und waren in solchen Ländern Worte wie Wartung und Pflege vollkommen unbekannt. Wahrscheinlich durch Kontaktfehler schaltete einer der Elektromotoren nicht mehr ab und lief weiter, wenn auch gar kein Verkehr auf dem Monstrum war - nächtelang, wochenlang, monatelang. Nach dem dritten Sandsturm wollte der Motor nicht mehr. Er brannte ab.

Das Feuer zerstörte Teile der Verdrahtung. Das Ding stand, ein Unding also. Zwar gab es keinen Passagierverkehr, aber welcher Afghane hatte damals schon mal telefoniert und so war der Stillstand von politischer, zumindest von lokalpolitischer Bedeutung. Pech, wenn man da in der Nähe ist...

Der Beruf des Tabeldars kam dem Traumberuf vieler Afghanen - im eigenen Dukan in der Mitte seiner Waren zu sitzen, Tee zu trinken und zu handeln, feilschen um die Preise - schon sehr nahe. Zum Lagerverwalter mussten ja auch alle kommen wenn sie aus seinem Reich etwas benötigten. Es war schwierig, je etwas aus den Lagern wieder heraus zu bekommen. Ohne Bakschisch ging es schon gar nicht.

Die Voraussetzungen für diesen Beruf waren schwierig. Man musste am Besten der Onkel-Onkel-Sohn von jemand großem sein, musste mit seinem Vermögen für den Lagerinhalt haften. Da nun in den meisten Fällen kein Vermögen vorhanden war, konnte man auch einen Teil des kläglichen Verdienstes weiter reichen. Klar, dass das durch Bakschisch wieder ausgeglichen werden musste, um überleben zu können.

Desweiteren musste der Anwärter lesen und snchreiben können. Und ein Lineal besitzen. Damit ließen sich die dreiteiligen Formularblöcke auf den Millimeter genau trefflich abreißen.

Wurden nun Ersatzteile im Lager angeliefert, kam man so schnell nicht wieder an sie heran. Zumal für diesen Fall auch keine schwarze Kasse vorgesehen war. Es sei denn, man griff zu kleinen Listen. Brachte man dem vorne Tee und viel Süßes mit, konnte die Counterparts hinten die benötigten Dinge oft unbemerkt herausholen...

Anders hier am Airport. Der Ersatzmotor war schnell da. Keine 12 Unterschriften und die Jungs hatten ihn schnell und geschickt eingebaut. Schwieriger war es mit den Schaltunterlagen. Unabdingbar, um die verschmorte Verkabelung ersetzen zu können. Nach einem halben Tag bei 45°C kam er mit einigen Ordnern angeschlurft. Das Benötigte war nicht dabei.

Ziemlich kleinlaut murmelte er auf Farzi: "Das Papier hat noch nie einer gebraucht", und beim nachbohren: " Weißt du, Sahib, vor Jahren war es morgens so kalt im Winter und der Strom war auch ausgefallen. Wir hatten doch nichts zum Tee kochen...".

Al ham dulillah!

Nach einer Woche lief das Ding wieder mit Ach und Krach. Die Belgier hatte eh seltsame Pläne. Gab es bei vergleichbaren deutschen Telefonanlagen extra Pläne für Verdrahtung und Schaltung, hatten die alles in Originalgröße in riesigen Bögen zusammengezeichnet. Jedes Bauteil saß da 1:1 an seinem Platz, jeder Draht einzeln eingezeichnet, unmöglich den Zusammenhang der Schaltung zu erkennen. Da waren ja Omas Schnittmusterbögen für 7 Kleider in 12 Größen eine richtige Erholung.

Der Tabeldar

Nachts in der Wüste

Man kann monatelang in Kandahar leben und arbeiten, ohne dass einem der Fluss Arghandab überhaupt auffällt. Dabei hat er seit mehr als 2000 Jahren das Leben hier in der Steinwüste am Rande der Sandwüste erst ermöglicht.

Die größte Wassermenge des schmutzigbraunen Wasser sfließt ab dem Staudamm fast ausschließlich in Kanälen. Der Fluss entspringt nordwestlich von Ghazni in der Provinz Hazarajat und fließt 20 km südlich von Girischk bei Qala Bost in den Helmend - wenn er dann noch Wasser führt. Er ist ungefähr 400 km lang.

40 km nordöstlich von Kandahar wird der Fluss aufgestaut. Turbinen erzeugen Strom. Die Staumauer hält das Schmelzwasser des Hindukuschs im Frühjahr zurück. Das untere Bild zeigt einen Überlauf des Stausees im Winter. Der See ist nach dem langen und heißen Sommer fast leer.

Parallel zum Arghandab fließt der Tarmak River. Er ist mit 350 km kürzer und führt weniger Wasser. Der Fluß versorgt Ghazni, Zabul und auch Kandahar mit dem kostbaren Nass. Hätten Afghanen nicht auf den Fluss hingewiesen, wäre er als solcher nicht erkannt worden. Auf Landkarten ist er meist nicht eingezeichnet. Gute Landkarten gab es eh nicht, aber auch auf Google Earth ist er nicht zu finden.

Glück gehabt. Er schaut gerade weg...

Im Hintergrund ein Kanal mit dem Wasser des Arghandab aus dem gleichnamigen Stausee. Es wird zu den fruchtbaren Feldern weiter unten in den Ebenen geführt.

Überlandbus...

Auf einem der Wochenendausflüge mit den afghanischen Counterparts - die armen Kerle schliefen immer ja 3 Wochen lang auf dem Fußboden in der Vermittlungsstelle - zeigen sie mir diese sechsstöckige Lehmburg.

3 Stockwerke über und 3 unter der Erde. An der tiefsten Stelle war immer noch Wasser in der Zisterne, kühl und frisch.

Die umliegenden Berghänge waren säuberlich von Sand und Geröll gereinigt und versorgten die mehr als 500 Bewohner mit dem kostbaren Nass bei seltenen Niederschlägen.

Jeweils eine Sippe, ein Stamm bewohnten so eine Burg. Ziegen, Kamele, Maultiere, Pferde kamen mit in das leicht zu verteidigende Domizil. In den heißen Sommern war es durch die dicken Lehmmauern angenehm kühl, im Winter nicht kalt.

Westlich von Kandahar: Ein Dorf in 6 Stockwerken

Hier im Südwesten von Kandahar beginnt die Sandwüste. Die Dascht-e-Luz, die Wüste des Lichtes, erstreckt sich Richtung Westen bis nach Iran.

Eines Tages beschlossen wir, eine Nacht in der Wüste zu erleben. Drei Mann und der afghanische Fahrer im VW-Bus. 30 km südlich von Flughafen Kandahar reichen die Sanddünen bis an die Straße, die nach Quetta führt.

Wir ließen nach einigen Metern den Wagen am Rande einer großen Düne halten - und der Fahrer weigerte sich, auszusteigen. Warum denn nicht? Na, hier gebe es doch Geister und unheimliche Ungeheuer.

Er schloss sich im Bus ein und wir schleppten die Eisbox mit Bier (die Gefahr des Verdurstens soll ja in der Wüste sehr hoch sein), Schlafsäcke, Gewehre und Whiskey an den langen Strand. Sind ja Luftline nur 700 km (Google Earth sei dank) bis zum Meer, der Arabischen See.

Hier auf dem 30. Breitengrad bricht die Dunkelheit schnell herein.

Da hupte es wild. Wir rannten die Sanddüne herunter und fanden den zitternden Fahrer im verschlossenen Bus. Er wies entsetzt auf ziemlich große Tiere in 5 m Entfernung: Stachelschweine.

Afghanistan-Kandahar-Arghandab

...sofort bereit, um mit dem Ungläubigen "roll-ma-roll" zu machen.

Soldaten sind überall auf der Welt arme Schweine, besonders aber diese Hungerleider hier um 1970 herum in Afghanistan.

Sie haben dicke Mäntel an und sehen doch aus wie der sprichwörtliche Strich in der Landschaft.

Feierabend. Auf der Fahrt vom Flughafen zurück ins verlauste Manzelbach-"Hotel" in Kandahar, einem ehemaligen Straßenbaucamp der Amerikaner.

Fuchsspuren?

Das Arghandabtal nördlich von Kandahar

Afghanistan-Kandahar-Arghandab

Mitte Januar und der Frühling ist zu Ende. Das Land vertrocknet, Niederschläge gibt es nicht mehr, bald ist auch das letzte Grün verschwunden.

Rast an einem Überlauf des Arghandabstausees im Dezember.

Afghanistan Kandaharumgebung
Afghanistan Kandaharumgebung
Afghanistan Kandaharumgebung
Afghanistan Kandaharumgebung
Afghanistan Kandaharumgebung

Auf der anderen Seite des "Elefantenberges" liegt die Hauptstraße Kabul-Herat. Da ist es staubtrocken in der Steinwüste und man ahnt nicht, dass es dahinter Wasser und damit Leben gibt.

Solche Begegnungen wird es heutzutage nicht mehr geben.

Azzis, der Cheftechnicke, der da oben am Überlauf sitzt, freute sich.

Er sagte, wenn die Kutschis kommen, kommen die Rutschis und mit ihnen der Frühling. Normaden und Schwalben - oder umgekehrt...

Wenn es einmal stark im hunderte Kilometer entfernten Hindukusch regnen sollte, oder die Schneeschmelze ganz plötzlich einsetzt, kann man hier u. U. eine tödliche Überraschung erleben.

Es ist ein Wadi. Blitzschnell kann dieses flache Tal dann unter Wasser stehen und alles mit uriger Gewalt hinwegspülen.

Wadis können mehrere Kilometer breit sein. Sie sind schwer zu erkennen. Es kann viele Jahre dauern, bis mal wieder Wasser kommt. Bis dahin sind oft die Fließspuren durch Sandstürme für ungeübte Augen verwischt und nicht mehr zu erkennen.

So paradox es klingt: Es sind schon viele in der Wüste ertrunken.

Ist das nicht eine schöne Landschaft?

Auf dieser Stecke war der VW-Bus oder der olle Käfer das richtige Auto. Die nächste "Tank-e-Tel" war mindestens 200 km weit weg und verkaufte Sprit mit 68 Oktan.

Ob hier der Porsche Cayenne, der Tuareg von VW, der große BMW oder der Audi Q8 die richtigen Mühlen wären? Auf solchen Straßen bricht jeder Draht mal ab, fliegt schon mal die Windschutzscheibe raus. Und dann? Ab nach Stuttart, Ingolstadt, Wolfsburg wenn die Elektronik streikt? Alles SVUs. Na, der G vom Stern würde gehen oder ein guter Japaner.

Skurile Bergformationen gibt es überall im Land, verwittert, zerbröselt und uralt. Die Berge hier sind Milliarden Jahre alt und nicht Millionen wie die Alpen.