07-Afghanistan-Viehmarkt-Karakulschafe

Afghanistan

Es war eines der schönsten Länder der Welt!


Kabul - Viehmarkt und Menschen


Afghanistan: Der Viehmarkt am Kabul River - die Fleischversorgung der (alten) Hauptstadt Kabul, Fotos wie aus dem späten Mittelalter...

Stand: 03.04.2015

Kabul musste ja mit Fleisch versorgt werden. Einmal in der Woche gab es dafür den Viehmarkt am Ostrand der Stadt am Kabulriver auf der anderen Seite von Microjan.

Hier gab es nur große Tiere. Die Hauptfleischlieferanten waren die Kamele, Ziegen und Wasserbüffel. Die kamen allerdings aus Pakistan - mangels Wasser hier im Land.

Die teuersten und beliebtesten Tiere sind die Fettschwanzschafe. Die Besitzer hatten sie mit Henna und mit anderen Farben gekennzeichnet. Alle Aufnahmen sind von 1970.

Viehmarkt-Kabul-Karakulschafe

Der kleine Batscha (Junge) und sein Schaf. Vielleicht sind beide gleich alt und garantiert zusammen aufgewachsen. Es herrscht eine enge Vertrautheit zwischen ihnen. Beide wissen aber, was auf sie zukommt. Und trotzdem, sie strahlen eine gelassene Ruhe aus. Kurz nach der Aufnahme wurde das Schaf verkauft und der Batscha war sehr traurig.

Viehmarkt-Kabul-Dungsammeln

Wie gesagt, zur Aufgabe der Mädchen gehört es den Dung zu sammeln. Da bekommt man schon mal richtig schmutzige Hände.

Aber Dung der Tiere ist wertvolles Brennmaterial zum Essen kochen.

Mama wird gesagt haben (der Alte hat zuhause eh nichts zu melden, ob er nun als idiotischer Mudschaheddin, Pasdaran, Taliban oder Al Qaida draußen rumgurkt oder nicht):

"Wenn du was zum Essen haben willst..."

In dem Land gibt es praktisch keinen Abfall, alles wird irgendwie verwertet.

Viehmarkt-Kabul-Dungsammeln
Viehmarkt-Kabul-Dungsammeln

Teamwork

Viehmarkt-Kabul-Dungsammeln

Es dauert lange, bis so ein Eimer voll ist.

Viehmarkt-Kabul-Dungsammeln

Warten auf Nachschub

Viehmarkt-Kabul-Haendler

Gelassen dicke Bündel Afghanis zählen, plaudern und lange feilschen: Das ist es!

Viehmarkt-Kabul-Haendler

Da ist der Afghane so richtig in seinem Element: Handel ist einfach seine Sache!


Kabul - Viehmarkt: Karakulschafe


Schafe sind das Haupthandels-gut in dieser Zeit. Natürlich nicht irgendeine Schafrasse, nein, es muss das Karakulschaf mit seinem Fettschwanz sein! Und wirklich, da ist etwas dran.

Die Farben sind logischerweise auswaschbar. Man versaut doch keine wertvolle Wolle. Aber zur Kennzeichnung auf dem damals riesigen Markt - er ersetzte ja die Schlachthöfe einer großen Stadt - eignet sich die Farbe auf Hennabasis hervorragend. Nur keine Streitereien. Selbst in Turbanen lässt sich mühelos ein Revolver einwickeln, in dessen Lauf man seinen Daumen reinstecken kann.

Viehmarkt-Kabul-Karakulschafe
Viehmarkt-Kabul-Markt

Der Markt war riesig. Schließlich wurden hier in den Siebziger Jahren 300.000 Menschen mit Fleisch versorgt. Im Hintergrund, auf der anderen Seite des Kabulflusses ohne Wasser, die Russensiedlung Microjan im Bau.

Karakulschaf

Das Fleisch dieser Tiere können auch die Leute essen, die sonst das "Hammeln" nicht mal riechen können. Alles Fett dieser Tiere ist im Fettschwanz gesammelt und das Fleisch wunderbar mager. Wenn es dann noch einen Tag in Ziegenjoghurt eingelegt und dann am Spieß gegrillt wird - ein besseres Kebab gibt es nicht auf der Welt.

Man musste nur noch schnell sagen: "Bedune goschte zafed" - also ohne weißes Fleisch. Sonst war der Hammelgeschmack wieder da.

Was ein Afghane natürlich überhaupt nicht versteht. Wenn er sich schon mal Fleisch leistet, dann will er nicht das trockene Zeug haben, das keine Kraft gibt!

Diese Rasse ist anspruchslos, widerstandsfähig und gut angepasst an trockene Steppen- und Halbwüstengebiete. Weniger ist es für ein feuchtes Klima geeignet. In Deutschland gibt es deswegen kaum 100 Tiere dieser Art.

Es ist eine Pelzschafrasse mit nur mäßiger Wollqualität. Ein Bock bringt um die 60 kg, ein Muttertier um 40 kg auf die Waage. Hier im kargen Afghanistan meist weniger.

Schwarz ist am häufigsten, graue und braune Tiere sind relativ selten. Die Lämmer werden schwarz, grau, braun, goldfarben oder rosa geboren. Sie haben breite und lange Hängeohren. Böcke sind gehörnt, Muttertiere hornlos.

Ursprünglich ist diese Rasse in Westturkistan zuhause, wo sie seit ca. einem Jahrtausend gezüchtet werden.

Viehmarkt-Kabul-Karakulschafe

Karakulschaf von hinten mit persönlicher Note des Besitzers.

Viehmarkt-Kabul-Karakulschafe

Ist es auch fett genug?

Viehmarkt-Kabul-Karakulschafe

Auch das ist eine Delikatesse die von Männern sehr geschätzt wird: Hammelhoden!

Viehmarkt-Kabul-Karakulschafe
Viehmarkt-Kabul-Karakulschafe

Wozu ein Turban doch gut ist. Man kann 3 Schafe zusammenbinden!

Schafe überall. Die Nomaden verkauften sie auf dem Markt ,als sie noch frei umherziehen konnten und kein Krieg sie daran hinderte. Auch die drei Schafe sind mit dem praktischen Turban zusammengebunden.


Kabul - Viehmarkt: Kamele


Kamele murren, wenn sie aufstehen sollen, wenn ihnen Lasten aufgelegt werden, wenn sie laufen sollen - verständlich.

Sie murren aber auch, wenn sie stehen bleiben sollen, wenn ihnen die Lasten abgenommen werden und wenn sie sich hinlegen sollen - weniger verständlich.

Kamele sind einfach immer schlecht gelaunt. Auch nach 3 Wochen engster Bekanntschaft und freundlichster Behandlung.

Viehmarkt-Kabul-Kamele

Sehen die Drei nicht süß aus? Sie erinnern doch stark an so manches Sekretärinnenteam, dem man so im Leben begegnet ist. Weniger das Aussehen, aber zumindest die Mine und auf jeden Fall die oben geschilderte Verhaltensweise kommen einem bekannt vor!

Kamel? Dromedar? Ein Höcker? Zwei Höcker?

Hand aufs Herz: Wissen Sie es noch? Einfach ist es nicht.

In der Ordnung Artiodactyla gibt es die Unterordnung Thylopoda, die Schwielensohler und hier die Familie Camelidae, der Kamele mit den 5 Arten:

Trampeltiere
Lamas
Alpakas
Vicunias
Dromedare

Hier in Asien gibt es natürlich nur die Groß- oder Altweltkamele Trampeltiere und Dromedare.

Weltweit gibt es ca. 19 Millionen Camalidae und davon sind 90% Dromedare! So um 15 Mio davon leben allerdings in Afrika.

Fazit: In Afghanistan gibt es sowohl Trampeltiere, als auch Dromedare, aber alle sind Kamele (aber bitte richtig auffassen!).

Durch den Fleischwolf gejagt werden die Dromedare.

Viehmarkt-Kabul-Kamel

Trampeltiere

Das Trampeltier (Camelus ferus) ist ein zweihöckriges Kamel. Hier wird zwischen den Wildkamelen (Camelus ferus ferus) und den Hauskamelen (Camelus ferus bactrianus) unterschieden.

Die Wildkamele gelten, bis auf vielleicht einige Exemplare in der Wüste Gobi, als ausgestorben.

Die Höcker der Hauskamele sind größer und schwerer als die der Wildkamele. Oft kippen dieHöcker um. Das ist kein Zeichen von Hunger sondern eine Bindegewebeschwäche

Das Hauskamel hat sich nur wenig zu seiner Wildform verändert. Es verträgt Temperaturen von minus 30°C bis plus 50°C problemlos, mag dabei aber keine Nässe. Es gibt sie noch hier in Afghanistan, im Iran, der Mongolei, in China und im zentralasiatischen Trockengürtel.

Schon seit dem 4. Jahrtausend vor Christus werden sie als Haustier genutzt und zogen z.B. auf der legendären Seidenstraße durch die Wüste Taklamakan. Die Trampeltiere machten das Überleben der Menschen in den Wüsten erst möglich. Sie dienten als Reit- und Lasttier oder als Fleisch-, Milch- und Wolllieferant.

Sie fressen alles, was grün und pflanzlich ist. Verblüffend, dass ihre Zunge und ihr Maul mit den extremen Stacheln, z. B. des Kameldorns, fertig wird.

Viehmarkt-Kabul-Kamel

Eine gewisse Würde kann man ihnen nicht absprechen!

Dromedare

Dromedare (Camelus dromedarius) sind einhöckrige Kamele von denen man annimmt, dass es keine Wildformen gab sondern sie vom Trampeltier abstammen. Ein Ansatz eines zweiten Höckers ist nämlich noch vorhanden.

Man unterscheidet Last- und Reitdromedare. Auf lange Distanzen kann ein Reitdromedar schneller als ein Pferd sein. Ein Pferd kann an einem Tag um die 30, ein Dromedar um die 80km zurücklegen und kommt ca. 15 Tage ohne Wasser aus. Dann braucht es mehr als 10min, um eine Badewanne mit über 120l Wasser auszusaufen.

Dromedare gibt es in Nordafrika, Arabien und Vorderasien bis nach Pakistan und in den Wüsten Namibias. Verwilderte Herden leben in den Outbacks Australiens.

Die Tiere können dornige, manchmal auch giftige und holzharte Pflanzen fressen,stark salzhaltiges und damit bitteres Wasser vertragen sie auch. Sie werden bis zu 40 Jahre alt.

Viehmarkt-Kabul-Kamel

Eine gewisse Schönheit auch nicht...

Übrigens: Die jungen Tiere schmecken besser.

Viehmarkt-Kabul-Kamel

...oder auch nicht.

Viehmarkt-Kabul-Kamel

Story: Pfeffersteak

"Du musst übrigens im Bagh-e-Balha mal ein saftiges Pfeffersteak essen", bekam damals jeder Neuankömmling zu hören.

Die Steaks waren wirklich von beeindruckender Größe, waren auch saftig obwohl durchgebraten. Eigenartig. Kratzte man die Soße zur Seite, kamen kleine viereckige Löcher auf der Oberseite des Fleisches zum Vorschein.

Es war Kamelfleisch, dem man mit einer Maschine die langen Muskelfasern vor dem Braten zerrissen hatte.

Manchen ist danach schlecht geworden. Warum eigentlich? Schmeckte doch.

Kamelbauch

Viehmarkt-Kabul-Kamel

Weiße Dromedare kommen eigentlich nicht in den Topf. Das hier hatte aber einen gebrochenen Lauf.

Viehmarkt-Kabul-Kamel

Darf man hier "Kameltreiber" sagen?


Kabul - Viehmarkt: Wasserbüffel


Die Wasserbüffel sind aus Pakistan importiert und werden hier geschlachtet. Wenn sie Glück hatten, kamen sie auf einem LKW. Waren sie aber vollkommen abgemagert, kamen sie auf eigenen Hufen die fast 300km über den Khyberpass gelaufen.

Manchmal begegnete man solchen Trupps auf der glühend heißen Straße entlang des Kabulflusses. Die Tiere waren dann arm dran. Aber so oder so: Wer das Fleisch essen muss, ist auch arm dran!

Viehmarkt-Kabul-Wasserbueffel

Die Wasserbüffel, die hier verkauft werden, sind ausgesprochen kleine und, wie man sieht, sehr abgemagerte Tiere, besonders deutlich zu sehen bei dem Tier rechts hinten. Wahrscheinlich mussten sie 300 km von Pakistan aus laufen. Auf den Seiten aus Bangladesh gibt es größere zu sehen.

Wasserbüffel (Bubalis bubalis)

Wasserbüffel gehören zu den Rindern. Ihre Hörner sind aber dreieckig statt rund oder oval.

Hauptverbreitungsgebiete der Wasserbüffel sind: Indien, Pakistan, Bangladesh, China, Südostasien, große Teile Süd- und Mittelamerikas und Südeuropa (Balkan).

Wasserbüffel werden in unterschiedlicher Weise genutzt. Hauptgründe für die Nutzung ist ihr Einsatz als Zug- und Tragtier, Milch- sowie Fleischgewinnung. Wasserbüffel sind zwar langsam, besitzen aber eine ungeheure Kraft.

Die hier auf dem Markt zu kaufenden Tiere kommen aus dem Norden Pakistans und werden geschlachtet. Sie waren hier eher mager. Das Fleisch ist verdammt zäh und muss ziemlich lange gekocht werden.

Sie wiegen zwischen 300 und 600 kg. Stiere können 1000 kg, aber auch 1200 kg schwer werden. Die Widerristhöhe schwankt von 100-160 cm. Wasserbüffel sind im allgemeinen dunkelgrau bis schwarz. Es kommen aber auch gescheckte und reinweiße Tiere vor. Wasserbüffel besitzen große, an das Leben im Sumpf angepasste Klauen.

Viehmarkt-Kabul-Wasserbueffel

Schlachtvieh

Viehmarkt-Kabul-Wasserbueffel
Viehmarkt-Kabul-Hufschmied

Man konnte sich auch die Schuhe besohlen lassen.

Was gab es sonst noch?

Viehmarkt-Kabul-Melonen

Man stelle sich vor: Ein Land ohne Coca Cola! Erfrischungen nahm man in Form von Harbusa (Honig-) und Tarbusa (Wassermelonen) zu sich.

Viehmarkt-Kabul-Melonen

Arme Esel

Bei uns gibt es ein Sprichwort: Verbind dem Esel der da drischt das Maul nicht. In Afghanistan nicht.

Viehmarkt-Kabul-Esel

Story: Tierliebe

Das schlimmste Schicksal, das einer Kreatur auf Erden widerfahren kann, ist als Esel in dieser Ecke der Welt leben zu müssen.

An einer Straßenkreuzung in Kabul brach ein Esel zusammen. Er hatte rechts und links auf dem mageren Rücken je einen der typisch spitzen Säcke zu tragen - voll mit Mauersteinen aus Lehm. Der Treiber prügelte mit dem Stock auf den Esel ein. Der kam nicht hoch.

Der Stock hatte an der Spitze einen Nagel. Den stieß er dem Esel in die räudigen Flanken. Immer kam das Tier noch nicht hoch. Jetzt trat der Treiber ihm vors Maul.

Wir sprangen aus dem Auto und kippten die schweren Säcke auf die Straße - und sahen den blutigen Rücken des Esels. Da lag keine Decke oder so etwas drunter.

Der Treiber schrie, die Menge wurde größer und größer. Die eine Hälfte der Afghanen gab uns recht, die andere aber wollte sofort mehrere Lahk (100.000) Afghanis für den armen Treiber von den unermesslich reichen Ausländern haben.

Zum Glück lief der Motor...

Schön war das Land vor den Revolutionen. Das Leben lief in ruhigen Bahnen. Mögen die Menschen nach unseren Definitionen zwar arm gewesen sein, aber hungern musste keiner in Afghanistan.

Schade, dass die Russen in ihrer Gier nach einem eisfreien Hafen hier eingefallen sind.

Schade, dass religiöse Eiferer das Land ins Jahr 622 n. Chr. zurückbomben wollten und es beinahe geschafft hätten.

Schade, dass die Amis und die Deutschen den gleichen Fehler wie die Russen gemacht haben.

Schade um Afghanistan!.

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