Afghanistan: Kleine Freiheiten für Leute im Krieg: Hundekampf und Drachenkampf mit glassplitterbestreuten Papierschnüren. Bevor die Taliban auch das verboten....

Stand: 03.04.2015

Afghanistan

Es war eines der schönsten Länder der Welt!


Kabul - Sport und Spiele: Hundekampf


Im Winter 1984/85 hatten die Russen Kabul - aber nur Kabul - fest im Griff. Nichts war in der Stadt zerstört, den bösen Begriff "Taliban" gab es wohl noch nicht oder war uns nicht bekannt. Ausländer konnten sich nur im Umkreis von 13 km um das Stadtzentrum bewegen, denn draußen kämpften die Mudschaheddin ihren erbitterten Kampf gegen die ungeliebten Okkupanten.

Da war jede Abwechslung recht. Wie immer fanden am Freitagvormittag im Winter auf dem Gelände unterhalb des Interconti Hundekämpfe statt. Viel später haben die Taliban das natürlich verboten.

Unterhalb des Hotel Interconti und vor der Bergkette des Hindukuschs fanden am Djummah (Freitag, dem hiesigen Sonntag) die Hundekämpfe statt. Oft floß reichlich Blut, bevor einer der Rüden aufgab und bei dem Besitzer schon mal eine Träne runterlief. Alle Bilder vom Hundekampf sind im Dezember 1984 aufgenommen.

Info: Hundekampf

Schon immer gab es in Afghanistan Hundekampf. Nie war so etwas aus Iran oder Pakistan zu hören. Verblüffend eigentlich, wo Hunde lt. Koran doch so unrein sein sollen.

In jedem Dorf traf man diese riesigen Tiere mit den kupierten Ohren und Ruten - nötig, um Verletzungen beim Kampf zu vermeiden - an. Im Sommer und im Winter waren sie draußen. Sie sollten ja dicke Felle bekommen. Oft waren sie an Pfählen in der Dorfmitte angebunden, manchmal liefen sie auch frei herum und es war gut, wenn man sie sah - bevor man aus dem Auto stieg.

Mancher Afghane fütterte die schweren Tiere besser als seine Familie - sagte man - , mancher verwettete auch alles, obwohl Wetten nicht so richtig erlaubt war.

Verbissen wird gekämpft - ohne jeden Laut, kein Knurren, kein Jaulen ist zu hören.

Stolz sind die Besitzer.

Mancher Hund ist größer als sein Besitzer...

.... aber mancher Besitzer ist bissiger als sein Hund...

Story

Mißtrauen schlug einem entgegen. Ein Tourist konnte der ja kaum sein, mitten im Krieg, 1984, und mit den Besatzern wollte man nichts zu tun haben.

Doch halt, mit dem stimmt ja was nicht! Der trägt ja einen Bart und der schwedische Schneeanorak sieht sehr westlich aus. Kein russischer Soldat hat einen Bart! Auch nicht solche Klamotten.

Dar Almani hastam? Nix Kommunist? Das Eis war dann meist gebrochen, hier beim Hundekampf oder irgendwo im Bazzar.

Ob man seinen Hund mal anfassen kann? Bloß nicht! Wenn der Hund das zulässt, ist er ja kein Kampfhund und der Besitzer bis auf die Knochen vor den anderen blamiert!

Hunde, die bellen, beißen nicht. Wirklich?

Schon immer gab es im Land diese Hundekämpfe. Die Taliban haben sie auch nur kurz unterbinden können. Es wird sie wieder geben, ob es Tierschützern nun gefällt oder nicht.

Ein alter erfahrener Kämpe, frisch gezeichnet trotz des Sieges.

Bescheiden sind die Ansprüche der total verarmten Bevölkerung. Die gekochten Rüben sind bestimmt nicht teuer aber nicht einmal die paar Paisas konnten die Männer locker machen, 1985 unter russischer Besetzung. Schlimm, dass es unter der unsäglichen Talibanknechtschaft nur schlimmer werden sollt.


Kabul - Sport und Spiele: Drachenkampf


Ein altes Kampfspiel war früher im Herbst vor den Toren der Stadt zu erleben: Drachenkampf. Es muss einen chinesischen Ursprung gehabt haben. Die mehr oder weniger kunstvoll gebauten Drachen aus Papier und Holzleisten hingen an langen Papierschnüren, die erst durch Leim und dann durch feine Glassplitter gezogen worden waren.

Ziel war es nun, dem anderen Drachen die Schnur abzusägen. Die so steuerlos abstürzenden Drachen wurden johlend gejagt und zerfetzt - ein Aberglaube im Islam? Natürlich von den Taliban später verboten!

Drachenkampf vor der Stadt an der Strasse nach Kandahar. Natürlich nur ein Sport für die Männer.

Hier rennt die Meute hinter einem abgestürzten Drachen her (Bildmitte) und zerfetzt ihn - warum auch immer. Beide Bilder stammen vom Herbst 1971. Eine herrliche Abwechslung für junge und ziemlich alte Afghanen. Reich waren sie ja nie und mussten sich ja die Materialien für die Drachen zusammensuchen, zumindest die Schnüre kaufen. Eigentlich ist es nicht zu verstehen, warum die abstürzenden Drachen vernichtet wurden. Doch Aberglaube?

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Buzkashi